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Weihnachtskisten: Jutta Schlockermanns Idee macht Schule

Von: Moritz Löhring und Holger Richter
Letzte Aktualisierung:
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Ein Paket gibt es schon: Die Tafel-Mitarbeiter Nasir Dost, Jutta Schlockermann, Annkathrin Rebbe und Jennifer Schmitz (v.l.) hoffen auch in diesem Jahr wieder auf ganz viele dieser Weihnachtskisten. Foto: Harald Krömer

Aachen. Renate Lindner war sehr skeptisch am Anfang. Als die Mitarbeiterin der Aachener Tafel vor zehn Jahren zum ersten Mal von der Idee einer Weihnachtskistenaktion hörte, sagte sie zu ihrer Chefin Jutta Schlockermann: „Du willst also, dass die Leute eine Kiste besorgen, diese dekorieren, den Inhalt dafür kaufen und sie Dir auch noch vorbeibringen... Vergiss es!“

Gottlob vergaß Schlockermann ihre Idee nicht. Und so ruft die Tafel in diesem Jahr schon zum zehnten Mal auf, für bedürftige Menschen Weihnachtskisten zu packen, damit auch sie ein schönes Fest mit leckerem Essen verbringen können.

Erwartungen übertroffen

„Im ersten Jahr gingen wir mit bescheidenen Erwartungen an die Sache heran, wir erhofften uns bis zu 300 Kisten“, erinnert sich Jutta Schlockermann. „Als am Ende des Tages 600 gepackte und verzierte Geschenkkartons angekommen waren, haben wir uns alle riesig gefreut.“ Das Grundkonzept habe sich in den zehn Jahren nicht verändert, wohl aber der Bedarf. „In den letzten Jahren ist die Anzahl der gespendeten Pakete auf 2000 gestiegen, so viele erhoffen wir uns auch für diesen Winter“, sagt Schlockermann und fügt hinzu: „Wer mir einen Gefallen tun möchte, der bringt mir eine Weihnachtskiste.“

Wer das tun möchte, kann seine Weihnachtskiste am Mittwoch, 17. Dezember, im Ballsaal des Alten Kurhauses abgeben. Tags darauf gibt die Tafel die gefüllten Kartons an bedürftige Familien oder Alleinstehende weiter.

Es dürfen ausschließlich ungekühlt haltbare Lebensmittel in der Kiste landen. Gut ist alles, was über die gesamten Weihnachtstage die Speisekammer füllt. Lebensmittel wie zum Beispiel Gulasch oder Rouladen-Konserven, Printen und Weihnachtsstollen, aber auch Kaffee, Nudeln, Margarine oder eine Flasche Wein sind gern gesehen.

Bis zu 200 Menschen täglich

„Mittlerweile haben wir 4946 registrierte Haushalte“, sagt Schlocker­mann nach einem Blick in ihre Kartei. „Im vergangenen Jahr waren es noch 500 weniger.“ Im tagtäglichen Tafelbetrieb kommen an Werktagen bis zu 200 Menschen zur Clermontstraße 10, um Lebensmittel zu bekommen. „Damit wir jeden Tag genügend Nahrungsmittel herausgeben können, sind rund 90 Mitarbeiter im Einsatz. Der Großteil von ihnen ehrenamtlich“, hebt die Chefin lobend hervor. Der ohnehin schon große Aufwand wird durch die Weihnachtsaktion noch gesteigert. „Ich mache seit November keine privaten Termine mehr“, verdeutlicht Jutta Schlockermann die große Belastung mit einem Lächeln.

Doch sie macht es gern, denn: „Oft haben Menschen in den vergangenen Jahren gesagt ,Sie haben unser Weihnachten gerettet‘, aber das war nicht ich, es war das Team der Aachener Tafel und jeder einzelne Spender“, freut sich Schlockermann über die durchweg positiven Rückmeldungen.

„Bislang konnten wir allen Haushalten, die eine Kiste wollten, auch die Freude machen.“ Für den Fall, dass erneut einige Kisten übrig bleiben, werden diese an die umliegenden Flüchtlingsaufnahmestellen weitergegeben, um auch den Menschen eine Weihnachtsfreude zu machen.

Doch nicht nur dort, denn Schlockermanns Einfall hat inzwischen Schule gemacht und in anderen Städten Deutschlands Nachahmer gefunden. Gottlob hat sie ihre Idee vor zehn Jahren nicht vergessen.

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