Aachen - Weihnachtskonzert im Krönungssaal: Jeder Ton von warmer Noblesse

Weihnachtskonzert im Krönungssaal: Jeder Ton von warmer Noblesse

Von: Pedro Obiera
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Das Zusammenspiel macht offensichtlich Freude: Klarinettistin Magdalena Faust harmonierte wunderbar mit dem von Thomas Beaujean geleiteten Euro-Kammerorchester. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Als Thomas Beaujean 1976 mit dem Euro-Kammerorchester erstmals am 4. Advent zu einem Weihnachtskonzert in den Krönungssaal eingeladen hat, war nicht abzusehen, dass er damit eine Tradition einläutete, die mittlerweile 40 Jahre andauert und etliche Nachahmer gefunden hat.

Trotz großer Konkurrenz füllte sich der Krönungssaal auch in diesem Jahr wie gewohnt auch auf dem letzten Platz. Das „Original“ kann sich unvermindert durchsetzen und wer sich durch das Getümmel des Weihnachtsmarkts zum Rathaus durchgewühlt hat, wurde auch in diesem Jahr nicht enttäuscht.

Stark verjüngtes Orchester

Das betrifft sowohl das hohe Niveau des stark verjüngten Euro-Kammerorchesters wie auch das der jungen Solisten, die ihm von der „Deutschen Stiftung Musikleben“ empfohlen werden. Diesmal stellte sich mit der 23-jährigen Berlinerin Magdalena Faust eine Klarinettistin vor, die Mozarts Klarinettenkonzert so makellos und sensibel interpretierte, wie man es sich kaum besser wünschen kann. Ihr Ton ist von warmer Noblesse erfüllt, jede Phrase spinnt sie ausdrucksvoll aus, ohne die schlichte Natürlichkeit des musikalischen Flusses zu stören. Selbst in feinsten Pianissimo-Gefilden bleibt die Substanz des Tons erhalten.

Ihre von unverkrampfter Spielfreude getragene Musikalität übertrug sich hörbar auf das Euro-Orchester, das ihr eine ideale klangliche Stütze bot. Mit seidenweich tönenden Streichern und einem homogenen und leuchtkräftigen Bläserensemble schwelgte man in purer Schönheit.

Auf den hohen Eigenwert der Musik Josephs Haydns hinzuweisen, der lange Zeit im Schatten Mozarts eher als Wegbereiter denn als kongenialer Vollender der Wiener Klassik zur Kenntnis genommen wurde, gehört zu den Herzensangelegenheiten von Thomas Beaujean. Insofern war seine Interpretation der Sinfonie Nr. 87 in A-Dur aus dem „Pariser“ Zyklus von besonderer Hingabe geprägt.

Hinter der munteren Fassade des gut gelaunten Werks eröffnet sich dem Feinschmecker, wie in fast jedem Werk Haydns, ein reicher Kosmos an formalen, klanglichen und kompositionstechnischen Finessen und Überraschungen, die die Euro-Musiker brillant zum Klingen brachten. Der filigrane Einsatz des Bläserensembles verlieh der Darstellung noch ein zusätzliches Schaumkrönchen. Eine rundum geschlossene Leistung, die vergessen ließ, welch hohe Anforderungen die Musik Haydns einem Orchester abverlangt.

Wie in den letzten Jahren gesellte sich zum Abschluss die ebenfalls von Thomas Beaujean sorgfältig betreute „Cappella Aquensis“ hinzu. Drei lyrisch-pastoral gestimmte und ebenso sanft vorgetragene Gesänge von John Rutter und Morten Lauridsen bereiteten auf das bevorstehende Christfest vor. An weihnachtlicher Stimmung nur noch übertroffen von den Klassikern „Stille Nacht“ und „Es ist ein Ros‘ entsprungen“.

Begeisterter Beifall für ein äußerst hochwertiges Konzert, bei dem man sogar den alles andere als besinnlichen Lärm des Weihnachtsmarkts an diesem Samstagabend vergessen konnte.

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