Windkraftanlagen: Waldspaziergang mit Plänen und Leitlinien

Von: Werner Breuer
Letzte Aktualisierung:
6294343.jpg
Diese Wandergruppe sucht keine Erholung: Gegner der geplanten Windkraftanlagen nahmen gemeinsam mit Behördenvertretern die anvisierten Standorte im Münsterwald in Augenschein und tauschten noch einmal ihre Argumente aus. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Der Hund von Forstamtsleiter Gerd Krämer hatte sichtlich seinen Spaß, auch die Vertreter der Düsseldorfer Staatskanzlei genossen den Waldspaziergang, und manche Abgesandte von Bezirksregierung oder Stadtverwaltung waren vielleicht auch froh, bei schönem Spätsommerwetter mal raus aus dem Büro zu kommen. Ob sich für die Gegner der im Münsterwald geplanten Windräder die Begehung gelohnt hat, bleibt einstweilen offen.

Es sei doch ohnehin schon zu spät, monierten einige Rotorenkritiker, schließlich habe der Aachener Stadtrat in der vergangenen Woche die dafür nötige Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen. Und Christoph Epping hat in der Staatskanzlei eigentlich auch schon den Aktenordner zugeklappt. „Wir waren nur zuständig für die rechtliche Prüfung des Zielabweichungsantrags“, erklärt der Leiter der Abteilung für Raumordnung und Landesplanung.

Diesen Antrag hatte die Stadt bekanntlich stellen müssen, weil der Landesentwicklungsplan Windräder im Wald eigentlich nicht vorsieht. Ob es trotzdem Sinn macht, die Planungen weiterzuverfolgen, mussten Epping und seine Leute bewerten. „Wir waren die erste Hürde in diesem Verfahren“, sagt er. Obwohl die inzwischen genommen ist, war er gerne zum Treffen mit den Beteiligten am Ringen um den Münsterwald bereit. Dabei könne seine Behörde einiges lernen, meint Epping.

Von den Windrad-Gegnern wurde er jedenfalls gut unterrichtet. Die Vertreter der Bürgerinitiativen hatten sich gut vorbereitet auf den Spaziergang. So stoppte etwa Herbert Klinkenberg die Wandergruppe schon nach wenigen Hundert metern, um auf ein Vogelhorst aufmerksam zu machen. „Wir wissen nicht, was es ist, und wir behaupten auch nichts“, betonte Klinkenberg, „aber wir wollen schon darauf hinweisen.“

Der Hinweis könnte durchaus Folgen haben: „Das wird überprüft“, sicherte Aachens Planungsdezernentin Gisela Nacken zu, Sollte sich herausstellen, dass es sich um das Nest eines Schwarzstorchs oder Rotmilans handelt, könnte das womöglich das Aus für eines von sieben dort geplanten Windrädern bedeuten.

Dass Rotmilane und Rotoren nicht gut zusammenpassen, wissen Gegner wie Befürworter der Anlagen. Der Raubvogel erkenne die Gefahr nicht, sagte Klinkenberg, „der ist wie ein Zweijähriger an der Autobahn“. Aber er jage halt nicht im Wald, sondern auf Freiflächen, hielten Elmar Wiezorek und Wilfried Engels vom Umweltamt entgegen. Was Klinkenberg keineswegs beruhigte: Durch den Bau der Windkraftanlagen im Wald würden dort genau solche Flächen geschaffen.

Diese Flächen fallen nach Berechnungen des Bürgerinitiativenvertreters Rainer Ständer erheblich größer aus als bislang von der Verwaltung angegeben. „Mindestens 100 Prozent mehr“ hat er kalkuliert, aufgrund von Leitlinien und anderer Fachliteratur. Umweltamtsleiter Wiezorek fühlte sich bemüßigt, da mal die Maßstäbe zurechtzurücken. Womöglich würden am Ende nicht 4,5 Hektar Fläche in Anspruch genommen, sondern fünf oder sechs – von einem insgesamt 900 Hektar großen Gebiet.

Wie dort welche Anlagen verteilt werden, wird nun immissionsschutzrechtlich geprüft. Bei diesem nächsten Verfahrensschritt sind auch die Detailfragen zu klären, die bei der Begehung angesprochen wurden. Für ausführliche Debatten und den erneuten Austausch bekannter Argumente fehlte Epping und den anderen Behördenvertretern dann doch die Zeit. Des Försters Hund hätte sicher nichts dagegen gehabt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert