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Wer bin ich? Das Da-Theater zeigt Spiegelbilder im Tanz

Von: Lee Beck
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Schneewittchens Stiefmutter mit dem vergifteten Apfel: Auch sie spielt im Tanzstück eine Rolle. Schließlich blickt sie täglich in den Spiegel, um sich zu vergewissern, dass sie die Schönste im Land ist. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Wer bin ich?, fragt sich die namenlose Figur, verkörpert von Tänzerin Anna Pavlova. Sie blickt in einen Spiegel. Der Zuschauer kann ihre Gefühle in ihren Augen erkennen, während ihre Hand durch die Haare fährt oder über den Bauch tastet. „Bin ich gut genug?“, fragt die Stimme durch den Lautsprecher weiter.

Die Tänzerin wird immer nervöser und unsicherer, kratzt sich am Körper, fühlt sich an manchen Stellen intensiver. Das Klavierklimpern im Hintergrund dröhnt wild und dramatisch in den Ohren. Das neue Tanzstück „Reflexionen“ des Das-Da-Theaters hat am Donnerstagabend im Space des Ludwig-Forums Premiere gefeiert.

Es nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise. Im Mittelpunkt stehen Reflexionen in verschiedenen Spiegeln auf der Bühne – und im eigenen Ich. Die vier professionellen Tänzer, die Choreografin Heike Sievert extra für die Produktion gecastet hat, setzen sich mit sich selbst, ihrem Körper, dem Altern tänzerisch auseinander. Und wenn sie das tun, überträgt sich diese Reflexion auch auf den Zuschauer. Das Tanztheater eröffnet ihm dazu die Wege und kitzelt bei ihm Emotionen und Empathie heraus.

Am Anfang stand für Sievert, die in Aachen ihr drittes, selbst produziertes Tanztheater auf die Bühne bringt, einfach nur der Begriff Reflexion. „In verschiedenen Lebensabschnitten denkt der Mensch darüber nach, wo er gerade steht, wie er sich fühlt und wo er eigentlich hin möchte“, sagt sie. „Wir haben die markanten Stellen dieser Reflexion ausgesucht und zusammengestellt“, erklärt Sievert.

Pubertät und Midlife-Crisis

Da tauchen etwa die Pubertät, die erste Liebe, die Midlife-Crisis auf. Ein altes Paar findet über den Verlauf der Handlung zueinander. Vorne am Rand der Bühne wacht ein junges Mädchen im Scheinwerferlicht von Beginn an über die Entwicklungen der Hauptfiguren.

In fließenden Kleidern gleiten die Tänzer über das Parkett, erforschen und finden sich selbst und den Partner. Immerzu, von allen Seiten, werfen die Spiegel auf der Bühne die Bilder und das Licht zurück. Unterlegt wird das Spektakel mit Musik, die sich den Gefühlen der Figuren anpasst – mal ist sie lustig und hell, mal dunkel und tief.

Ein Sprecher zitiert die großen Mythen und Märchen, die sich mit dem Thema Reflexion befassen. „Spieglein, Spieglein, wer ist die schönste im ganzen Land?“ und der rote Apfel aus Schneewittchen dürfen da nicht fehlen. Hinzu gesellen sich Zitate aus Oscar Wildes Dorian Gray. Die Texte des Stücks hat Frank Rommerskirchen zusammengestellt.

Da ist das Kind, das den Spiegel ausprobiert und das Spiegelbild erkennt, die Pubertierende, die von Selbstzweifel zerfressen ihren Körper zerstört, oder der Narziss, der sein Spiegelbild so sehr liebt, dass er sich selbst küssen muss und letztendlich in seiner Selbstliebe ertrinkt. In manchen Moment stehen die Figuren mit ihrem Körper auf Kriegsfuß, in anderen versöhnen sich das „Ich“ und die äußere Hülle. Am Ende gibt es eine innige Umarmung von Jung und Alt.

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