Aachen - Wenn Traumwelten zusammenbrechen: „Die Glasmenagerie”

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Wenn Traumwelten zusammenbrechen: „Die Glasmenagerie”

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
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Zeitlose Geschichte: Die junge Regisseurin Bernadette Sonnenbichler (rechts, hier mit Bühnenbildnerin Cordula Körber) inszeniert Tennessee Williams´ Schauspiel „Die Glasmenagerie”. Foto: Harald Krömer

Aachen. 1944 brachte „Die Glasmenagerie” dem jungen Bühnenautor Tennessee Williams den ersehnten Durchbruch. In dem Drama, das zunächst ein Filmscript war und in Hollywood abgelehnt worden war, vermischen sich Realität und Fantasiewelt zu einem melancholischen „Spiel der Erinnerung”.

Das fesselnde Vierpersonenstück, das nach der erfolgreichen Uraufführung in Chicago weltweit gespielt und mehrfach verfilmt wurde, ist ebenso poetisch wie „alltäglich”, tragisch und komisch zugleich. Kein Wunder, dass in Aachen drei starke Theaterfrauen das zu großen Teilen autobiografische Williams-Stück auf die Bühne bringen.

Die junge Regisseurin Bernadette Sonnenbichler, die in Aachen bereits so bemerkenswerte Inszenierungen wie „Die Verwandlung” nach Kafkas Erzählung und „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß” nach Robert Musil präsentierte, hat sich mit Dramaturgin Sibille Hüholt und der Bühnen- und Kostümbildnerin Cordula Körber zusammengetan, um „Die Glasmenagerie” mit neuem Leben zu erfüllen.

Interessant ist bereits die Tatsache, dass die scheue Laura, das in Williams Originalversion leicht gehbehinderte Mädchen, zwar die Hauptfigur ist, doch irrlichternder Mittelpunkt ist eigentlich Amanda, die Mutter. Die einstige Südstaatenschönheit, eine inzwischen etwas verblühte „Magnolie aus Stahl” lebt ganz in der Vergangenheit. Sie will ihre Kinder, Laura und den etwas älteren Tom, wie eine Glucke schützen - aber eben auch tüchtig bevormunden.

„Kein bisschen altbacken” sei das leise Drama, davon ist das Frauen-Trio überzeugt. Durch Erzählung, Spiel und Rückerinnerung wird die „Traumwelt” verdichtet, in der die Figuren sich ein anderes Leben erschaffen. Der Vater hat die Familie längst verlassen, und sein Sohn Tom, der Schriftsteller werden möchte, muss als Lagerist arbeiten. Am liebsten aber möchte auch er der ärmlichen und beengenden Familienatmosphäre in St. Louis entrinnen.

Das ruhelose „Muttertier” Amanda will der isolierten und gehemmten Tochter einen Bräutigam besorgen - Tom soll seinen sympathischen Arbeitskollegen Jim nach Hause einladenÉ Die zerbrechliche Laura, zart wie ihre Glasfigürchen, ist diesem „Fest” nicht gewachsen. Was bleibt, wenn Traumwelten sich auflösen? Auf karger Bühne und mit neuer Übersetzung soll sich die zeitlose Geschichte feinfühlig entfalten.

Mit dabei sind die Schauspieler Bettina Scheuritzel (Amanda), Katharina Merschel (Laura), Thomas Hamm (Tom) und Robert Seiler als Jim. Dauer der Aufführung etwa 150 Minuten inklusive Pause.

Premiere des Schauspiels „Die Glasmenagerie” von Tennessee Williams ist am Freitag, 14. Mai, im Theater Aachen (Kammer). Beginn 20 Uhr. Weitere Aufführungen am 18./22./28. Mai sowie am 5./12./30. Juni und am 2./8./10./13. und 17. Juli. Karten-Telefon: 0241/4784244.
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