Aachen - Wenn trotz Ausbildung der Weg in den Job versperrt bleibt

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Wenn trotz Ausbildung der Weg in den Job versperrt bleibt

Von: Martina Rippholz
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Aachen. Deutschland leidet an Fachkräftemangel. Das ist Fakt. Nahezu jeden Tag liest man diese Aussage in den Zeitungen und Zeitschriften des Landes.

Die Schlussfolgerung: Deutschland braucht qualifizierten Nachschub. Doch genau daran fehlt es, denn die deutsche Gesellschaft wird immer älter. „Deshalb sind wir dringend auf Fachkräfte mit Migrationshintergrund angewiesen”, sagt Iris Kreutzer, Integrationsbeauftragte der Stadt Aachen.

Die ausgebildeten Einwanderer aber ständen jedoch vor zwei Problemen: Zum einen gebe es immer noch viele Vorurteile. Von einer Chancengleichheit könne nicht die Rede. Zum anderen würden ihre im Ausland erworbenen Qualifikationen in Deutschland häufig nicht anerkannt. Die Menschen gelten als ungelernt.

Genau dieses Problem war Thema einer Veranstaltung des „Arbeitskreises Arbeitsmarkt im Netzwerk Region Aachen”. Vertreter aus den Bereichen Wirtschaft, Handel, Bildung und Soziales waren im Technologiezentrum am Europaplatz zusammengekommen, um über die Anerkennung internationaler Bildungs- und Ausbildungsnachweise zu diskutieren. Und auch darüber, was man daran verbessern kann.

Dass das keinesfalls ein leichtes Unterfangen ist, stellte sich gleich zu Beginn heraus. Dr. Martina Müller von der Tür an Tür Integrationsprojekte GmbH in Augsburg stellte die Ergebnisse einer aktuellen Studie vor. Die zeigte: Selbst für Fachleute ist der Dschungel der Anerkennungsverfahren kaum zu überblicken. In Deutschland gibt es über 400 unterschiedliche Anlaufstellen, etwa Kammern, Bezirksregierungen, Ministerien und anderen Prüfstellen.

Bei welcher dieser Stellen der Zuwanderer nun richtig ist, hängt laut der Studie von zahlreichen Kriterien ab. Etwa, welchen Schulabschluss er hat, ob er studiert hat und welchen Beruf er im Heimatland gelernt hat. Ist er zum Beispiel Lehrer, Ingenieur oder Jurist -Êalso jemand, der in Deutschland einen sogenannten reglementierten Beruf ausüben würde? Oder ist der Zugang zum Beruf frei, wie etwa beim einem Handwerker?

Selbst wenn der Anerkennungs-Anwärter den passenden Ansprechpartner gefunden hat, geht die Odyssee erst los. Denn wie groß die Chance auf Anerkennung ist, hängt von der Herkunft ab. Für Spätaussiedler gibt es ein rechtlich geregeltes Verfahren. EU-Bürger haben je nach Beruf Anspruch auf Teilanerkennung. Dann müssen sie Anpassungskurse belegen. Menschen aus Drittländern können dagegen laut Studie nur hoffen. Und zwar nur auf eine informelle Anerkennung ihres Berufes oder Zeugnisses. Ob ein potenzieller Arbeitgeber sie dann einstellt, stehe auf einem anderen Blatt.

Im Technologiezentrum näherten sich die Teilnehmer in zwei Workshops diesem komplexen Thema. Wolfram Floßdorf, Amtsrat beim Referat Ausländische Abschlüsse und Grade im Wissenschaftsministerium NRW, und Friederike Oehlmann von der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen widmeten sich dem Teilaspekt schulischer und akademischer Anerkennung.

Bei Gisbert Kurlfinke von der Berufsfindungsabteilung der IHK Aachen und Michael Basner und Roland Gunia vom Dezernat Öffentliche Gesundheit in Düsseldorf ging es um die berufliche Qualifikation.

„Wir bringen hier das Wissen aller, die in Aachen mit Migranten zutun haben, auf den aktuellen Stand”, erklärt Nurhan Karacak von der Sprachenakademie Aachen, der den Tag mitorganisiert hat. „Nur so können die Anlaufstellen die Menschen richtig weiterverweisen. Damit zukünftig mehr eine Chance auf Anerkennung haben.”
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