Aachen - Wald soll bunter, dichter und wilder werden

Wald soll bunter, dichter und wilder werden

Von: Margot Gasper
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Hell und luftig präsentiert sich der Siegeler Wald an einem freundlichen Frühlingstag: Eine möglichst große Vielfalt an Pflanzen und Bäumen soll den Forst gesund halten. Foto: Harald Krömer
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Pause mit Weimaraner „Luke“: Dieser Stamm entspricht der Menge an Holz, die im Gemeindewald in einer Stunde nachwächst, erklärt Krämer. Foto: Harald Krömer

Aachen. Bunter, dichter und wilder: Auf diese griffige Formel könnte man die Zielvorgabe für den Aachener Gemeindewald bringen. Damit wollen Dr. Gerd Krämer, Leiter des Gemeindeforstamts Aachen, und sein Team den Öcher Bösch so fit machen, dass er Umweltverschmutzung und Klimawandel möglichst standhält.

Was für den Laien im Wald häufig unsortiert und zufällig aussieht, ist in Wirklichkeit genau geplant. Und es ist eine Aufgabe, die einen langen Atem braucht: „Es dauert 150 bis 200 Jahre, einen Wald umzustellen“, sagt Krämer. Und es ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Ein Schädling, ein Sturm oder eine Trockenperiode können die schönste Planung ruckzuck über den Haufen werfen. Und wer kann heute schon sagen, wie sich die Erderwärmung in Aachen auswirken wird?

Die Eiche ist weiterhin das Sorgenkind in den deutschen Wäldern. So steht es auch in der aktuellen Waldzustandserhebung. Für diesen Bericht sind auch Bäume in Aachen kritisch beguckt worden. „Aber das Stichprobenraster ist sehr grob“, sagt Krämer, regionale Aussagen ließen sich daraus nicht konkret ableiten. Trotzdem: Auch in den Wäldern rund um Aachen geht es der Eiche nicht so gut. „Die Eiche sieht seit Jahren nicht besonders gut aus“, berichtet Krämer. Gleich zwei Schmetterlingsarten setzen den Beständen massiv zu: der Eichenwickler und der Frostspanner. „Im Sommer sehen die Blätter dann total löchrig aus.“

Theoretisch könnte man Insektizide einsetzen, sagt der Forstwissenschaftler. „Aber wir spritzen in Aachen nicht.“ Stattdessen werden die „Gegenspieler“ gefördert: Fledermaus- und Vogelarten, die solche Insekten gerne verspeisen. „Für diese Tiere müssen wir Lebensräume bereitstellen“, erläutert Krämer. „Wir lassen zum Beispiel Totholz oder Reisighaufen im Wald zurück, als Lebensraum für Spechte oder Fledermäuse.“ Für den Laien sehe das dann manchmal aus, als habe der Förster seinen Wald nicht im Griff, weiß Krämer. „Aber das ist nicht so. Wir schleppen ganz bewusst nicht jeden Knüppel aus dem Wald.“

Neben der Eiche kränkeln im Aachener Gemeindewald leider auch Eschen und Erlen. Beide Baumarten sind von Pilzen befallen. Die vielen kleinen Eschen, die das Forstamt vor drei Jahren in einer großen Aktion zusammen mit den Pfadfindern unweit der Monschauer Straße gepflanzt hat, haben massiv gelitten. So etwas durchkreuzt auch die schönsten Forstwirtschaftspläne. „Ich wollte eigentlich vor allem an Bachläufen mit Eschen arbeiten“, sagt Krämer. „Das lassen wir jetzt zunächst mal.“

„Was die Natur uns schenkt“

Neuer Wald entsteht in Aachen ohnehin vor allem durch Naturverjüngung. „Wir arbeiten nach Möglichkeit mit dem, was die Bäume an Samen abwerfen“, sagt Krämer. „Was die Natur uns schenkt, ist in der Regel mehr als üppig.“ Die Naturverjüngung sei erstens kostengünstig, sie biete ein breites genetisches Spektrum, „und der Baum kann sich den Platz selbst aussuchen, an dem er wachsen will.“

Durchsetzen werden sich dann Pflänzchen an den für sie idealen Standorten. „Mit Naturverjüngung kriegt man die Vielfalt besser hin.“ Wer sich in diesen Tagen den Waldboden genau anschaut, kann überall die winzigen Keimlinge erkennen. Der Förster hält sich aus der Sache erst mal raus. „Spätestens nach 15 bis 20 Jahren muss man den Bestand dann aber mal ausdünnen.“

Wie das mit dem Ausdünnen zu verstehen ist, kann man derzeit sehr schön im Siegeler Wald unweit der Kreuzung Siegel sehen. Damit die prächtigen alten Eichen dort sich besser entfalten können, brauchen sie Luft und Licht. Deshalb ist jetzt im Frühjahr rundherum so einiges niedergelegt worden.

Granatsplitter aus dem Zweiten Weltkrieg sind übrigens immer noch ein Problem bei der Holzverwertung. Ein dicker Buchenstamm wartet im Siegeler Wald auf den Abtransport. Der Baum ist bestimmt 140 Jahre alt. „Dieses Holz kann man leider nur als Brennholz verwerten“, sagt Krämer, „der Stamm ist voller Splitter“.

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