Windpark Nord: Windräder nach zehn Jahren abgeschrieben

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
14552795.jpg
Für das Aufsetzen der Nabe müssen auf den schon errichteten Riesenrohren noch einige Stücke aufgetürmt werden. Innen kann man (mit Leinen gesichert) hochklettern. Foto: Ralf Roeger
14552797.jpg
Die Nabe wird in 140 Metern Höhe aufgesetzt. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der Kran hinter dem Gewerbegebiet Avantis ist schon aus mehreren Kilometern Entfernung zu sehen, auch bei der Anfahrt von der niederländischen Autobahn aus. Dabei ist er „nur“ 96 Meter hoch. Und dient lediglich dazu, eine von fünf Windenergieanlagen bei Horbach aufzubauen. Die sind in der Spitze bis zu 199 Meter hoch.

Nabe und Gehäuse werden in 140 Metern auf den Metallstücken mit bis zu sieben Metern Durchmesser aufgesetzt. Um die, bis zu 75 Tonnen schwer, hochzuwuchten, muss der Kran später auch noch einmal verlängert werden, auf dann 156 Meter Auslagehöhe. Und dann reichen die Gegengewichte von momentan 250 Tonnen für den Riesenkran auch nicht mehr. Allein um diesen ab- und an einem neuen Standort aufzubauen, sind drei Tage notwendig. Erledigt wird das von einem kleineren Kran, immerhin auch schon 250 Tonnen schwer.

Um derartig gewaltige Dimensionen, wie sie Aachen bisher nicht kannte, ging es im Windpark Nord. Am Dienstag war Baustellenführung, und zahlreiche Bürger aus Laurensberg und Richterich folgten der Einladung der Stawag. „Wer ist gut im Schätzen?“, fragte Frank Brösse, Geschäftsführer der Stawag Energie zur Auflockerung. „In welcher Höhe befindet sich der rote Ring?“ „40 Meter“, kam prompt die Antwort aus interessierter Runde.

„Volltreffer“, zollte Brösse Respekt. Drei Elemente sind nämlich bei zwei Windrädern schon übereinandergetürmt. Die Markierung ist gesetzlich so vorgeschrieben, die langen Lulatsche müssen als Luftfahrthindernisse gekennzeichnet werden. Alle 40 Meter ein roter Ring, daran können sich Piloten oder Ballonfahrer orientieren.

650 Tonnen wiegt eine gesamte Anlage, und um sie fallsicher im Boden zu verankern, ist ein 480 Quadratmeter großes und 3,80 Meter tiefes Betonfundament in den Lössboden gegossen worden, seinerseits rund 1600 Tonnen schwer. Der Untergrund wurde zunächst daraufhin untersucht, ob sich alte Schächte darunter befinden, schließlich waren die nächsten Kohlegruben nur wenige Kilometer entfernt – Fehlanzeige.

Zuletzt werden die 56 Meter langen Rotorblätter drangeschraubt, erläuterte Martin Vollenhals, Projektleiter der Juwi AG, die vier der fünf Riesenräder auf ihre Kappe nimmt. Rotorblätter sind mit zwölf Tonnen vergleichsweise leicht, sie bestehen lediglich aus Gewebe und Gießharz und werden nachts per Tieftransporter auf 13 Achsen angeliefert.

In die Riesenflügel eingebaut sind Blitzschutz und Eis-Erkennungssystem – wenn sich Eis bildet, wird die Anlage automatisch abgeschaltet, damit die Brocken nicht durch die Gegend fliegen. Die Stawag errichtet ein Windrad, zwei sind bis Ende Mai fertig, eines bis Ende August, die anderen bis Ende September.

Wenn das Wetter mitspielt, denn bei Windgeschwindigkeiten über neun Stundenkilometern müssen die Arbeiten in schwindelerregenden Höhen eingestellt werden – zu gefährlich. Überhaupt spielen die Sicherheitsvorschriften bei der Montage der Kolosse für das Firmengemisch aus Polen, Frankreich, Deutschland und Dänemark eine große Rolle.

Die Kabel, in die der erzeugte Strom eingespeist wird, sind zum größten Teil schon verlegt, eines geht ins sieben Kilometer entfernte Umspannwerk an der Schurzelter Straße. Die Anlagen kosten sechs Millionen Euro pro Stück, sind auf 20 Jahre ausgelegt und nach zehn Jahren abgeschrieben. Sie werden am Ende 22,5 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr ins Netz einspeisen. Seit den ersten Planungen sind bereits sechs Jahre vergangen, erfuhren die interessierten Zuhörer.

Feldwege bleiben ausgebaut

Aus ihren Reihen kamen auch fachkundige und kritische Fragen, etwa nach dem Infraschall. „Jedes technische Gerät löst Infraschallwellen aus“, erläuterte Juwi-Mann Vollenhals. Die eingereichten Gutachten seien von der Bezirksregierung jedoch ganz genau geprüft worden: „Die für Menschen spürbare Wirkung lässt nach 150 Metern nach.“ Und in diesem Radius liege keines der angrenzenden Wohnhäuser.

Der Teil der Felder, der jetzt mit Platten abgedeckt ist, wird nach der Fertigstellung wieder in die bäuerliche Nutzung zurückgegeben. Die auf vier Meter Breite ausgebauten Feldwege bleiben jedoch so erhalten, falls einmal Ersatzteile geliefert werden müssen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert