Aachen - Weniger Pferde und mehr Sicherheitskräfte bei den Umzügen

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Weniger Pferde und mehr Sicherheitskräfte bei den Umzügen

Von: Georg Dünnwald und Marcus Erberich
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Über die Entführung von Dila
Über die Entführung von Dilara (5) berichteten gestern die Ermittler Norbert Wagner (v.l.), Polizeipräsident Klaus Oelze (verdeckt). Oberstaatsanwalt Robert Deller und Ralf van Uden. Fotos (2): Ralf Roeger Foto: Ralf Roeger

Aachen. Am Karnevalssonntag und am Rosenmontag ziehen sie wieder durch die Stadt: die traditionellen Karnevalszüge. Und es wird sich vieles verändern. Erstmals sind der Kinderzug und der Rosenmontag fast pferdelos.

Die Prinzengarde und das KK Oecher Storm werden nicht mehr mit Rössern dabei sein. „Ein Schritt, der uns äußerst schwergefallen ist”, sagen Kommandant Markus Bongers (Prinzengarde) und Kommandant Hans-Jürgen Begas (Oecher Storm) unisono.

„Wir können unsere Kinder am Sonntag und unsere erwachsenen Reiter am Montag nicht einer drohenden Gefahr aussetzen”, begründen Bongers und Begas. Auch das Publikum wollen die beiden Vereine, die die einzigen berittenen Korps im Aachener Rosenmontagszug stellen, keiner Gefahr - die etwa von durchgehenden Pferden kommen könnte - schützen.

„Ställe gehen in Flammen auf”

Denn am Montagabend erhielt der Aachener Reitstall, der dem Storm bislang die 20 Ponys überließ, auf denen die kleiner Oecher Störmer noch im vergangenen Jahr im Kinderzug mitritten, eine telefonische Drohung.

„Wenn Sie dem Oecher Storm und der Prinzengarde Pferde für die Züge zur Verfügung stellen, werden ihre Ställe in Flammen aufgehen”, habe eine männliche Stimme gesagt. „Wir können nicht mal im Ansatz abschätzen, wie ernst diese Drohung gemeint ist, aber wir sehen uns gezwungen, die ernst zu nehmen”, sagt Bongers, der im Hauptberuf Hauptkommissar bei der Kriminalpolizei ist.

Er verneint wie Begas, dass sedierte Tiere an den Zügen teilgenommen haben. „Wenn ein Pferd vorher mit Medikamenten beruhigt wurde, behält es doch sein Wesen, ist es für eine Zugteilnahme ungeeignet, dann auch, wenn es ruhiggestellt wurde.”

Beide Korps, die auch als Reitvereine eingetragen sind und an Turnieren und Fuchsjagden teilnehmen, stellten am Mittwoch während einer Presskonferenz klar, dass ihre Absage zur Teilnahme von Reitern an den beiden Zügen kein Eingeständnis einer unsachgemäßen Vorbereitung oder eines unsachgemäßen Umgang mit den Pferde darstelle. „Auf die seitens der Pferdefreunde in der Städteregion erhobenen Anschuldigen reagieren wir besonnen auf die offensichtlich dadurch hervorgerufene Aggression”, kommentierte Bongers.

Die Prinzengarde und auch die Frauen und Männer vom Oecher Storm würden die Pferde kennen und das ganze Jahr über mit ihnen trainieren und arbeiten. „Die Tiere sind geeignet, sonst würden wir die gar nicht mitnehmen”, bekräftigt Robert Barth, der Berittsführer der Prinzengarde. Bereits am Dienstag äußerte sich Horst Peters, der Vorsitzende der Aachener Stadtreiter, dass er und sein Team auf jeden Fall zu Pferde an den Zügen teilnehmen würden.

Bis zu 5000 Teilnehmer

Mehr als 150 Wagen, bis zu 5000 Teilnehmer und zwischen 100.000 und 200.000 Zuschauer am Straßenrand - das sind die groben Zahlen des Rosenmontagszuges in Aachen. Insbesondere seit der Katastrophe bei der Love-Parade in Duisburg gelten bei solchen Großveranstaltungen strenge Sicherheitsbestimmungen; dort waren im vergangenen Jahr bei einer Massenpanik 21 Menschen ums Leben gekommen.

Um derlei zu verhindern, hat der Ausschuss Aachener Karneval (AAK) ein neues, 160 Seiten umfassendes Sicherheitspapier verfasst - in enger Zusammenarbeit mit der Stadt, dem Ordnungsamt und der Feuerwehr. „Nach menschlichem Ermessen ist die Sicherheit in vollem Umfang gewährleistet”, so Wilm Lürken, Präsident des AAK.

Drei Risikofälle gebe es demnach. Da wären zum einen Probleme, die im Vorfeld des Zuges auftreten, aber zu beheben sind. So zum Beispiel ordnungswidrig abgestellte Autos, die „ohne zu zögern abgeschleppt werden”, so Lürken, „jeder sollte also dringend die Halteverbotsschilder beachten.”

Zum anderen können bei Veranstaltungen solchen Ausmaßes Unfälle passieren; je nach Art des Unfalls solle hier schnell ein Krankenwagen oder die Polizei gerufen werden. Aber auch die Streckenposten, die den Zug begleiten, können zur Hilfe geholt werden. Und zuletzt wären da Fälle, die nicht vorhersehbar und damit nicht zu verhindern seien, so zum Beispiel Anschläge, aber damit rechne man nicht.

600 Sicherheitskräfte

Um für die Teilnehmer, Veranstalter und Zuschauer der Karnevalszüge größtmögliche Sicherheit herzustellen, werden im Vergleich zu den Vorjahren mehr Ordnungskräfte im Einsatz sein - 600 allein beim Rosenmontagszug. Zudem wurden sie speziell geschult.

Das Ordnungspersonal setzt sich zu einem Drittel aus Ehrenamtlern und zu zwei Dritteln aus professionellen Security-Kräften zusammen. Jeder Wagen muss außerdem seinen eigenen „Wagen-Engel” haben, der sich während des Zuges um die Sicherheit sorgt. Alle 100 Meter wird überdies ein Wagen des Zuges mit Lautsprechern ausgestattet sein, so dass im Gefahrenfall Warnungen und Anweisungen rasch verbreitet werden können. Auch das ist neu.

Bei der Stadt habe der AAK mit seinen Vorschlägen bezüglich der Sicherheitsvorkehrungen stets offene Türen eingerannt, so Lürken: „Die Zusammenarbeit hat sehr gut funktioniert.”

Den Anweisungen des Ordnungspersonals sei unbedingt Folge zu leisten, so Lürken weiter. So sollten sich jedenfalls die Risikofälle eins und zwei weitgehend vermeiden lassen - und im Notfall sind die Helfer nicht weit.
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