Wasserrad unter dem Hohenzollernplatz steht endgültig still

Von: Gerald Eimer
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Die Vorarbeiten für den Einba
Die Vorarbeiten für den Einbau des Wasserrads in die Kanalisation unter dem Hohenzollernplatz begannen bereits 2001. Zwei Jahre später lieferte es erstmals Strom. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Groß Aufsehen erregt hat Aachens letztes funktionstüchtiges Wasserrad eigentlich nur bei seiner Inbetriebnahme vor neun Jahren. Weil es sich tief unter dem Hohenzollernplatz außerhalb des Blickfelds der Aachener drehte, verloren die meisten Menschen schnell das Interesse an der Spezialanfertigung, die Teil eines weltweit einzigartigen Testversuchs war.

Der Prototyp sollte den Beweis erbringen, das mit Abwasser in der Kanalisation Strom erzeugt werden kann.

Die Idee dazu stammt von Friedrich-Wilhelm Bolle, Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH, und seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Karl Billmaier. Beide kommen in ihrer in diesem Jahr vorgelegten Bilanz zu dem Schluss, dass die Stromgewinnung in der Kanalisation grundsätzlich machbar sei.

Diese Erkenntnis ist überraschend, denn eigentlich hat ihnen das Aachener Unikum wenig Freude bereitet. „Es hat sehr viele Ausfälle gegeben”, sagt Billmaier, „wir hatten sogar eine Totalhavarie.” Das Rad wurde zunächst zwar immer wieder instandgesetzt, doch vor Jahren kam aus wirtschaftlichen Erwägungen das endgültige Aus. Fest fixiert rostet das Wasserrad heute in der Tiefe vor sich hin.

Gleichwohl habe das vom Landesumweltministerium geförderte Forschungsprojekt wichtige Erkenntnisse gebracht. „Man kann es machen, wenn die Randbedingungen stimmen”, ist Billmaier überzeugt. Die aber haben in Aachen offenbar nur in Ansätzen gestimmt.

13 Meter in die Tiefe

Anfangs waren Forscher und Stadt, die damals noch für das unterirdische Kanalsystem verantwortlich war, Feuer und Flamme für das Projekt. Drei Jahre wurde an dem neuen Tiefsammler Süd-Ost gebaut, zu dem auch ein sogenanntes Absturzbauwerk am Hohenzollernplatz gehörte. Niederschlags- und Abwasser stürzten dort auf ihrem Weg zur Kläranlage in der Soers gut 13 Meter in die Tiefe. Der ideale Platz also für eine neue Energiequelle in Form eines Wasserrades, das angetrieben von der Fließgewalt genug Strom für zehn Haushalte produzieren sollte.

Doch dann kamen die Probleme: Der Materialmix, aus dem das Rad hergestellt wurde, habe sich nicht bewährt, sagt Billmaier. In der aggressiven Atmosphäre der Aachener Unterwelt zeigten einige Bauteile schon bald Ermüdungserscheinungen. Es habe zudem schwere Montagefehler gegeben, weil offenbar einige das Projekt nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit unterstützt haben. Dass die Stadt ihre Kanalisation an die Stawag ausgelagert hat und sich dadurch Verantwortlichkeiten änderten, sei dem Projekt nicht förderlich gewesen. Man hätte sich viel Ärger und Verdruss ersparen können, meint Billmaier.

„Abwasser ist ein guter Energieträger”, ist er überzeugt. Nutzen lasse sich sowohl die potenzielle Energie als auch die Abwärme. Leider habe sich die Stawag bis heute nicht zu einem Versuch der Wärmerückgewinnung, etwa unter der Jülicher Straße, „durchringen können”, so Billmaier.

Etwas mehr Unterstützung können sich die Forscher also gut vorstellen. Sie sind überzeugt, dass angesichts steigender Energiepreise das Abwasser als Energieträger bislang noch viel zu wenig Beachtung findet.
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