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Was die Stadt für eine bessere Welt tun kann

Von: Werner Breuer
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Konkrete Forderungen an die Kommunalpolitik: Nabu-Vorsitzender Claus Mayr (links) und sein Stellvertreter Herbert Fleu. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Natürlich geht es um nichts weniger als um die Rettung des Planeten. Weltweit wird viel über Klimaschutz, den Erhalt der Artenvielfalt oder auch einen geringeren Flächenverbrauch geredet. Der Naturschutzbund (Nabu) in Aachen will dabei im Auge behalten, wie die hehren Ziele vor Ort verfolgt werden.

Und weil sich die Parteien gerade für den Kommunalwahlkampf rüsten, präsentieren die Naturschützer schon mal ihre Forderungen.

Als „Hilfestellung“ will Nabu-Vorsitzender Claus Mayr die verstanden wissen. So könnte die Stadt für den Schutz des Waldes nach seiner Ansicht ruhig etwas mehr tun. Laut Koalitionsvertrag sollten zehn Prozent der staatlichen Waldflächen aus der forstwirtschaftlichen Nutzung genommen werden. Bei rund 3000 Hektar Öcher Bösch wären das also etwa 300 Hektar. Tatsächlich werde aber nur eine drei bis vier Hektar große Fläche im Augustinerwald sich selbst überlassen, beklagt Mayr, das sei zu wenig.

Überhaupt ist der Aachener Wald arg gebeutelt. „Der Nutzungsdruck in einer Großstadt ist hoch“, weiß der Nabu-Chef. Sorgen machen ihm dabei vor allem die Mountainbike-Fahrer. Die hätten zwar ihren eigenen Bikepark am Dreiländerpunkt, der aber sehr „spezialisiert“ sei und nur Vereinsmitgliedern und zahlenden Besuchern zur Verfügung stünde.

Viele Geländeradler bretterten deshalb weiter quer durch den Wald, was nicht nur Spaziergänger gefährde. Auch die Tierwelt würde dadurch gestört, beklagt Mayer. Sein Stellvertreter Herbert Fleu verweist zudem auf die Schädigung des Waldbodens durch die groben Stollenprofile der Räder hin. „Die machen richtige Furchen, die dann beim nächsten Regen ausgewaschen werden.“ Aus Sicht des Nabu müsste daher langfristig über andere Regelungen nachgedacht werden, etwa die Verbannung der Radler nur auf breite Wege und eine Kennzeichnungspflicht.

Handlungsbedarf sieht der Nabu auch bei den Naturschutzgebieten. Zehn davon gibt es in Aachen, sie machen drei Prozent der Fläche aus. Etwas mehr sollte es schon sein, meint Mayr, „da ist noch Luft nach oben“. Und die Schutzverordnungen sollten bitteschön so konkret gefasst werden, dass nicht mehr private Waldbesitzer ganz legal großflächig abholzen könnten, wenn sie nur ein paar Bäume stehen lassen. Zudem sollte es nach den Vorstellungen der Naturschützer Verbundsysteme für Biotope geben, damit die Tiere wandern können.

Für die Öko-Bauern könnte die Kommunalpolitik ebenfalls etwas tun, meinen die Naturschützer. Viele alte Höfe seien in städtischem Besitz und sollten vorzugsweise an Bauern verpachtet werden, die sich der ökologischen Landwirtschaft verschrieben haben. Die Nachfrage nach deren Produkten sei groß und sollte bedient werden. „Öko-Kartoffeln aus Ägypten sind da sicher nicht Sinn der Sache“, meint Mayr.

Er beklagt zudem, dass zu viel „grüne Wiese unter Beton verschwindet“. Den Flächenverbrauch will die Bundesregierung schon seit Jahren auf 30 Hektar pro Tag verringern, dennoch würden derzeit noch 90 Hektar täglich bundesweit zugebaut. Mayr mahnt da auch vor dem Hintergrund demografischer Entwicklungen zur Besonnenheit. So müsse nicht wegen des Studentenansturms jede grüne Wiese bebaut werden. Irgendwann sei die Welle abgeebbt, und die Grünfläche bleibe dennoch versiegelt.

Auch für den Straßenbau wird Grünland geopfert, was den Naturschützern sauer aufstößt. Die Mobilitätsbedürfnisse der Pendler sieht Mayr auch vor dem Hintergrund, dass „Leben und Arbeit immer weiter auseinandergehen“. Hier müsse ein Umdenken stattfinden. Nicht einverstanden ist der Nabu mit den Plänen für einen Ausbau der Bundesstraße 258 zwecks besserer Anbindung der Nordeifel. Eine Verbreiterung der Monschauer Straße „ist für uns indiskutabel“, betont Mayr.

Nicht zuletzt für das Klima sollte die Stadt nach seiner Ansicht mehr tun. „Wir müssen den Ausstoß von Treibhausgasen senken und wegkommen von der Braunkohle“, sagt Mayr. Er fordert einen Ausbau der erneuerbaren Energien wie etwa Solaranlagen und Windkraft. „Wir sehen nicht, dass daran gearbeitet wird.“ Dabei hat gerade der Nabu die Stadt jüngst beim Windpark Münsterwald ausgebremst (vgl. Box), was für Mayr jedoch kein Widerspruch ist. Er hält für Windräder Standorte in Vetschau, auf Avantis oder auch im Norden der Städteregion für geeigneter.

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