Weihnachten ... fast alles wie immer

Von: Thomas Vogel
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Glockenläuten zu Weihnachten: Ob es an dem hohen Festtag eine Geburt gibt und im Kreißsaal geklingelt wird, ist ungewiss. Sicher ist sich hingegen Schlüsselnotdienst Murat Tur, dass er ausrücken muss. Foto: T. Vogel
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Glockenläuten zu Weihnachten: Ob es an dem hohen Festtag eine Geburt gibt und im Kreißsaal geklingelt wird, ist ungewiss. Sicher ist sich hingegen Schlüsselnotdienst Murat Tur, dass er ausrücken muss. Foto: T. Vogel
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Nicht an Weihnachten: Dass dieses Baby an den Festtagen kommt, schließt Dr. Matthias Lerch aus.

Aachen. An Weihnachten sei der Dienst wie sonst auch immer, meint Rita Nagel. Ob ihre Familie das auch so sieht? „Nein“, sagt sie, lacht und schüttelt den Kopf. Aber die Familie weiß, wie wichtig ihre Arbeit ist. Und deshalb hat sie Verständnis, wenn die Notfallseelsorgerin an Heiligabend raus muss. So, wie viele andere Menschen, deren Fähigkeiten nicht an einem Tag im Jahr verzichtbar wären und die deshalb zumindest einen Teil des besinnlichen Festes für ihren Beruf aufgeben.

Heiligabend hat Rita Nagel Bereitschaftsdienst. Wenn ihr Telefon dann klingelt, ist es vielleicht die Verwandtschaft, die ein frohes Fest wünschen möchte. Vielleicht ist es aber auch die Polizei, die um Hilfe bittet – etwa, weil bei einem schweren Verkehrsunfall ein Mensch gestorben ist und die Angehörigen informiert werden müssen. Dann leistet sie seelischen Beistand. „Das ist an Weihnachten etwas heftiger als an anderen Tagen. Denn mit Weihnachten wird verbunden, dass dann nichts passieren darf“, erklärt Nagel.

Weder ihr Kollege Martin Großmann, noch Rita Nagel – beide koordinieren gemeinsam die ökumenisch organisierte Notfallseelsorge Aachen – wollen von realen Fällen erzählen, auch nicht anonymisiert. Die seelsorgerische Schweigepflicht nehmen sie sehr ernst. Nur so können die Menschen, denen sie helfen wollen, sicher sein, dass alles vertraulich bleibt.

Anmeldung zum Christkind?

Viel anzuvertrauen gibt es auf der Kinderstation im Marienhospital auch – wobei es da vielleicht eher um Vertrauen in die Ärzte und Geburtshelfer geht. An Weihnachten den Nachtdienst zu übernehmen, ist für Hebamme Susanne Menzel ein guter Kompromiss: „Dann kann ich abends mit meiner Familie feiern und morgens auch wieder. Wir machen am 25. Dezember eher vormittags Bescherung.“ Nachts wird sie dann auf der Station zu tun haben. Einige Anmeldungen zur Geburt sind schon eingegangen, berichtet sie.

Ob dann wirklich ein Baby an Weihnachten geboren wird, ist nicht vorauszusagen. Vielleicht klingelt die 30-Jährige das Glöckchen, das seit der Renovierung der Kreißsäle bei jeder Geburt geläutet wird, vielleicht bleibt es still. „In diesem Jahr haben wir bisher etwas über 500 Geburten“, sagt Menzel. Allerdings verlaufe das in Phasen. Mal sei es einen Tag komplett ruhig, mal kämen zwei Paare in einer halben Stunde. Besinnlicher aber sei es an Weihnachten irgendwie schon, einfach etwas ruhiger. Aber das gehöre zu dieser Jahreszeit ja auch dazu, meint die Hebamme.

Ob die Gemütslage werdender Eltern zu den hohen Festtagen eine besondere ist, hänge davon ab, erklärt Chefarzt Dr. Matthias Lerch: „Die meisten freuen sich überhaupt, dass ihr Kind auf die Welt kommt. Dass es dann Heiligabend ist – für manche ist es vielleicht ein Grund zu sagen: Och, schade ... Geburtstag und Weihnachten fallen zusammen. Aber das Christkind mitzunehmen, es hier bekommen zu haben, ist für alle ein schönes Ereignis.“ Viele wollten jedoch auch schnell wieder nach Hause, gerade wenn dort die Geschwister schon auf den Zuwachs warteten.

Letzte Rettung Schlüsseldienst

Zu Hause lässt es sich eben gemütlich und besinnlich feiern. Vor dem Haus zu dieser Jahreszeit zugegebenermaßen weniger. Dann kann es ein Segen sein, wenn Murat Tur und seine Berufskollegen erreichbar sind. Der Schlüsselexperte ist über die ganze Festtagszeit von Weihnachten bis Silvester rund um die Uhr erreichbar. Nicht umsonst: „Zwischen Weihnachten und Neujahr ist schon etwas mehr zu tun. Die Leute sind im Stress, und da passiert es öfter, dass sie sich aussperren.“

Und dann kann es ins Geld gehen. 60 Euro koste eine Tür-Notöffnung etwa an einem normalen Montagvormittag. Nachts oder an einem Feiertag wie Weihnachten liege die Pauschale für den Service etwa beim Doppelten. Mit der Besinnlichkeit sei es bei Notfall-Kunden aber oft schon vorbei, bevor er ankommt, erzählt Tur. Erlebt hat er schon alles: Vom Quasi-Dauereinsatz vor zwei Jahren, als er bis sechs Uhr morgens durch Nacht und Region gefahren ist, um fremden Menschen ihre Haustür aufzusperren, bis zu einem auch für ihn besinnlichen und ruhigen Fest im vergangenen Jahr. Mit Spannung erwartet Tur, wie viel Betrieb ihm Weihnachten 2014 beschert.

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