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Wahlkampf: Martin Schulz auf dem Katschhof

Von: Lee Beck
Letzte Aktualisierung:
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Letzter Wahlkampfauftritt: Martin Schulz auf dem Aachener Katschhof. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Mischlingshund Max trägt ein blaues T-Shirt und blickt schwanzwedelnd und hechelnd zum Podium auf dem Aachener Katschhof. Denn dort betritt der Mann, dessen Gesicht auf Max’ Rücken zu sehen ist, bei hochemotionaler Musik die Bühne: Letzter Wahlkampfauftritt für Martin Schulz.

Flankiert wird der Präsident des EU-Parlaments von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, dem niederländischen Außenminister Frans Timmermans, dem Außenminister Luxemburgs, Jean Asselborn, den SPD-Landtagsabgeordneten Daniela Jansen und Karl Schultheis sowie von OB-Kandidat Björn Jansen und Städteregionsrat-Kandidatin Christiane Karl.

Lediglich der SPD-Bundesparteivorsitzende Sigmar Gabriel hatte sich für diesen finalen SPD- Wahlkampfauftritt vor der Europawahl krank gemeldet.

Schulz kandidiert für die europäischen Sozialdemokraten für das Amt des Präsidenten der EU-Kommission. Er ist nach Aachen gekommen, um die Menschen dazu zu bewegen, am Sonntag, 25. Mai, an die Urnen zu treten und über die Komposition des Europaparlaments abzustimmen. Mehr als 400 Millionen Wähler haben dann die Chance auf den politischen Kurs der  Europäischen Union Einfluss zu nehmen. 

Über 200 Veranstaltungen in ganz Europa hat der gebürtige Würselener auf seiner Wahlkampftour besucht – auch auf dem Katschhof wurde er mit vielen roten SPD-Fahnen in einem großen Zelt von zahlreichen Menschen empfangen.  Als der Sozialdemokrat am Samstagnachmittag vor das Panorama der großen blauen Weltkugel ans Mikrofon tritt, sind die Menschen begeistert.

Bei seiner Rede spricht Schulz über die Jugendarbeitslosigkeit und sagt, dass die Wirtschaftskrise für ihn erst vorbei sei, wenn die Chancen auf dem Arbeitsmarkt für alle verbessert seien. Nicht erst, wenn die Banken wieder portugiesische Staatsanleihen kaufen. Der Student Konstantin Mertens gibt dem SPDler recht und findet seinen Auftritt gut. „Er hat in meinem Sinne gesprochen. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit macht mir Angst“, sagt der 22-Jährige. Er hofft, dass die SPD am Wahlsonntag ein gutes Ergebnis einfährt. 

Angesichts der NSA-Skandale unterstützt Schulz eine EU-Datenschutzrichtlinie. Die wirtschaftliche Macht der Union will der Präsident des EU-Parlaments dazu nutzen, bei zukünftigen Freihandelsabkommen, etwa mit China, die sozialen und ökologischen Standards in den Ländern zu erhöhen. „Wer auf unseren Markt will, muss unsere Standards respektieren!“, sagte er bei seiner 30-minütigen Rede. Den Gegnern des US-Europäischen Freihandelsabkommen (TTIP-No!), die zahlreich auf den Katschhof gekommen waren, versicherte er, dass sich durch das Abkommen mit den Amerikanern keine Herabsetzung der europäischen Standards entstehe. 

An der Seite der zwei „Schlachtrösser der EU-Diplomatie“, Timmermans und Asselborn, sprach Schulz sich für eine diplomatische Lösung der Ukraine-Krise aus und lobte die Arbeit des Außenministers Frank-Walter Steinmeier. Laut Asselborn gibt es in der Ukraine drei Aufgaben für die internationalen Politiker und die EU. „Es darf kein Bürgerkrieg ausbrechen, keine militärische Konfrontation mit Russland geben und die Würde und Souveränität  der Menschen in der Ukraine muss respektiert werden“, sagte er Luxemburger. 

Als Hannelore Kraft das Wort ergreift, ist es still vor dem Aachener Dom. Für sie ist Martin Schulz „der beste Europäer.“ Die NRW-Ministerpräsidentin fordert die Menschen dazu auf, den europakritischen und rechtsorientierten Parteien, „dem braunen Mopp“, am Wahlsonntag keine Chance zu geben. Tosender Applaus und Jubelschreie folgen. 

Auch Martin Schulz machte sich über die präsenten Anhänger der europakritischen AfD lustig, die ihn mit einem Transparent aufforderten „Heim zu gehen“.  „An die Alternative für ich weiß was nicht?“, fragte er - die Menschen lachten. Seine energische Stimme übertönte die Buhrufe der Europakritiker bei weitem. Für den Sozialdemokraten gibt es keine Alternative zu Europa. Europa, sagt Schulz, sei die einzige Möglichkeit den Frieden auch in Zukunft zu erhalten. Bei dem folgenden Applaus und Gejubel fiept auch Mischlingshund Max aufgeregt und präsentiert stolz sein rotes SPD-Halstuch.

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