Wie der Norden der Stadt aufgepeppt werden kann

Von: Werner Czempas
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Sieht die Kreativwirtschaft als „wichtigen Hebel”: OB Marcel Philipp im Gespräch mit Moderator Bernd Büttgens. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Nach dem Ostviertel mit Rothe Erde folgt nun Aachen-Nord: Die Nordstadt ist aufgenommen in das von Bund, Land, Stadt und EU geförderte Projekt „Soziale Stadt”. In diesem Programm für „Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf” geht es in den nächsten zehn Jahren um die Erneuerung und Aufwertung des einstigen Industrie- und Arbeiterviertels.

Wie ist das unter möglichst großer Beteiligung der Bürger zu schaffen? Antworten suchte die Veranstaltung „Kreativwirtschaft in Aachen Nord - Eine Chance für die soziale Stadtentwicklung?” Der „Arbeitskreis Lokale Ökonomie Soziale Stadt Aachen Nord” und die Stadt hatten dazu in die Werkhalle einer zum „automobilzentrum aachen” architektonisch sehenswert umgebauten ehemaligen Schlachthalle des früheren Schlachthofs in der Metzgerstraße eingeladen.

Was verbirgt sich hinter der „Kreativwirtschaft”? Das einstige Modewort bezeichnet längst ein eigenständiges Wirtschaftsfeld, auf dem künstlerisch-kreative Unternehmen, kleine wie große, Produkte und Dienstleistungen liefern und Arbeitsplätze schaffen - beispielsweise Designer, die Musik-Buch-Filmwirtschaft, Werbeagenturen, Architekten.

„Auf der einen Seite das Kreative, auf der anderen das Soziale - wie kriegt man das bei einer Stadtteilerneuerung zusammen?” fragte einleitend denn auch Moderator Bernd Büttgens, stellvertretender Chefredakteur unserer Zeitung. Neben Oberbürgermeister Marcel Philipp konnte er vor rund 80 Zuhörern in drei Diskussionsrunden sieben weitere Gesprächspartner begrüßen: Cornelia Schlebusch (Arbeitskreis Lokale Ökonomie), Dieter Begaß (städtischer Fachbereich Wirtschaftsförderung), Patrizia Graf („Designmetropole Aachen”, ein weltweit operierender Zusammenschluss von 28 Akteuren/Firmen aus Aachen), Michael Töpfer (Unternehmer und Designer), Ilka Helmig (Dekanin für Gestaltung an der Fachhochschule), Alois Heinrichs (Alte Kaplanei St. Elisabeth/Erwerbslosenberatung) und Angelika Diehl (Offene Tür Talstraße).

Die Kreativwirtschaft, so OB Philipp, könne ein „wichtiger Hebel” sein, das Image von Aachen-Nord zu verändern. Die Stadtteilerneuerung gelinge nur, wenn viele Akteure zusammenkämen. „Es sind die Menschen, die bewegen”, meinte Philipp. Wie und was Menschen bewegen können, zeigte in einem herzerfrischend-mitreißenden „Impulsvortrag” der aus Duisburg-Marxloh angereiste Mustafa Tazeoglu. Er leitete das Projekt „Kreativ. Quartiere” für die europäische Kulturhauptstadt 2010 Essen und Ruhrgebiet. Der junge Unternehmer ist inzwischen ein anerkannter Experte für Stadtteilerneuerung.

Marxloh ist das Paradebeispiel des Mustafa Tazeoglu. Auch sein Aachener Publikum überzeugte er mit einer fesselnden Reportage über seinen Heimat-Stadtteil mit rund 18 000 Einwohnern. Wie sie mehr und mehr abwanderten aus der Ödnis mit dem erschreckend hohen Arbeitslosenanteil. Wie der bundesweit als „Asi-Viertel” übel beleumundete Stadtteil Duisburgs 1993 ins Projekt „Soziale Stadt” geriet. Wie er mit Gleichgesinnten den „Medien-Bunker” übernahm. Wie sie mit kreativen Ideen die Leute erreichten. Wie auf einmal „nachbarschaftlich und solidarisch” gedacht und gehandelt wurde. Wie die Menschen sich heute mit ihrem Stadtteil identifizieren und stolz verkünden: „Ich bin ein Marxloher.”

Und Aachen-Nord? „Wir müssen einfach gucken nach den Bildern, die wir hier sehen, und diese Bilder aktivieren”, rät Michael Toepfer. Stichworte unter vielen: Nicht nur die Verwaltung machen lassen, sondern „eine Zusammenarbeit Bürger und Stadt auf Augenhöhe”, wie Cornelia Schlebusch vom Arbeitskreis Lokale Ökonomie sagt. Die 8 000 Quadratmeter große städtischen Halle Talstraße „öffnen für die Menschen, die da leben, damit sie mehr miteinander leben, im Moment bleiben sie in ihren Häusern und kommen nicht raus”, meint OT-Leiterin Angelika Diehl. „Kreative Lösungen für ein Ende der Erwerbslosigkeit”, mahnt Alois Heinrichs auch von den Kreativwirtschaftlern an.

„Das Gebiet Aachen-Nord ist schön, es ist spannend, wir wollen die Menschen mitnehmen, damit sie bei der Stadtteilerneuerung mitmachen”, wirbt Cornelia Schlebusch. Moderator Bernd Büttgens fasst am Ende in Worte, was nach drei Stunden viele ähnlich empfinden: „Ich bin beeindruckt von der Dynamik hier. Ich habe das gute Gefühl, dass es klappt.” Dass es klappt mit dem Projekt Soziale Stadt Aachen-Nord.
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