Warnschüsse oder wollte Y. seinen Gegner töten?

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Für die Staatsanwaltschaft waren die Schüsse im Kaufhaus Lust for Life keine ungezielte Rumballerei nach Wildwest-Manier. Im Gegenteil.

Staatsanwältin Claudia Schetter wertete sie am Freitag vor dem Schwurgericht als einen Tötungsversuch des Angeklagten Metin Y. (41), der seinen Widersacher, einen etwa gleichaltrigen Albaner aus dem Aachener Milieu, habe ausschalten wollen. Sie forderte fünf Jahre Haft. Dem widersprach Verteidiger Norbert Hack am freitag vehement.

In den Zeugenaussagen habe sich kein Hinweis darauf gefunden, dass Mandant Y. nicht nur bewusst in die Luft geschossen habe und dann „absichtlich in die Kofferecke” des Kaufhauses zielte. Sowohl Staatsanwaltschaft wie die Verteidigung des 41-Jährigen, der ein privates Spielcasino betrieb und sich mit diversen dunklen Typen aus der sogenannten Schutzgeldszene angelegt hatte, gehen von einem Konflikt zwischen dem Täter und dem Opfer aus.

Der hatte im Zeugenstand angegeben, Metin Y. „sei gar kein so schlechter Kerl”, er habe sich nur mit den falschen Leuten angelegt. Y. hatte am 2. Dezember 2010 im Restaurant des Kaufhauses gesessen, am Tisch das Opfer und ein älterer Mann. Dort habe man ihn erpressen wollen, schon vorher hatte er über einen Freund Zahlungen an einen Serben geleistet, der Geld von ihm einforderte. Weil er aber nicht zahlen wollte, sei er jetzt in dem Restaurant bedroht worden. Da habe er quasi aus Abschreckungsgründen die Pistole gezogen und geschossen. Wie viele Schüsse es im Einzelnen waren, darüber gab es unterschiedliche Zeugenaussagen.

Letztlich ging die Staatsanwaltschaft von zwei Schüssen aus, von Dreien hatte am Freitag noch ein Tatzeuge berichtet, der direkt neben dem Geschehen saß und auch die Zahl vier wurde genannt. Die Schießerei, bei der draußen auf der Straße zusätzlich ein Detektiv von Y. mit der gezogenen Waffe bedroht wurde, habe zudem die Öffentlichkeit gefährdet, argumentierte die Staatsanwältin. Der Täter habe unter Kokaineinfluss gehandelt, hieß es. Das Urteil fällt an diesem Montag um 9 Uhr.
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