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Wie die Letten früher ihre Stoffe webten

Von: Denise Petzold
Letzte Aktualisierung:
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Aus zwei Fäden webt dieser junge Mann aus Lettland an einem alten Webstuhl einen Stoff. Diesen und andere verkauft seine Chefin unter anderem an die Designer der Fashion Week in Moskau. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Ein ungewöhnlicher Anblick ziert am Samstagvormittag die Kockerellstraße: Ein Webstuhl altertümlichen Aussehens steht mitten in der schmalen Gasse. An ihm sitzt ein junger Mann, der einen Stoff aus zwei verschiedenfarbigen Fäden webt.

Der Webstuhl gehört Janis Rozentals, die eigens aus Lettland angereist ist, um am 34. Europamarkt der Kunsthandwerker teilzunehmen.

„Ich habe von dem Markt im Internet gelesen und angerufen, um mich anzumelden. Leider war die Anmeldefrist schon vorbei, aber sie haben uns trotzdem genommen. Seit 15 Jahren haben nämlich keine Letten mehr mitgemacht”, sagt Rozentals. Sie stellt Stoffe her, die sie sogar an die Macher und Designer der „Fashion Week” in Moskau verkauft - und ein Stück lettischer Kultur ist auch mit im Paket. „Der Webstuhl ist 40 Jahre alt. Zu Hause in Lettland benutzen wir ihn regelmäßig, denn Kleidung zu kaufen ist bei vielen Geschwistern oft zu teuer.”

Aber nicht nur Stoffe kann man am Samstag und Sonntag auf dem Markt bestaunen. Auch Arbeiten aus Holz, Keramik, Glas, Leder, Metall und Stein sind sehr beliebt. „Die Stücke, die hier erworben werden, sind keine anonymen Industrieprodukte. Der Kunde weiß, was er in der Hand hält und wie es hergestellt wurde. Das und der persönliche Kontakt zu den Herstellern ergibt zusammen eine hohe Wertigkeit”, erklärt Wolfgang Kohl, Kulturreferent der Handwerkskammer Aachen, die den Markt organisiert.

Rund 300 Stände schmücken diesmal Markt, Katschhof, Augustinerplatz, Hühnermarkt, Hof, Münsterplatz, die Ursuliner- und Kockerellstraße. Dabei sind rund 600 Aussteller aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Ungarn, Polen und Lettland.

„Zu 90 Prozent besteht der Markt aus Betrieben, die regelmäßig teilnehmen. Deswegen bekommen sie auch immer denselben Standplatz. Denn viele Gäste wissen, was sie wollen und wo sie es bekommen können”, sagt Kohl. Ein paar Probleme bei der Planung gab es aber dieses Jahr dennoch: „Wir konnten leider in der Ritter-Chorus-Straße keine Stände aufbauen, wegen der Baustelle. Dafür stehen wir das erste Mal in der Ursulinerstraße.”

Zehn Prozent der Stände werden immer für die „Neulinge” freigehalten, die mit ordentlicher Bewerbungsmappe den Qualitätsansprüchen der Kammer gerecht werden müssen. Prinzipiell werden nur in die Handwerksrolle eingetragene Betriebe, professionelle Kunsthandwerker und eine begrenzte Zahl freier Künstler zugelassen. „Wir möchten für die Qualität und den Wert der Arbeiten garantieren. Vor allem das Fachpublikum muss zufrieden gestellt werden.”

Apropos Publikum -ÊChristine Coch ist mit ihrem Mann extra aus Langenfeld angereist, um einen Blick auf die riesige Bandbreite des Marktes zu werfen. „Wir waren einfach neugierig, und es gefällt uns wirklich unglaublich gut.” Ob sie nächstes Jahr wiederkommen? -Ê„Bestimmt, wenn das Wetter mitspielt.”

7. Klostermarkt mit dabei

Und das schöne Wetter am Sonntag lassen die Armen-Schwestern des heiligen Franziskus nicht ungenutzt. Sie veranstalten derweil den 7. Klostermarkt, der im Innenhof des Mutterhauses in der Elisabethstraße stattfindet. Es gibt einen Bücherflohmarkt, Waffeln, Kuchen, Kaffee, hausgemachte Konfitüre und selbstgegossene Kerzen. Der Erlös der Verkäufe fließt in die Obdachlosenarbeit der Schwestern. „Dieser Zeitpunkt ist natürlich sehr günstig, da sehr viele Menschen wegen des Europamarktes in der Stadt sind. Wir organisieren den Klostermarkt vor allem wegen der Öffentlichkeitsarbeit, wir möchten präsent sein und Kontakte knüpfen”, berichtet Schwester Dolores Haas.

Ob der vom Schauen hungrige Besucher sich aber nun eine Waffel im Kloster oder lieber einen Reibekuchen auf dem Katschhof gönnt, sei ihm überlassen. Die Hauptsache ist, er geht gut gestärkt in die nächste Runde, damit er auch wirklich sicher sein kann, nichts übersehen zu haben.
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