Wenn der Ofen zum Risiko wird

Von: Werner Breuer
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Gemütlich oder gefährlich? Bei Kaminöfen ist die richtige Bedienung wichtig. Foto: Imago/Arco Images

Aachen. „Die Frau hat mehr als Glück gehabt“, sagt Dr. Ullrich Siekmann über seine Patientin. Die 75-jährige Frau war am Sonntag bewusstlos in ihrer Wohnung an der Hüttenstraße gefunden worden – Kohlenmonoxidvergiftung. Als Ursache dafür machten ihre Retter von der Feuerwehr einen „Festbrennstoffofen“ aus.

Solche Unglücke passieren häufiger, weiß Alfred Wolf, der technische Innungswart der Aachener Schornsteinfegerinnung. Nicht immer haben die Opfer soviel Glück wie die Aachenerin, der es laut Siekmann inzwischen schon wieder besser geht. Manche überleben eine solche Vergiftung nicht oder haben noch lange mit den Spätfolgen zu kämpfen.

Und nicht selten ist die Ursache ein Ofen. Allerdings nicht der alleine, stellt Wolf klar. Der Fachmann – Wolf ist Bezirksschornsteinfeger in Niederzier – betrachtet da die Dreierkombination aus Ofen, Ofenrohr und Schornstein.

Die gesamte Feuerungsanlage müsse funktionieren, und dafür brauche es Luft. Die könne bei einer Feuerstelle in der Wohnung aber knapp werden, wenn alles zu gut gedämmt sei, weiß Wolf. Wenn alle zugigen Ritzen zugemacht würden, werde „das Häuschen schnell ein dichter Schuhkarton“.

Belüftung wichtig

Das mag den Energieverbrauch senken, doch wer eine Feuerstelle betreibt, sollte ein paar Löcher lassen. Sonst brennt es nicht, sondern kokelt nur. Das führe dazu, dass die ganze Feuerungsanlage sich mit Ruß und Teer zusetze und es gar zu einem Kaminbrand kommen könne, erklärt der Experte.

Auch das Rauchgas ziehe nicht richtig ab. „Das ist wie bei einem Wasserschlauch“, erklärt Wolf. Drücke man den in der Mitte zu, fließe am Ende nichts heraus. „Und wenn von unten keine Luft nachströmt, zieht das Rauchgas auch nicht nach oben durch den Schornstein ab.“

Wenn es sich stattdessen in der Wohnung verteilt und eine bestimmte Konzentration erreicht, wird es ganz schnell kritisch. Das Kohlenmonoxid verdränge im Körper den Sauerstoff erklärt Mediziner Siekmann, in der Folge sterbe Gewebe ab.

Die Symptome seien ähnlich wie bei Herzinfarkt oder Schlaganfall, mitunter komme es nur zu Übelkeit und Erbrechen. „Die Spätschäden sind aber auch nicht lustig“, sagt Siekmann. Das Kohlenmonoxid werde unter normalen Umständen nicht einfach „abgeatmet“, sondern nehme „den anderen Weg“ in die Muskulatur, von das aus gehe es an die Nerven.

Warngeräte

Zum Glück für die 75-jährige Aachenerin konnte Siekmann als Ärztlicher Leiter des HBO-Zentrums an der Kackertstraße an diesen „normalen Umständen“ etwas ändern: In der Druckkammer wurde die Patientin mit reinem Sauerstoff behandelt. Für eine solche „Hyperbare Sauerstofftherapie“ werden mitunter Patienten aus Norddeutschland nach Aachen geflogen, weil Einrichtungen wie das HBO-Zentrum dünn gesät sind. Am Sonntag war es nur ein kurzer Flug mit dem Rettungshubschrauber von der Hüttenstraße zur Kackertstraße.

Wäre das alles zu verhindern gewesen, etwa durch entsprechende Warngeräte? Die Feuerwehr jedenfalls ist mit solchen Detektoren ausgerüstet, beim Einsatz am Sonntag zeigte der Apparat auch eine erhöhte Kohlenmonoxid-Konzentration an. „Die sollten ein Muss sein genau wie Rauchmelder“, meint Schornsteinfeger Wolf. Bei der Montage sollte man allerdings den Bezirksschornsteinfeger zu Rate ziehen, empfiehlt er, „sonst kann es zu Fehlalarmen kommen, und irgendwann macht man die Warner genervt aus“.

Ansonsten rät der Fachmann, immer für ausreichende Luftzufuhr zu sorgen, geeignete Brennstoffe zu verwenden („Holzscheite sollten nicht mehr als zehn bis zwölf Zentimeter Durchmesser und maximal 20 bis 23 Prozent Restfeuchte haben, dafür gibt es preisgünstige Messgeräte“), und nicht aus übertriebener Sparsamkeit die Lüftungsklappen zu früh schließen. Zudem sei es schon ein Sicherheitsgewinn, wenn ein Fenster einen Spalt breit offensteht.

„Vor allem muss die Feuerungsanlage in einem ordnungsgemäßen Zustand sein“, betont Wolf. Zwischen zwei- und viermal jährlich müssten alle drei Komponenten gereinigt werden. Näheres weiß der Bezirksschornsteinfeger.

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