Kornelimünster - Wie es den wenigen im Münsterländchen lebenden Juden erging

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Wie es den wenigen im Münsterländchen lebenden Juden erging

Von: Georg Dünnwald
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Eine Gedenktafel erinnert an die ermordeten Juden aus Kornelimünster. Foto: Ralf Roeger

Kornelimünster. Sie waren Bürger des Münsterländchens, sie wohnten in Dorff oder Breinig. Ganz normale Bürger, meist dem Mittelstand zugehörig, ihre Berufe waren Metzger, Viehhändler, Friseur. Sie lebten im Einklang mit der Gesellschaft, bis sie das nicht mehr durften.

Denn am 30. Januar 1933 bestellte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Kanzler. Das war der Auftakt zur Vernichtung der europäischen Juden, der auch die meisten Bürger dieses Glaubens aus Kornelimünster, Dorff, Stolberg, Breinig und all der darum liegenden Orte zum Opfer fielen.

Der Heimatforscher Ewald Haller hat sich mit deren Geschichte befasst und hielt am Montagabend anlässlich des weltweiten Holocaust-Gedenktags im Gemeindesaal der Aachener Synagoge einen bemerkenswerten Powerpoint-Vortrag.

„Nur in einer gottlosen Ideologie konnte eine solche Tat begangen werden“, kommentierte Haller. „Der Tod von Millionen Juden ist unauslöschlich mit den Deutschen verbunden.“ Sein Fazit gleich zu Beginn seines Vortrags: „Es darf kein Schlussstrich unter der Vergangenheit gezogen werden, denn die Zukunft braucht Erinnerung.“

Im „Brennes“, einer ehemaligen Brennerei, war das Bethaus der jüdischen Gemeinde von Kornelimünster, zu der auch die Orte Breinig und Dorff gehörten, untergebracht. Die Münsterländchen­synagoge war eine Filialsynagoge der großen Aachener Synagoge, die in der Nacht vom 9. auf dem 10. November 1938 unter Polizeischutz von Feuerwehrleuten abgefackelt wurde.

Im Namen des Volkszorns gegen die Juden wurde unter starker Beteiligung von SA-Horden das Feuer am Reichspo­gromtag gelegt, der von den Nazis zynisch „Reichskristallnacht“ genannt wurde, weil so viel Glas klirrte. Zehntausende von Juden wurden noch in der Nacht verhaftet und in sogenannte Schutzhaft in Konzentrationslager eingeliefert, die meisten wurden misshandelt oder gefoltert. Wohnungen wurden zerstört, Geschäfte jüdischer Inhaber geplündert.

Das „Brennes“ wurde seit dem 19. Jahrhundert als Bethaus genutzt, aber bereits 1935 abgerissen, weil es angeblich anderen Baumaßnahmen im Weg stand.

Schon ab 1933 änderte sich das Leben der Juden abrupt. Nach und nach wurden sie ihrer bürgerlichen Rechte beraubt, der erste Gipfel war ab 1941 die Pflicht, den Judenstern sichtbar an der Kleidung zu tragen.

Dem damals 24-jährigen Ernst André gelang mit seiner Frau Therese die Flucht, nach dem Krieg kehrte er zurück, engagierte sich wieder in Kornelimünster und wurde Mitglied des Gemeinderates. Anfang der 1960er Jahre starb er an den Folgen seiner Flucht. Er wurde gerade einmal 47 Jahre alt.

Gedenktafel

Der Heimat- und Eifelverein Kornelimünster hat am Aufgang zu den Friedhöfen des Indestädtchens eine Gedenktafel an derMauer angebracht. Darauf sind die Namen der verschleppten und in KZs ermordeten Menschen aus Kornelimünster angebracht. Das waren Max und Henriette André, Hermann, Therese und Berta André, Arthur, Bertha und Kurt Gottschalk, Margarete Kaufmann und deren Tochter Ilse Klaber sowie der Enkelsohn Werner.

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