Windpark: Kritiker vermissen neue Untersuchungen

Von: Werner Breuer
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Gegen den Richterspruch aus Münster hatten die Aachener deshalb eine „Nichtzulassungsbeschwerde“ eingelegt. Symbolfoto: dpa

Aachen. Das Misstrauen bleibt. Die Bürgerinitiative „Rettet den Münsterwald“ argwöhnt weiterhin, dass die Stadt die Windräder im Münsterwald gegen alle Widerstände errichten will. Von der laufenden Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), die von den Windpark-Initiatoren lange als unnötig angesehen wurde, erwarten die Kritiker keinen wirklichen Richtungswechsel.

Gegebenenfalls wollen sie vor Gericht ziehen. Dazu wurde eigens der Verein „Natur- und Landschaftsschutz Nordeifel e.V.“ gegründet, der der Landesgemeinschaft Natur und Umwelt NRW (LNU) beigetreten ist. Und diese LNU hat als anerkannte Umweltorganisation das Recht, in öffentlich-rechtlichen Verfahren zu klagen.

Bei der Stadt werde die UVP nur als lästige Formalie betrachtet, glaubt etwa Rainer Ständer von der Bürgerinitiative, das Ergebnis „steht längst fest“. Nur „vom Schreibtisch aus“ würden die Auswirkungen der geplanten sieben Windkraftanlagen auf die Umwelt betrachtet. „Es gab keine neuen Untersuchungen“, moniert Ständer, „das wurde nur anders verpackt.“ Und daran sei ausgerechnet jenes Büro beteiligt, das seinerzeit die UVP für unnötig gehalten habe.

Aus Sicht der Bürgerinitiative hätte die Stadt mehr auf die Umweltverbände zugehen können. So sehe das Gesetz vor, dass etwa der Naturschutzbund (Nabu) oder der BUND zu einem sogenannten Scoping-Termin hinzugezogen werden können. Doch auf den Rat derer, die den Planungen kritisch gegenüberstehen, wolle man offenbar nicht hören. Der Münsterwald und seine Artenvielfalt würden eben dem politischen Willen zur Errichtung der Windkraftanlagen nachgeordnet.

Dabei seien die Anlagen an diesem Standort „gar nicht wirtschaftlich zu betreiben“, meint Herbert Klinkenberg von der Bürgerinitiative. Zwei Drittel aller Windkraftanlagen in Deutschland rechneten sich nicht, oft seien die Winderträge zu optimistisch kalkuliert worden. Jetzt werde „man überall mit den Prognosen sehr vorsichtig“.

Großen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit hätten dabei auch die Ausfallzeiten der Rotoren, mahnen die Kritiker. Abgeschaltet würden sie zum Beispiel wegen des Zugs der Kraniche. „Der Bauherr hat angeboten, an den Massenzugtagen der Kraniche abzuschalten“, sagt Rainer Ständer, „aber nur bei schlechtem Wetter.“ Diese Tage seien jedoch schlecht einzugrenzen.

Stillstehen müssten die Windräder auch, wenn Eiswurf droht. Zwar sollten automatischen Erkennungssysteme verhindern, dass Eisbrocken durch in die Gegend geschleudert werden. Doch selbst bei stillstehenden Rotoren könne es für Spaziergänger im direkten Umfeld brenzlig werden, warnt Ständer. Die Eisbrocken könnten aus einer Fallhöhe von bis zu 200 Metern niedergehen, „und von unten ist diese Gefahr nicht zu erkennen“.

Außer Betrieb gehen müssten die Anlagen auch bei Schlagschatten oder auch wegen Wartungsarbeiten. Da kämen durchaus beachtliche Zeiten zusammen, in denen die Anlagen keinen Strom produzieren könnten, meint Katharina Ständer von der Bürgerinitiative.

Überdies würden Änderungen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für weitere Verschlechterungen auf der Ertragsseite sorgen. Zudem wehe der Wind im Münsterwald nicht so, wie er es in wirtschaftlicher Hinsicht sollte. „Das ist kein guter, sondern ein kritischer Standort“, sagt Katharina Ständer.

Und ihr Mitstreiter Herbert Klinkenberg zieht daraus den Schluss, dass „die Naturzerstörung im Münsterwald letztlich von den Stromkunden in Aachen bezahlt werden muss“.

Zwei der geplanten sieben Rotoren hält Rainer Ständer ohnehin wegen der ungeklärten Erschließung für „nicht genehmigungsfähig“. Nach seinen Informationen gebe der Landesbetrieb Straßen NRW nur während der Bauzeit seinen Segen zur An- und Abfahrt von der Himmelsleiter aus. „Das gibt schon Chaos genug“, meint Ständer.

Doch wenn die Anlagen einmal errichtet seien, wolle der Landesbetrieb die Anfahrt zu den Anlagen – etwa für Wartungsarbeiten – von der Bundesstraße aus nicht mehr gestatten. Die fünf Rotoren westlich davon seien zwar noch auf anderen Wegen von Sief aus zu erreichen, die auf der Ostseite aber nicht.

Gegen die Rotoren will die Bürgerinitiative notfalls alle juristischen Register ziehen und über die LNU auch den Klageweg beschreiten. „Wir haben uns schon nach Rechtsanwälten umgesehen“, sagt Rainer Ständer.

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