Aachen - Weißer Ring: Die gute Vernetzung der Helfer ist ein dickes Plus

Weißer Ring: Die gute Vernetzung der Helfer ist ein dickes Plus

Von: cg
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Der Weiße Ring: Der Leiter der Außenstelle Aachen, Klaus Beyard (l.) , verabschiedet seinen Stellvertreter Horst Fellgiebel. Der 75-Jährige zieht sich aus Altersgründen zurück. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Seine Antwort hat Horst Fellgiebel (75) schon vor drei Jahrzehnten gefunden. Frauen werden vergewaltigt, Kinder missbraucht, Männer ausgeraubt oder verprügelt. Menschen werden Opfer einer Straftat. „Alle fahnden dann nach dem Täter, aber wer kümmert sich eigentlich um das Opfer”, fragt Fellgiebel.

Als der mittlerweile pensionierte Polizist den Weißen Ring 1979 nach Aachen holte, hatte er die Frage beantwortet: Er selbst macht das. Denn der Weisse Ring ist eine deutschlandweite Opferschutzorganisation mit Sitz in Mainz.

„Sobald jemand Opfer einer Straftat geworden ist, bieten wir ihm unsere Hilfe an”, erläutert Fellgiebel. „Wir wollen ihn unterstützen, wieder ein normales Leben zu führen.” Oft seien Menschen traumatisiert, nachdem sie Gewalt erfahren mussten.

Der Weiße Ring stellt ihnen dann Therapeuten zur Seiten, zahlt die Erstberatung, ist Ansprechpartner, organisiert die Anwälte. „Oder wenn ein Opfer durch die Straftat in eine finanzielle Notlage geraten ist, geben wir ihm bis zu 250 Euro Soforthilfe.”

Allein in diesem Jahr betreute der Weisse Ring über 200 Menschen in der gesamten Städteregion, sagt Klaus Beyard, Außenstellenleiter der Organisation, „das geht durchs gesamte Strafgesetzbuch”. Die meisten von ihnen wurden von Ärzten geschickt, oder vom Opferschutz-beauftragten der Polizei, zu dem man engen Kontakt pflege.

Schöne Momente

Ohnehin sei die gute Vernetzung der Helfer ein dickes Plus, so Beyard, der in seinem neunköpfigen Team Polizisten, Menschen aus dem Justizwesen, sogar eine Immobilienmaklerin um sich schart. Menschen eben, die helfen wollen und können.

Und die mit 540 weiteren Mitgliedern und ihren Jahresbeiträgen das Rückgrat des Weissen Rings bilden, der aber auch auf Spenden angewiesen ist.

Wenn Werner Fellgiebel die letzten Jahrzehnte Opfer-Arbeit Revue passieren lässt, erinnert er sich an schöne Momente, aber auch solche, die sich in sein Gedächtnis eingebrannt haben. „Was einem sehr nahe geht, ist wenn Menschen getötet wurden, und vor allem auch wenn Kinder geschädigt wurden. Man sieht dann das Leid bei den Hinterbliebenen. Das ist wirklich schlimm.”

Die Eltern von Tom und Sonja etwa, den beiden Kindern aus Eschweiler, die 2003 von zwei Männern getötet wurden, betreute Fellgiebel einst. Eine schwierige Aufgabe für den Ex-Polizisten. Die schönsten Momente, sagt Fellgiebel, seinen dagegen, „wenn man merkt, dass die Opfer dankbar sind für die Hilfe.”

Nun ist jedoch Schluss für Horst Fellgiebel, das Aachener Gesicht des Weißen Rings. Er gibt seinen Posten als stellvertretender Leiter der Außenstelle Aachen aus Altersgründen auf. Mit Hans Jahn hat Leiter Klaus Beyard aber schon einen Nachfolger gefunden. Die Arbeit muss schließlich weitergehen - damit Opfer von Straftaten wieder ein normales Leben führen können.
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