Haaren-Verlautenheide - Wie das kleine Quinx zur großen Stadt Aachen kam

Wie das kleine Quinx zur großen Stadt Aachen kam

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Erinnern an die Eingemeindung: Helmut Vondenhoff, Heinz-Hubert Lillot, Franz-Josef Heuser und Toni Tümmers (v.r.). Foto: Günther Sander

Haaren-Verlautenheide. Der 1. Januar 1968 war für die Ortschaft Quinx (Gemeinde Broichweiden) ein denkwürdiger Tag. Vor 50 Jahren wurde der zuvor zur Gemeinde Broichweiden gehörende Ort zur damals noch selbstständigen Gemeinde Haaren eingemeindet.

In einer geheimen Abstimmung entschieden sich 122 der 369 wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger für diesen Schritt. Vier Jahre später erfolgte die Eingemeindung Haarens nach Aachen als Stadtbezirk Aachen-Haaren. Zur Erinnerung an die „große Stunde“ hat der Heimatverein Haaren/Verlautenheide nun in Quinx auf der Verlautenheidener Straße zwei Ortstafeln angebracht, eine davon in Höhe der Haltestelle Quinx.

Für den Heimatverein Haaren/Verlautenheide hat Richard Senden die Geschichte aufleben lassen. Unsere Zeitung sprach mit dem Vorsitzenden Helmut Vondenhoff, seinem designierten Nachfolger Heinz-Hubert Lillot, Geschäftsführer Franz-Josef Heuser und Toni Tümmers, sie alle bringen ein wenig Licht ins Dunkel.

Bekannt ist die Bushaltestelle Quinx an der Verlautenheidener Straße, es gibt es die Quinxer Straße, und Quinx ist der der Ortschaft Verlautenheide nach Südosten vorgelagerte Bereich vom Prunkweg über die A 44 Richtung Reichswald, heute Würselener Wald. Vor 1795 war dieses Gebiet unbewohnt.

Unter Napoleons Truppen wurde in den 1790er Jahren der gesamte Reichswald, auch das Quinxer Gebiet vor Verlautenheide, der Mairie Weiden zugeschlagen. Verlautenheidener besaßen und bewirtschafteten ihr Land auf Weidener Gebiet. Bei der preußischen Katasteraufnahme von Weiden 1843 gab es in der Weidener Flur V (Reichswald) 33 Verlautenheidener Landbesitzer, die 94 Grundstücke besaßen.

Etwa ab 1870 siedelten sich immer mehr Menschen in Quinx an, überwiegend Verlautenheidener. Gebäude und kleine Häusergruppen entstanden an Verlautenheidener Straße, Quinxer Straße, Waldstraße und Prunkweg. 1820 lebten in Quinx zehn Einwohner in zwei Häusern, 1905 lebten in etwa 40 Häusern 365 Einwohner, 1968 dann 579 Einwohner in 188 Häusern.

Quinx lag weit vom zuständigen Gemeindezentrum in Broichweiden entfernt, Verlautenheide aber direkt vor der Haustür. Große Teile von Quinx gehörten zum Pfarrbezirk Verlautenheide. Kinder wurden hier getauft, Tote begraben. Die Quinxer versorgten sich in Verlautenheide und engagierten sich in hiesigen Vereinen. Die Quinxer als Broichweidener (Weiden war 1935 in die Neugründung Broichweiden eingegangen) nutzten die öffentlichen Einrichtungen der Haarener in Verlautenheide.

Broichweiden sah ein, dass dies eine ungerechte Lastenverteilung war. So reifte die Idee, dass Quinx in der Gemeinde Haaren besser aufgehoben sei als in Broichweiden. Seit 1964 gab es eine „Verhandlungskommission in Planungsfragen“. Nach Beratungen beschloss Broichweiden, die Entscheidung in die Hände der Bürger von Quinx zu legen.

Nach einer letzten Bürgerversammlung wurde am 23. Oktober 1966 eine geheime Abstimmung in Haus Ruland abgehalten. 122 der 369 wahlberechtigten Quinxer stimmten für eine Umgemeindung, 98 dagegen, fast alle übrigen kamen nicht zur Wahl. Der Gemeinderat akzeptierte die getroffene Entscheidung. Es wurden Verträge entworfen, Gemeinderäte von Broichweiden und Haaren signalisierten im März 1967 Zustimmung.

Nach der Genehmigung durch den Oberkreisdirektor und der Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes im Landtag von NRW wurde die „Umgemeindung“ am 1. Januar 1968 vollzogen. Broichweiden verlor 579 Einwohner und rund 170 Hektar Land, was sechs bis sieben Prozent Gemeindefläche entsprach.

Bei der Gebietsreform kamen 1972 die Gemeinde Haaren zur Stadt Aachen und ein weiterer Zipfel Broichweiden zum Stadtbezirk Aachen-Haaren.

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