Warum viele Studis in der Stadtbibliothek pauken

Von: Laura Beemelmanns
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Die Arbeitsplätze in der Stadtbibliothek an der Couvenstraße kommen immer besser an. Viele Schüler und Studenten lernen dort. Foto: Harald Krömer
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Manfred Sawallich (l.) leitet die Stadtbibliothek seit zehn Jahren. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Als „dritten Ort“ bezeichnet Manfred Sawallich die Stadtbibliothek an der Couvenstraße. Dritter Ort, weil er neben dem eigenen Zuhause und dem Arbeitsplatz für viele ein weiterer Ort wäre, an dem man sich kommerzfrei aufhalten könne. „Hier muss man kein Getränk bestellen“, sagt er.

Sawallich ist Leiter der Stadtbibliothek – und das schon seit zehn Jahren. So manchen Trend hat er daher miterlebt, so manchem Trend musste er sich selbst erst einmal annähern. Und schon wieder gibt es einen neuen: die rege Nutzung der 277 Arbeitsplätze.

Ob Gruppen oder Einzelbesucher, die Plätze sind in der Regel belegt – und das größtenteils von Schülern und Studenten. „Unsere Leser sind überwiegend junge Menschen“, sagt Sawallich. Doch das sei nicht immer so gewesen. Früher seien vermehrt gelehrte Menschen in die Bibliothek gekommen, sogenannte Bildungsbürger, die sich, der Name sagt es schon, weiterbilden wollten. Inzwischen kommt gemischtes Publikum.

Schwerpunkt Sachliteratur

Die Erklärungen dafür, warum gerade junge Menschen die Bibliothek aufsuchen, sind weitreichend. „Sie haben hier einen direkten Zugriff auf analoge Buchmedien und wissenschaftliche Datenbanken“, so Sawallich weiter. Diese Datenbanken würde man so einfach nicht im Internet finden, die Bibliothek hat sie gekauft und stellt sie ihren Kunden zur Verfügung. Und die können sich dann nach Herzenslust der Wissenschaft bedienen.

Der Schwerpunkt der Aachener Stadtbibliothek sei nie die Belletristik gewesen, sondern Sachliteratur. Es ließen sich viele Medien finden, die der Weiterbildung dienten, viele für Schüler. Hochschulliteratur finde man zwar nicht sehr viel, dafür aber Studenten. Und die können sich die passende Literatur ja auch ausleihen, beispielsweise per Fernleihe. Das sei vor einigen Jahren noch ein riesiger Raum gewesen. „Jetzt ist es nur noch ein Schreibtisch“, sagt Sawallich.

Möglicherweise freuen sich die Studenten aber einfach über einen ruhigen Arbeitsplatz und besuchen daher lieber die Bibliothek an der Couvenstraße als die überlaufene in der Uni.

Fünf Stunden pro Woche kostenlos

Eine weitere Erklärung für diesen Trend sei die WLAN-Einführung im Jahr 2014 gewesen und die attraktivere Gestaltung des Eingangsbereiches. Bereits in den 90er Jahren hätte man dann noch die Angebote stärker auf die Jugend ausgerichtet und in den vergangenen drei Jahren auf den Online-Bereich. „Wir haben sämtliche elektrische Ressourcen ausgebaut“, so Sawallich. Auch die Onleihe würde immer weiter ausgebaut. Außerdem könne man die Arbeitsplätze täglich eine Stunde lang kostenfrei nutzen – und sogar vorab reservieren.

Jede weitere Stunde schlägt mit 1,50 Euro zu Buche, doch fünf Stunden pro Woche hätte man bei täglicher Nutzung ja frei. „Wenn wir öffnen, stehen häufiger viele Besucher vor der Tür, die dann gleich zu den Plätzen stürmen“, sagt Wilma Franzen, Sprecherin der Stadtbibliothek. Und auch die zwei Musizierzimmer würden häufig in Anspruch genommen. „Studenten sind sehr dankbar, wenn sie hier eine Heimat zum Lernen und Musizieren finden“, sagt Franzen.

Schließlich habe nicht jeder ein Klavier oder einen Flügel in seiner Studentenwohnung und auch nicht überall könne man ungestört proben. Da sei so ein ruhiges Plätzen in der Bibliothek schon weitaus attraktiver. „Die Hälfte unserer Leser ist unter 25 Jahre alt“, sagt Sawallich. Insgesamt gebe es rund 34.000 angemeldete Leser. Täglich kämen im Schnitt etwa 1000 und zwischen 300.000 und 320.000 pro Jahr.

Dass so viele jüngere Menschen kommen, schließt Sawallich auch auf das Angebot für Kinder zurück. 50 Prozent aller Veranstaltungen seien für Kinder, darunter die Leseförderung und Mitmachaktionen. Es gebe viele Führungen und auch Grundschüler nutzen diese häufig. „Wir wollen schon Kinder in Kitas erreichen und dann begleiten“, sagt Sawallich. Denn die kämen irgendwann wieder.

„Es gibt eine Phase im Leben, da kommen die meisten nicht. Sie sind als Kinder hier und kommen dann erst wieder als junge Erwachsene oder wenn sie eigene Kinder haben“, so Sawallich weiter. Der Leiter beschreibt das als die „drei Wellen, in denen die Besucher kommen“. Und in diesen Lebensphasen sei es auch von Bedeutung, dass man in der Bibliothek keinen Kaffee oder Tee kaufen müsse, um die Sitzplätze zu belegen. „Man kann sich hier treffen, ohne etwas verzehren zu müssen“, so Franzen.

Im Sommer bietet sich auch gerade für junge Eltern der Lesegarten an, aber auch der Pavillon sei beliebt. Wer ein Buch ausleiht oder andere Angebote nutzt, der braucht dann zwar einen Benutzerausweis, doch der ist für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre kostenfrei und kostet für alle anderen 2,50 Euro. Er ist zwei Jahre gültig. Und günstiger als ein Kaffee.

Sawallich könnte sicher noch weitere Gründe aufzählen, warum immer mehr Schüler und Studenten die Bibliothek zum Lernen aufsuchen. Die Akzeptanz – unabhängig des Grundes – zeigt sich aber insbesondere in den Besucherzahlen, den Ausleihen und der Aufenthaltsdauer. Diese liegt laut einer Google-Auswertung, die Sawallich durchgeführt hat, bei durchschnittlich 90 Minuten. „Das ist schon ganz schön viel“, so der Leiter der Bibliothek, der durchaus zufrieden ist mit seinem „dritten Ort“.

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