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Wieder droht ein Stück Stadtteilkultur zu verschwinden

Von: Gerald Eimer
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Sorgt sich um die Veranstaltungsstätte in Brand: Roland Kouhl, Inhaber des „Eller Foto: Harald Krömer

Aachen. Wieder geht das Bangen um ein Stück Stadtteilkultur und Vereinsleben um: Der „Eller Hof” in Brand blickt einer ungewissen Zukunft entgegen.

Schon sorgt sich Inhaber Roland Kouhl, dass ihm das gleiche Schicksal beschieden sein könnte wie zuvor dem Sandhäuschen in Laurensberg und dem Saaltheater Geulen in Eilendorf. Auch Brand verlöre dann eine wichtige Veranstaltungsstätte und einen zentralen Treffpunkt für die Vereine.

Es sind Meldungen wie jene über die jüngste Jahresbilanz des Eurogress, die Kouhl in Rage bringen. Da schwärme Politik und Verwaltung von blendenden Bilanzen und guter Auslastung - und erwähne nur nebenbei, dass der Zuschussbetrieb die Stadt im vergangenen Jahr immer noch rund 1,4 Millionen Euro gekostet hat. „Für das Geld könnten bei uns alle Veranstaltungsbesucher frei trinken und essen”, sagt er.

Nun weiß auch Kouhl, dass das Eurogress in einer anderen Liga spielt. Ihn ärgert, dass die Stadtbezirke seinem Eindruck nach zunehmend leer ausgehen. „Wir wollen hier eine Örtlichkeit für Vereine erhalten”, sagt er. Doch auf Unterstützung seitens der Stadt kann er offenbar nicht hoffen.

Seit anderthalb Jahren sucht er einen Käufer für den „Eller Hof”, den die Familie Kouhls in vierter Generation betreibt. Es sind insbesondere gesundheitliche Gründe seiner Frau, die ihn zu diesem Schritt zwingen würden. Die Hoffnungen ruhten auch auf der Stadt, die einst ein Bürgerhaus für Brand bauen wollte. Mit dem „Eller Hof” könnte sie einen der größten Säle Aachens mit Platz für 470 Menschen erwerben. Doch das Interesse sei gleich Null, ärgert sich Kouhl.

Dahinter steckt mehr als die Sorge um den Niedergang der eigenen Immobilie. Denn tatsächlich stecken viele privat betriebene Säle in einem kaum noch zu gewinnenden Existenzkampf, wie die Beispiele Sandhäuschen und Saaltheater Geulen zeigen .

Ohne städtische Zuschüsse sei ein Überleben kaum noch möglich, sagt auch der erfahrene Veranstalter und Gastronom Hubert Geulen: Das Publikum wird immer anspruchsvoller, die Künstler werden immer teurer. Zugleich sitzt den Leuten das Geld nicht mehr so locker. Selbst alteingesessene Vereine haben Mühe, ihre Veranstaltungen noch voll zu kriegen. Hinzu kommen immer schärfere Sicherheitsbestimmungen auf Kosten der Sitzplatzzahl, steigende Nebenkosten für Wasser, Strom, Gema oder Künstlersozialversicherung.

All dies sind Risiken, die das Eurogress dank städtischer Rückendeckung nicht fürchten muss. Auch Eurogress-Chefin Kristina Wulf betont, dass Veranstaltungsstätten immer und überall Zuschussbetriebe sind. Doch während die Politik und Verwaltung beim Euro­gress weiter auf Wachstum setzen und nun sogar den Zukauf des Knappschaftshauses an der Monheimsallee erwägen, bleibt für die Bezirke offenbar nicht mehr viel übrig.

Wohl den Vereinen, die städtische Hallen wie die Haarbachtalhalle in Haaren oder die Peter-Schwarzenberg-Halle in Richterich nutzen können. Für alle anderen ist offen, wie lange sie noch ortsnah feiern können.

Eine Frage der Zeit

Das weitere Saalsterben in Aachen scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Es ist wie eine „Globalisierung im Kleinen”: Bei den einen gehen allmählich die Lichter aus, bei den anderen strahlen sie um so heller. Dem Zusammengehörigkeitsgefühl in den Bezirken hilft das nicht.
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