Wenn der Fahrgast auf der Strecke bleibt

Von: Christopher Gerards
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Senioren und Studenten ärgern sich über zu volle Busse. Die Aseag will im Winter größere Wagen einsetzen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Eigentlich ist Wilhelmina Mathar damals wegen der Busse auf die Hörn gezogen. „Weil die Verbindungen so gut sind”, sagt die Rentnerin, die seit dreieinhalb Jahren in einer Seniorenwohnung lebt.

Mehrmals pro Woche fährt sie zum Einkaufen in die Innenstadt, doch die 78-Jährige kämpft seit einiger Zeit mit einem Problem: Einige Busse sind so überfüllt, dass sie nicht mehr einsteigen kann. „Am Montag war das bei zwei Linien so, da musste ich über eine halbe Stunde warten”, klagt die ältere Dame. „Das ist in letzter Zeit schlimmer geworden, seit so viele Studenten da sind.”

Tatsächlich: Vor drei Wochen haben die Vorlesungen an der RWTH begonnen. In diesem Wintersemester haben sich 7000 Studienanfänger eingeschrieben - 1700 mehr als im Vorjahr. Sie alle besitzen ein Busticket und können die Linien der Aseag nutzen, die 3 etwa, die 13, 33 oder die 73, jene Linien, die im Univiertel halten und damit auch an den Instituten auf der Hörn. Dort also, wo Wilhelmine Mathar und andere Senioren einsteigen.

Inge Nadenau leitet das Begegnungszentrum im Haus Hörn. Sie redet häufig mit den Heimbewohnern und auch mit den Senioren aus dem Viertel. „Die Leute sind auf die Busse angewiesen, weil es hier kaum noch Einkaufsmöglichkeiten gibt”, sagt sie. „Zwei, drei Mal” in der Woche berichteten ihr Menschen, dass die Busse zu voll seien. Die Beschwerden über zu volle Busse erreichten sie in letzter Zeit häufiger als früher. Besonders schwierig sei die Situation für Menschen, die auf Rollatoren angewiesen seien. Daher schlägt sie vor, die Busfahrer für das Thema zu sensibilisieren. „Oder zu Stoßzeiten mehr Busse einzusetzen.”

Stoßzeiten seien jedoch „nicht immer planbar”, sagt Aseag-Pressesprecherin Anne Linden. Schließlich fielen die Sturm-und-Drang-Phasen von Tag zu Tag unterschiedlich aus. Und verschiedene Fahrpläne zwischen Montag und Freitag seien nicht umsetzbar, so Linden. Allerdings: „Wir haben immer einen Pool von Fahrern, die ihre Kollegen mit Einsatzwagen verstärken können.” Sei ein Bus zu voll, melde der Fahrer dies an die Leitstelle.

Im Übrigen sei das Problem überfüllter Busse schon in den vergangenen Jahren aufgetreten, sagt Linden. Die Aseag hat darauf reagiert und im letzten Jahr die Linie 73 ins Rennen geschickt, die nun auch durch das Univiertel fährt. Dadurch könnten Fahrgäste auch an den vier Problemhaltestellen - Halifaxstraße, Mies-van-der-Rohe-Straße, Westbahnhof und Audimax - alle 7,5 Minuten einen Bus nehmen. Und wenn einer dieser Busse überfüllt sei, „dann kann in 99 Prozent der Fälle der nächste Wagen die wartenden Fahrgäste mitnehmen”, sagt Linden. Sie rechnet damit, dass „Richtung November/Dezember” die Fahrgastzahl wieder abebbe. Jedoch steige dieser Wert im Winter wieder an, daher möchte die Aseag für die 3er- und 13er-Linien überwiegend Gelenkbusse einsetzen. Die Linien 33 und 73 sind schon jetzt Gelenkwagen.

Auch Sebastian Hemmers fände mehr Busse „manchmal schon schöner.” Hemmers ist Student, Werktstoffingenieurwesen, fünftes Semester. Erst am Mittwochmorgen hat er am Bushof nicht in die Linie 33 einsteigen können. Der Bus war einfach zu voll. Hemmers musste einen anderen Bus nehmen und vom Ponttor aus zu Fuß Richtung Audimax gehen. Ingesamt jedoch komme er mit den überfüllten Bussen klar, „aber für ältere Leute ist das wohl schwieriger.” Auch sein Kumpel Anton Strauss findet die Situation „schon ein bisschen nervig.” Er glaubt aber, dass die Busse demnächst nicht mehr so proppenvoll sein werden, weil dann weniger „Studis” Busfahren würden: „In der Mitte des Semesters lassen viele die Vorlesungen sausen.” Derzeit allerdings „spüren wir auch, dass mehr Studenten in Aachen sind”, bestätigt Aseag-Pressesprecherin Anne Linden.

Doch es wird wohl noch schlimmer kommen, wenn im Jahr 2013 der doppelte Abiturjahrgang an die Unis rückt. „Wir schauen uns die Prognosen genau an”, sagt Anne Linden. Schon zum nächsten Fahrplanwechsel im Juni 2012 wolle die Aseag aber mehr Busse einsetzen.
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