Aachen - Wieder Streit um verkaufsoffene Sonntage

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Wieder Streit um verkaufsoffene Sonntage

Von: Werner Czempas
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Parkplatznot: Wenn an verkaufs
Parkplatznot: Wenn an verkaufsoffenen Sonntagen auch die Alemannia auf dem Tivoli spielt, verbuchen Firmen wie Porta Einbußen von mehr als 50 Prozent gegenüber dem Umsatz an verkaufsoffenen Sonntagen ohne Alemannia-Heimspiel. Foto: Harald Krömer

Aachen. „Wir sind wieder die Gelackmeierten.” Heinz Heidemann, Betriebsrat von Porta und tätig auch im Wirtschaftsausschuss des Möbelhauses an der Krefelder Straße, ist entrüstet. Entrüstet über den MAC, den Verein Märkte und Aktionskreis City.

Der hat für das kommende Jahr neue Termine für verkaufsoffene Sonntage vorgeschlagen. Beim Handel an der Krefelder Straße und Hunderten Mitarbeitern gibt es wieder gewaltigen Ärger.

Die Debatte um die verkaufsoffenen Sonntage ist in Aachen noch in unguter Erinnerung. Der Stadtrat kann dem Vorschlag des MAC zustimmen oder die Termine ablehnen. Mehr und mehr Politiker wollen es dabei mit ihrem sozialen Gewissen nicht länger vereinbaren, Arbeitnehmern immer mehr Sonntagsarbeit aufzubürden. Kirchen, Gewerkschaften und die Linke sprechen sich für den „arbeitsfreien Sonntag” aus. Auch in den anderen Parteien mehren sich die Bedenken.

Geht es beim Ja oder Nein zur Sonntagsarbeit um eine grundsätzliche Frage, kommt im Fall der Krefelder Straße ein Problem hinzu. Das Problem heißt Alemannia Aachen. Von den vier für dieses Jahr vom Stadtrat abgesegneten verkaufsoffenen Sonntagen in der Innenstadt kollidierten drei mit Heimspielen der Alemannia.

Das Malheur: Wenn an verkaufsoffenen Sonntagen auch noch die Alemannia auf dem Tivoli spielt, schwimmen oft nicht nur den Fußballern, in jedem Fall aber den Geschäftsleuten an der Krefelder Straße die Felle davon. Firmen wie Porta verbuchen an solchen Tagen Einbußen von mehr als 50 Prozent gegenüber dem Umsatz an verkaufsoffenen Sonntagen ohne Alemannia-Heimspiel.

Denn an verkaufsoffenen Sonntagen (13 bis 18 Uhr) bei gleichzeitigem Heimspiel der Alemannia (Anpfiff um 13.30 Uhr) verspüren Kunden wenig Lust, sich für die An- wie Abfahrt ins Verkehrsgetümmel und in einen nervenden Parkplatzkampf rund um die Krefelder Straße zu stürzen. Dem Blechgeschiebe bleiben sie lieber fern. Zum Verdruss der Händler und der Mitarbeiter.

Porta-Betriebsrat Heinz Heidemann: „Ich spreche nicht nur für meine Kollegen, sondern auch für viele andere im Gewerbegebiet. Wir sind nicht gegen verkaufsoffene Sonntage, wir machen sie freiwillig, denn wie bei uns arbeitet das Verkaufspersonal vielfach ausschließlich auf Provisionsbasis.

Wir können an solchen Tagen richtig Geld verdienen, was ein erheblicher Bestandteil unseres Einkommens ist. Wenn die Kunden aber wegen des Alemannia-Rummels wegbleiben, haben wir Verkäuferinnen und Verkäufer die Niete gezogen.”

Die Niete gezogen hat das Verkaufspersonal an der Krefelder in diesem Jahr gleich drei Mal. Am vergangenen 3. April schon und auch am kommenden Sonntag, 6. November, wenn die Alemannia zu einem Schlüsselspiel im Abstiegskampf der zweiten Liga den MSV Duisburg empfängt, bei jetzt schon verkauften 28.000 Tivoli-Tickets. Und auch am letzten verkaufsoffenen Sonntag in diesem Jahr, dem 4. Dezember, könnte es erneut zu einer Kollision kommen: Alemannia empfängt an diesem Wochenende den TSV 1860 München, der genaue Termin steht aber noch nicht fest.

Betriebsrat Heidemann hatte wegen der Kollisionen die Ratsfraktionen und das Bürgerforum um Hilfe angerufen. Forums-Vorsitzender Karl Schultheis gab Manfred Piana, Manfred Piana, Geschäftsführer des Märkte- und Aktionskreises City (MAC), den Rat mit auf den Weg: „Bringen Sie bitte bei Ihren Vorschlägen die Interessen der Innenstadt und der Krefelder Straße in Einklang.”

Rat und Bitte haben nichts gefruchtet. Denn inzwischen hat der MAC die neuen Terminwünsche für das nächste Jahr 2012 eingereicht. Gleich der erste Vorschlag für einen verkaufsoffenen Sonntag fällt auf den 29. April 2012.

Genau an dem Tag, dem 33. Spieltag, aber empfängt die Alemannia den Karlsruher SC, es ist das vorletzte und aus heutiger Sicht über den Verbleib in der 2. Bundesliga möglicherweise entscheidende Meisterschaftsspiel. Zuschauerströme garantiert.

Nun sind die Spielansetzungen der Fußball-Bundesligen relativ lange vorher bekannt, weshalb sich Heinz Heidemann nur noch wundert: „Was haben denn die ganzen Debatten und die Diskussion im Bürgerforum gebracht, wenn Herr Piana von der MAC keinerlei Sensibilität für den Handel an der Krefelder Straße zeigt?” Der engagierte Betriebsrat ärgert sich über die personellen Auswirkungen.

„In unserem Haus wurden geplante Einstellungen mit Blick auf die Ausfälle zurückgestellt”, weiß er als Mitglied des Wirtschaftsausschusses seines Unternehmens. Das Handels- und Gewerbegebiet Nord an der Krefelder Straße werde immer größer, so Heinz Heidemann.

Sein Vorschlag: Weil die Verhältnisse an der Krefelder Straße völlig anders seien als in der Innenstadt, sollten dort „eigene verkaufsoffene Sonntage” gelten, wie etwa für Burtscheid oder Brand oder Eilendorf und andere Stadtgebiete. Vor allem abgestimmt auf die Spiele der Alemannia. Heidemann: „Was spricht dagegen?”

Dagegen, sagt MAC-Geschäftsführer Manfred Piana, spricht allein das Gesetz. Das richtet sich nach Stadtbezirksgrenzen. Danach zählt die Krefelder Straße zum Stadtbezirk Aachen-Mitte, also zur Innenstadt. Piana vertröstet aufgebrachte Gemüter: Bei den Vorschlägen für das Jahr 2012 handele es sich zunächst um die Wunschliste des MAC, beschließen müsse der Rat.

Der MAC habe den 29. April 2012 auch deswegen als verkaufsoffen ausguckt, weil an diesem Tag die niederländischen Nachbarn den „Königinnentag” feierten. Der Handel erwarte wie alljährlich viele niederländische Kunden und plane für sie Willkommens-Aktionen. Der MAC-Geschäftsführer verkennt die Probleme nicht. „Aber es allen recht zu machen”, sagt Manfred Piana, „ist ein Riesenproblem. Nehmen wir auf die Heimspiele der Alemannia Rücksicht , kommt demnächst das Reitturnier und der und der und der. Im Endeffekt finden sich dann gar keine Termine mehr für verkaufsoffene Sonntage.”

Der Ball liegt wie schon Anfang des Jahres wieder im Feld der Politik. Wegen der hohen Gesamtzahl der vorgeschlagenen verkaufsoffenen Sonntage im ganzen Stadtgebiet haben die Linken schon losgedonnert: „Eine Frechheit und Zumutung für die Beschäftigten im Einzelhandel.”
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