Aachen - Wichtige Hilfe für Familien im Preuswald

Wichtige Hilfe für Familien im Preuswald

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
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„Schleichen wie die Katzen und klettern wie die Eichhörnchen”: Bewegung und Entspannung gehören zu den Angeboten des Familienzentrums an der Reimser Straße. Anne Coenen, Referentin der Elternschule, gestaltet den Kurs für Eltern und Kinder. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Wenn die 74 Kinder der städtischen Kindertagesstätte Reimser Straße, oben im Preuswald unweit der Lütticher Straße, alle beieinander sind, dann sind dort 16 Nationen versammelt. Zwei Drittel der Kita-Kinder kommen aus Familien mit Zuwanderungsgeschichte, berichtet Kita-Leiterin Petra Pfeifer-Schmitz.

Und mehr als ein Drittel der Kinder kommt mittlerweile aus einem afrikanischen Land. „Gerade in den letzten Monaten sind viele afrikanische Familien in den Preuswald gezogen”, sagt Pfeifer-Schmitz. „Das bestimmt auch unsere Arbeit.”

Die Kita Reimser Straße ist ein kommunales Familienzentrum. Will heißen: Die zusätzlichen Angebote, die die Einrichtung für Familien auf die Beine stellt, werden ausschließlich aus städtischen Mitteln finanziert. 6500 Euro im Jahr stehen dafür zur Verfügung.

Kooperationspartner an der Reimser Straße ist seit 2007 die Elternschule Aachen. „Wir sind sehr dankbar, dass die Elternschule hier offene Angebote für alle Familien aus dem Viertel gestaltet”, sagt Pfeifer-Schmitz. Denn in der alltäglichen Arbeit der Kindertagesstätte, das sagt sie ganz ehrlich, habe das Personal einfach keine Zeit, zusätzliche Angebote aufzubauen.

Für die Familien indes sind solche Angebote enorm wichtig. Denn viele müssen unter schwierigen Rahmenbedingungen ihren Alltag meistern. Mehr als ein Drittel der Kita-Eltern ist alleinerziehend.

„Sehr großes Vertrauen”

Gute Erfahrungen macht die Elternschule mit niederschwelligen Angeboten in der Tagesstätte, berichtet Ute Müller-Giebeler vom Leitungsteam. „Die Eltern haben sehr großes Vertrauen in die pädagogische Arbeit der Kita.”

Erfolgreich gestartet ist zum Beispiel das Projekt Sprachcafé. Hier können Eltern in ungezwungenem Rahmen zusammenkommen und Kontakte aufbauen. Um Sprachbarrieren zu überwinden, stehen „Sprachlotsen” bereit - Menschen, die neben Deutsch auch Englisch, Französisch, Türkisch oder afrikanische Dialekte sprechen.

„Viele Eltern können kaum Deutsch”, weiß Müller-Giebeler. „Deshalb sind sie gar nicht in der Lage, Bedürfnisse, Sorgen und Wünsche zu äußern. Das Sprachcaf ist ein Ort, wo sich Familien angenommen, akzeptiert und vor allem verstanden fühlen.” Im Alltag seien viele Eltern durch Existenzsorgen ohnehin stark belastet.

„Das Sprachaf ist eine tolle Sache”, bilanziert Kita-Leiterin Petra Pfeifer-Schmitz. „Wir sehen, wie wertvoll dieses Angebot ist.” Sobald die Politik die notwendigen Gelder freigibt, soll die nächste Projektphase gleich starten.

Ausflüge in den Bösch

Aus den Mitteln für das Familienzentrum hat die Elternschule noch weitere Angebote im Preuswald gestalten können: gemeinsame „Waldwichtel”-Ausflüge in den Öcher Bösch für Eltern und Kinder oder ein Bewegungs- und Entspannungsangebot in der Kita.

Shana und Kashi, zwei pädagogisch geschulte Terrierhündinnen, waren auch schon zu Gast an der Reimser Straße. Da hieß das Thema „Spiel und Spaß mit Kind und Hund”. Die freundlichen Vierbeiner hatten eine ganz besondere Wirkung auf die Kinder, auch auf die ganz hibbeligen.

Der Preuswald mit seinen gut 2000 Menschen ist kein unproblematisches Viertel. Im ersten Sozialentwicklungsplan, den die Stadt kürzlich vorgelegt hat, wird der Preuswald zu den Problemgebieten gezählt. Die Arbeitslosigkeit ist vergleichweise hoch, ebenso die Zahl der Menschen, die von Hartz IV leben. Von Kinderarmut ist der Preuswald besonders betroffen, heißt es im Sozialentwicklungsplan. Besonders hoch ist im Preuswald auch der Anteil der Frauen, die Schutz im Frauenhaus suchen. Viele Familien brauchen Hilfen zur Erziehung.

In den Problemgebieten, so steht es im Sozialentwicklungsplan, leben viele Kinder und jugendliche unter 18 Jahren. Und gerade weil die sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen angespannt seien, „ist der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen hier ein besonderes Augenmerk zu widmen”.

Petra Pfeifer-Schmitz kann diese Erkenntnis nur unterschreiben. „Der Entwicklungsbedarf im Preuswald”, sag sie, „der ist genauso groß wie der Bedarf im Ostviertel”. Umso wertvoller seien die Initiativen im Rahmen des Familienzentrums.
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