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Windkraftanlagen: Bauchschmerzen im Norden und im Süden

Von: Werner Breuer und Holger Richter
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So könnte er aussehen, der Wi
So könnte er aussehen, der Windpark Münsterwald am Ortsrand von Roetgen, aber auf Aachener Hoheitsgebiet. Montage: Horst Thomas

Aachen. Nicht nur die Umweltpolitiker leisten in diesen Tagen Schwerarbeit. Sie müssen sich durch ein 429 Seiten dickes Verwaltungspapier wühlen, um entscheiden zu können, ob im Aachener Norden und im Münsterwald neue Windkraftanlagen errichtet werden sollen.

Dass am Fuße des Münsterwaldes die Christdemokraten mit den Windmühlenflügeln zu kämpfen haben würden, wurde am Mittwoch schon zu Beginn der Sitzung der Bezirksvertretung Kornelimünster/Walheim deutlich. Ein Vertreter der Bürgerinitiative gegen den geplanten Windpark verwies in der Einwohnerfragestunde auf 4000 gesammelte Unterschriften gegen das Projekt und fragte süffisant, welche Chancen sich die CDU („noch die stärkste Kraft hier”) denn für den nächsten Wahlkampf ausrechne.

Auf den Beifall der ortsansässigen Rotorenkritiker kann da die FDP-Bezirksvertreterin Gretel Opitz setzen. Sie sprach sich klar gegen die Windräder aus. Der Münsterwald werde für die Naherholung intensiv genutzt und dürfe „nicht für Windkraftanlagen zerstört werden”.

Für die Windräder sprach sich hingegen die SPD aus. Sie bekennt sich nach den Worten von Bezirksvertreter Bernd Krott „zu den nationalen und internationalen Vereinbarungen und Zielen des Klimaschutzes”. Und deshalb könne man nicht bloß auf Land und Bund verweisen, sondern müsse auch auf lokaler Ebene umsteuern. Zwar wären auch Krott solche „industriellen Zweckbauten” off-shore oder sonstwo im Niemandsland weitaus lieber, aber leider komme man nicht daran vorbei, sie auch im Wald zu errichten.

Für CDU-Bezirksvertreter Jakob von Thenen lautet aber die zentrale Frage: „Dürfen wir das?” Er verwies auf Berichte über dort vorkommende Schwarzstörche und andere Vögel, denen durch die Rotorblätter tödliche Gefahren drohten. Auch der Landschaftsbeirat habe sich aus Sorge um den Artenschutz mehrheitlich gegen die Windkraftanlagen im Münsterwald ausgesprochen. „Wir wollen uns nicht hinter einem Schwarzstorch verstecken”, betonte von Thenen. Nach Ansicht der Christdemokraten sollte die Offenlage der Änderung des Flächennutzungsplanes, die die Ausweisung der Konzentrationsflächen vorsieht, nicht beschlossen werden. Zuvor sollten „weitere Untersuchungen” zu Schwarzstorch & Co. erfolgen.

Es geht um 185 Meter hohe Windräder, aber die Gräben dazwischen sind tief - zumindest die, die geplanten Konzentrationsflächen für Windkraftanlagen zwischen den einzelnen Fraktionen der Bezirksvertretungen in Laurensberg und Richterich aufgeworfen haben. Denn in beiden Ortsparlamenten wurde dem Planungsausschuss jeweils mit den mehrheitlichen Stimmen von CDU und Grünen (mit Ausnahme des Laurensberger CDU-Abgeordneten Henner Claßen) die Offenlage empfohlen. Die FDP stimmte in beiden Vertretungen dagegen, während sich die SPD in Richterich enthielt und die in Laurensberg vehement dagegen votierte.

Die Sozialdemokraten begründeten ihre Ablehnung damit, dass in der Beschlussvorlage zwar von Emissionen bis hin zum Vogelflug alles Mögliche berücksichtigt worden sei, aber der Mensch im Hintergrund stehe. Außerdem kritisierten beide SPD-Fraktionen, dass man über die Offenlage nur im Paket - also über die Flächen im Norden und Süden zusammen - abstimmen könne. „Wir lehnen die Änderung des Flächennutzungsplanes, so wie er uns hier vorliegt, ab”, resümierte Veit Helmig für die SPD in Laurensberg, „denn es ist nicht zumutbar, 185 Meter hohe Windräder in 750 Metern Entfernung von Wohngebieten zu bauen und zu betreiben.”

Der Richtericher Grüne Otto-Wilhelm Kuhrt-Lassay hielt dagegen: „Wir wollen hier kein Atomkraftwerk bauen und den Menschen keine Kokerei vor die Tür setzen. Ich finde, die Verhältnismäßigkeit ist gewahrt.”
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