Aachen - Weshalb wurde Aachen zu Karls Lieblingspfalz?

Weshalb wurde Aachen zu Karls Lieblingspfalz?

Von: Heiner Hautermans
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Mit dem Abbau der Gerüste ist
Mit dem Abbau der Gerüste ist bereits begonnen worden. Die Turmspitze erstrahlt in neuem Foto: Harald Krömer

Aachen. Wo hat denn nun Karl gewohnt? Im Granusturm, wie früher die gängige Meinung war? Oder doch im Mittelbau in Höhe der Domsingschule, auf dessen Reste von vier Mauerzügen man 2005 bei Ausschachtungsarbeiten gestoßen war? Oder in beiden?

„Das ist eine spannende Frage. Das würden wir auch gerne wissen”, sagt Monika Krücken, die Leiterin der städtischen Denkmalpflege, beim Ortstermin am Fuße des insgesamt rund 60 Meter hohen Turms.

Die ersten 20 Meter davon sind zu Karls Lebzeiten errichtet worden. Und einiges spricht durchaus dafür, dass der Granusturm die Heimstatt für den bedeutendsten Herrscher des Abendlandes war. Immerhin war die Aachener Pfalz in den letzten 20 Jahren seines Lebens seine Lieb-lingspfalz, sozusagen eine Art „Hauptstadt” nördlich der Alpen.

Einige Indizien deuten darauf hin, dass der Granusturm seine Heimstatt war, sind dort doch Reste einer Toilettenanlage gefunden worden, Kamine im Mauerwerk leiteten warme Luft nach dem Vorbild römischer Badehäuser in die oberen Geschosse. Denkbar ist aber auch, dass der Granusturm zur Erschließung der benachbarten Königshalle diente, immerhin verfügt er über ein außenliegendes Treppenhaus oder er war einfach nur ein Lager.

„In karolingischer Zeit waren Marienkirche, Atrium, Porticus und Aula Regia eine Einheit”, stellt Denkmalpflegerin Krücken klar. Bedeutet: Oktogon und Königshalle waren durch einen Gang nahe der Ritter-Chorus-Straße verbunden, dazwischen der Mittelbau, an Stelle des (im 14. Jahrhundert auf Resten erbauten) Rathauses die Königshalle, als Schlusspunkt der Granusturm. Schließlich weiß man auch aus früheren Ausgrabungen, dass die Fundamente ineinandergreifen, auch ist der Granusturm mit schweren Grauwackensteinen in der selben Bauweise errichtet worden wie das Achteck des Doms.

Doch warum suchte sich der große Karl Aachen als Lieblingsort aus? Wie oft kam er hierher? Wie lebte er dann? Diese und andere Fragen hofft Monika Krücken bis 2014, dem Karlsjahr, im Pfalzforschungskreis zu beantworten. Denn die 630.000 Euro teuren Arbeiten am Granusturm, unterstützt mit 300.000 Euro aus einem Förderprogramm für Unesco-Weltkulturerbestätten, umfassen nicht nur die Ausbesserung der Wände und eine neue Schieferdecke und Bleiverkleidung des Turmhelms, sondern auch die Erforschung seiner Vergangenheit in Zusammenarbeit mit Geschichts- und Denkmal-Lehrstühlen der RWTH.

Mörtelproben

Dazu wurden das quadratische Bauwerk mit modernen Methoden untersucht, ein digitales Messnetz angelegt und Mörtelproben genommen, außerdem werden frühere Grabungen, etwa Anfang des 19. Jahrhunderts nach heutigen Gesichtspunkten ausgewertet. „Wissenschaftler aus verschiedenen Sichtweisen arbeiten zusammen. Spannend ist im Moment, dass ein Schneeballeffekt entsteht”, erläutert Monika Krücken. Man könne aber nicht versprechen, alle Fragen zu beantworten.

Mehr Klarheit hat man in Sachen Turmhelm, der schon vom Zahn der Zeit angenagt war, obwohl er erst 32 Jahre alt ist.

1979 waren die beiden Helme nach Plänen von Stadtkonservator Leo Hugot statt des Notdachs nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg aufgesetzt worden. Trotz dieser vergleichsweise kurzen Zeitspanne waren die Abdeckungen durch Schiefer und Bleiblech stark angegriffen worden, weil sie aus heutiger Sicht falsch montiert waren. Kondenswasser drang auf der Unterseite ein.

Inzwischen sind die Schindeln ersetzt und das Bleiblech mit Hilfe eines aus England stammenden Schweißverfahrens erneuert worden. Das Ganze wird nun bestimmt 50 Jahre halten, hofft Engelbert Chaumet vom Gebäudemanagement. In sechs Monaten wurden jeweils zwölf Tonnen Schiefer und Blei verbaut.

„Die Aachener haben ein großes Interesse am Granusturm”, berichtet Monika Krücken. Betreten dürfen sie das wuchtige Viereck nur in Ausnahmesituationen, das wäre zu gefährlich.

Doch die Erkenntnisse, die man gewinnt, sollen auf einer Stele sichtbar gemacht werden, wenn die Gerüste in zwei Wochen abgebaut sind. Denn dann ist man fertig - rechtzeitig vor dem Weihnachtsmarkt.
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