Aachen - Wende im Haarener Mordfall?

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Wende im Haarener Mordfall?

Von: Wolfgang Schumacher
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Am 13. April wurde in diesem H
Am 13. April wurde in diesem Haus an der Haarener Kreuzstraße die Leiche der 72-jährigen Bewohnerin von Familienmitgliedern gefunden. Sie war am Abend zuvor getötet worden. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Gibt es eine Wende im Haarener Mordfall? Nach Angaben von Rechtsanwalt Harald Bex, der den in Untersuchungshaft einsitzenden 44-jährigen Tatverdächtigen vertritt, ist es dem Landeskriminalamt in Düsseldorf gelungen, ein Phantombild eines weiteren, bislang unbekannten Zeugen oder auch möglicherweise eines neuen Tatverdächtigen zu erstellen.

Der Anwalt hatte auch nach der Zulassung der Anklage durch das Aachener Schwurgericht in seinen Bemühungen nicht locker gelassen. Sein Mandant habe konstant beteuert, nicht der Täter zu sein, und dies für ihn schlüssig begründet, sagte Bex gegenüber den „Nachrichten”.

Und der Verteidiger fand bei seiner Arbeit an dem Fall in den Akten die Aussage einer Nachbarin, die in der tatrelevanten Zeit eine ihr völlig unbekannte Person am Haus der Getöteten gesehen hatte. Diese Spur war bislang anscheinend nicht verfolgt worden. Für den Anwalt ergab sich sofort ein Hoffnungsschimmer für seinen Mandanten.

Zunächst war der Fall von Beginn an völlig mysteriös. Denn der Tod der 72-Jährigen in der Kreuzstraße, einem ruhigen Wohnviertel, galt anfangs als Unglücksfall. Die ältere Dame sei am 12. April abends bei einem Treppensturz ums Leben, hieß es in ersten Meldungen der Polizei. Bereits am nächsten Tag jedoch hatten die Ermittler ein Kapitalverbrechen aufzuklären, die Mordkommission begann mit den Ermittlungen gegen Unbekannt.

Denn es stellte sich heraus, dass „das Sturzgeschehen nicht todesursächlich war”, wie es in den Berichten der Polizei hieß. Schuld am Tod des in dem Haus alleine lebenden Opfers seien „andere Umstände”, die allerdings ein Kapitalverbrechen, heißt eine vorsätzliche Tötung oder einen Mord, voraussetzten. Einzelheiten gab man damals von Seiten der Behörden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekannt, „um kein Täterwissen preiszugeben”, hieß es, und die Schlagzeilen lauteten „Noch keine heiße Spur im Haa­rener Mordfall”.

Doch das änderte sich. Etwa 14 Tage nach der Tat führte die Polizei am 26. April einen 44-jährigen Verdächtigen dem Haftrichter vor. Es sei um Mietrückstände gegangen, gaben die Ermittler bekannt. Der Beschuldigte habe sich früh in Widersprüche verstrickt. Nach ersten Feststellungen, so gab damals der Sprecher der Staatsanwaltschaft Robert Deller bekannt, soll der 44-Jährige seine Vermieterin am 12. April gegen 21 Uhr aufgesucht haben, um mit der Hausbesitzerin über Mietrückstände zu verhandeln. Dann sei es zu der Tat gekommen. Doch der Verdächtige bestreitet das und führt laut seinem Anwalt beispielsweise ins Feld, dass er zu der Zeit gar kein Mieter irgendeiner Immobilie der Getöteten gewesen sei.

Das alles habe die Ermittlungsbehörde völlig unbeeindruckt gelassen, ärgert sich Anwalt Bex. Sodann habe er mit der Nachbarin, die jemanden am frühen Abend von der Straße aus in der Garage im Souterrain des Hauses gesehen hatte, beim Landeskriminalamt ein Phantombild jener unbekannten Person erstellen lassen. Die Nachbarin habe den Zeitpunkt ihrer Beobachtung recht genau eingrenzen können, meinte der Anwalt und machte geltend, dass es sich bei dieser Person auch um den Mörder oder gleichermaßen um einen wichtigen Zeugen gehandelt haben könnte.

Antrag auf Fahndung

Schließlich habe die Anklagebehörde die Pflicht, gleichermaßen entlastende Aspekte zu ermitteln. Das sei hier unterlassen worden. Der Todeszeitpunkt sei nach den forensischen Gutachten durchaus früher gewesen, als man zunächst geglaubt habe. So komme nach seiner Meinung der Mann in der Garage durchaus als Täter in Betracht. Nach ihm müsse also gefahndet werden.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Robert Deller, erklärte, er könne zum laufenden Verfahren nichts sagen. Eine Bildveröffentlichung sei Sache der Polizei.

Jener liegt für den internen Gebrauch das Konterfei des Mannes bereits vor. Die Hürden für eine öffentliche Fahndung über Presse und Rundfunk seien aber hoch, sieht auch der Anwalt ein. Es gehe auch um die Persönlichkeitsrechte des Menschen, nach dem dann öffentlich gesucht werde. Doch sein Mandant sitze unschuldig ein, das sei dem entgegenzuhalten. So stelle er jetzt den Antrag, das Phantombild öffentlich zu verbreiten.
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