Werbeschreiben des OB erntet viel Kritik

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
6544116.jpg
Marcel Philipp geht beim Vertrieb einer Gedenkmünze zum Karlsjahr Kooperation mit der Münze Berlin ein und erntet viel Kritik. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ein von Oberbürgermeister Marcel Philipp unterzeichnetes Werbeschreiben für eine Gedenkmünze zum Karlsjahr sorgt bei vielen Aachenern für Verwunderung und Unverständnis. Von fragwürdiger, zumindest aber erklärungsbedürftiger Werbung durch eine Amtsperson ist da die Rede.

Dass die Post mit dem offiziellen Logo der Stadt versehen ist, löst zusätzlichen Ärger aus.

Vielen Haushalten wird in diesen Tagen der Brief an die „lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger“ zugestellt, der mit seinem städtischen Logo einen amtlichen Anschein erweckt. Angepriesen wird darin eine „Karl der Große“-Sonderprägung, die „offizielle Gedenkausgabe unserer Stadt aus edlem Silber und mit aufwendiger Gold-Veredelung“. Zehn Euro kostet sie, zwei Euro sollen dem Rathausverein zugute kommen, der sich für den Erhalt des historischen Bauwerks einsetzt.

„Ich hoffe, dass Sie ein Exemplar dieser Silber-Gedenkausgabe erwerben können – als bleibendes Erinnerungsstück zum Karlsjahr 2014“, heißt es am Ende des von OB Philipp und Andreas Schikora, Leiter der Münze Berlin, unterzeichneten Briefs. Ob der OB mit seiner Unterschrift gut beraten war, fragen sich nun nicht nur mehrere verwunderte „Nachrichten“-Leser. Auch bei der Stadt seien bereits erste Beschwerden eingegangen, wie Hans Poth, Leiter des Fachbereichs Presse und Marketing, bestätigt. Lob soll es allerdings auch gegeben haben.

Die Karls-Münze wird von der „Münzhandelsgesellschaft Deutsche Münze“ (MDM) gewerblich vertrieben. Zielgruppe sind vor allem Sammler. Doch gerade sie äußern sich in einschlägigen Foren vielfach auch kritisch über den Wert der MDM-Medaillen. Dass selbst in Millionenauflage geprägte Münzen als „streng limitiert“ bezeichnet wurden, hat der MDM auch schon mal eine Klage des Bundesverbands der Verbraucherzentralen wegen „irreführender Werbung“ eingebracht.

Nun ist also die Stadt mit im Boot, und die scheint auch nicht mehr glücklich über die Zusammenarbeit zu sein, wie Poth deutlich macht. Denn: „Das Mailing mit dem Logo der Stadt wollten wir so nicht.“ Daher prüfe das städtische Rechtsamt jetzt, ob man dagegen vorgehen könne. „Wir fühlen uns etwas hinters Licht geführt“, sagt Poth. Die weitere Kooperation mit der MDM werde daher bereits in Frage gestellt.

„Gute Aktion“

Kosten würden durch die von der MDM verschickte Werbung für die Stadt nicht entstehen, betont Poth. Auch die OB-Empfehlung sei in seinen Augen nicht zu kritisieren: „Wir wollen niemanden übers Ohr hauen, und der OB darf natürlich auf eine Gedenkmünze zu einem besonderen Anlass aufmerksam machen.“ Neben den 70.000 Schreiben in der Region Aachen sollen auch 200.000 weitere Werbebriefe bundesweit versandt und Anzeigen geschaltet werden, in denen nicht nur die Münze angepriesen, sondern auch auf die großen Aachener Ausstellungen zum Karlsjahr aufmerksam gemacht wird. „Wir halten das für eine gute und vertretbare Aktion.“

Bei einigen Empfängern weckt sie hingegen Erinnerungen an eine Affäre, über die vor 21 Jahren der damalige Wirtschaftsminister Jürgen W. Möllemann gestürzt ist. Möllemann hatte damals auf offiziellem Ministerpapier für einen Einkaufschip aus der Firma eines Verwandten geworben. Da verwandtschaftliche Beziehungen zwischen dem OB und der MDM nicht bekannt sind, sind diese Fälle allerdings kaum vergleichbar.

Leserkommentare

Leserkommentare (5)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert