Wieder ein Angriff: Falschparkerin beißt Politesse

Von: Thomas Vogel
Letzte Aktualisierung:
Knöllchen, Politesse
Die Politesse musste nach dem Handgemenge und dem Biss in den Finger ins Krankenhaus gebracht werden. Symbolbild: dpa

Aachen. Nach dem Fall vom vergangenem Wochenende, als eine Gruppe junger Männer drei Polizisten in der Nähe des Aachener Bushofs dienstunfähig getreten und geschlagen hatte, ist nun erneut eine Amtsperson im Dienst verletzt worden. Am Montagmorgen traf es eine Politesse im Ostviertel.

Sie hatte nach Angaben der Stadt gegen 9.30 Uhr eine Falschparkerin in der Düppelstraße darauf aufmerksam gemacht, dass diese mit ihrem Auto im absoluten Halteverbot stehe, und sie aufgefordert, den Wagen doch bitte woanders zu parken. Die Autofahrerin missachtete den Hinweis jedoch geflissentlich und wurde kurze Zeit später handgreiflich.

Die Politesse machte sich, nachdem die Fahrerin ihren Wagen nicht wegbewegen wollte, an die Arbeit und nahm das Diensthandy heraus, um Fotos zur Beweissicherung zu machen und eine Verwarnung gegen die Falschparkerin einzuleiten. Daraufhin stieg die Fahrerin aus ihrem Wagen aus und forderte von der Politesse, keine Fotos zu machen und die bis dahin gemachten Bilder sofort zu löschen. Die Politesse wiederum erklärte der Frau, dass sie verpflichtet sei, zur Beweissicherung Fotos zu machen. Dann eskalierte die Situation. Die Fahrerin nahm der Politesse ihr Diensthandy weg und hielt es in die Luft.

Nun griff auch die Beifahrerin ein. Sie stieg aus dem Auto und forderte die Fahrerin zunächst auf, das Handy zurückzugeben. Aber auch die Begleiterin hatte offenbar nur sehr beschränkten Einfluss auf die Fahrerin, die stattdessen begann, Schimpftiraden auf die Politesse niedergehen zu lassen.

In dem sich in der Folge entwickelnden lautstarken Streit mischte auch die Beifahrerin mit. Die Auseinandersetzung gipfelte nach Angaben der Stadt in einem Handgemenge zwischen den drei Frauen, in dessen Verlauf die Politesse in den Zeigefinger gebissen und am Hals verletzt wurde. Außerdem nahmen ihre Kontrahentinnen ihr die Brille weg.

Die Auseinandersetzung endete erst, als ein Radfahrer der Politesse zur Hilfe kam und wenig später die Polizei eintraf. Ein Rettungswagen brachte die Frau in ein Krankenhaus. Die Angreiferin sieht sich nun Anzeigen der Politesse wie des Rechtsamts der Stadt wegen Körperverletzung gegenüber. Aber auch die Autofahrerin hat Anzeige erstattet – gegen die Politesse, wegen der Fotos.

„Schusswaffengebrauch wäre nicht infrage gestellt worden“

Der Einsatz vom Wochenende, als eine Gruppe junger Männer Polizisten hinterrücks attackiert hatte, wird unterdessen im Präsidium aufgearbeitet. „Es ist bemerkenswert, wie besonnen die Kollegen dort gehandelt haben“, sagte Polizeisprecher Paul Kemen.

Bei der Brutalität, mit der die Angreifer vorgegangen seien, wäre nach jetzigem Kenntnisstand auch ein Schusswaffengebrauch wahrscheinlich nicht infrage gestellt worden, so Kemen. Ein anderes wirksames Mittel zur Verteidigung hätten die Kollegen in diesem Fall kaum gehabt. Mit Pfefferspray etwa hätten sie sich bei der körperlichen Auseinandersetzung womöglich selbst beeinträchtigt.

Nähere Details zu der Gruppe vom Bushof, etwa wie lange sich die jungen Männer bereits kannten oder woher, lägen derzeit noch nicht vor. Aktuell würden sowohl Zeugen als auch Täter – sieben Deutsche, ein eingebürgerter Marokkaner und ein Mann unbekannter Herkunft – vernommen. Wie bei allen Fällen, bei denen Beamte verletzt werden, wird auch der Einsatz vom Wochenende analysiert. Eine Fehleinschätzung der beteiligten Beamten habe man bisher nicht feststellen können.

Der Vorfall ereignete sich außerhalb des Überwachungsbereichs der am Bushof installierten Videobeobachtung. Taten außerhalb des Beobachtungsbereichs gebe es immer wieder, erklärte Kemen. Über weitere Kameras in der Umgebung könne man aber erst dann sprechen, wenn es eine Häufung von Vorfällen gäbe. Das könne man für den entsprechenden Bereich noch nicht nachweisen.

Die Polizei sucht nach wie vor Zeugen, die sachdienliche Hinweise zum Sachverhalt in der Nacht von Freitag auf Samstag machen können. Sie werden gebeten, sich unter Telefon 0241/9577-31101 oder Telefon 0241/9577-34210 (außerhalb der Bürozeiten) zu melden. Besonders einen weiteren Zeugen, der das ursprüngliche Opfer zur Tatzeit begleitete, bittet die Polizei, sich zu melden.

Die Fall vom Wochenende ist eines von vielen Beispielen für Widerstand gegen Polizeibeamte, die immer auch Körperverletzungsdelikte sind. Kemen: „Die Zahlen alleine zeigen jedoch nicht auf, wie vor allem Respektlosigkeit und Gewaltbereitschaft uns gegenüber zugenommen haben. Jedoch auch Rettungskräften und Feuerwehrleuten gegenüber.“ Und Politessen, wie der aktuelle Fall aus dem Ostviertel zeigt. Anzeichen für eine Trendwende gibt es nicht.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert