Aachen - Wahl-Aachenerin drückt Brasilien die Daumen

Wahl-Aachenerin drückt Brasilien die Daumen

Von: Holger Richter
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Aachen. Wenn Donnerstagabend in Sao Paulo die Fußball-Weltmeisterschaft angepfiffen wird, dann wird auch Patricia Pereira ganz fest die Daumen drücken – für Brasilien natürlich. Schließlich ist die 35-Jährige Brasilianerin, und Wahl-Aachenerin.

„Ich freue mich tierisch auf die WM“, sagt die fußball- und sportbegeisterte Elektrotechnik-Ingenieurin, die ihr Studium einst von ihrem Geburtsort Brasilia nach Aachen geführt hat. Im Jahr 2000 war das für zwei Ausstauschsemster. 2006 kehrte sie für ihre Masterarbeit nach Deutschland zurück, und seit 2009 lebt sie wieder in Aachen.

Kein Wunder also, dass zwei „Fußball-Herzen“ in ihrer Brust schlagen, ein brasilianisches und ein deutsches. „Ich hoffe, dass beide Teams ins Finale kommen“, sagt sie, „aber dann schlägt mein Herz nur für Brasilien.“

Schließlich ist der Kontakt in ihr Heimatland nie abgebrochen. „Meine ganze Familie lebt noch dort. Ich fliege zwei Mal pro Jahr dahin, um meine Familie zu sehen, Freunde zu treffen und das Land zu genießen.“ Schon in der kommenden Woche fliegt sie wieder nach Südamerika und bleibt dort bis zum Ende der Weltmeisterschaft. Sie wird sogar zwei Spiele live im Stadion ihrer heimatstadt Brasilia sehen. „Ich habe Karten für das Spiel Portugal gegen Ghana und für das Spiel um Platz 3“, berichtet sie stolz.

Stolz ist Patricia Pereira übrigens auch auf ihre Landsleute, die derzeit demonstrieren, um auf die Missstände in Brasilien hinzuweisen. „Ich finde es sehr gut, dass die Menschen in Brasilien endlich aufgewacht sind“, erzählt sie. „Früher haben wir Brasilianer gerne alles einfach akzeptiert, aber jetzt haben die Leute endlich gemerkt, dass wir Veränderungen brauchen.“

Schlechte Planung und Korruption

Dabei sind es nicht so sehr die hohen Kosten für die Weltmeisterschaft, die sie selbst kritisiert. „Brasilien investiert jedes Jahr mehr Geld in Bildung und Infrastruktur als jetzt für die Fußball-WM“, sagt sie. Das eigentliche Problem sei eine schlechte Planung und Korruption. Beides mache vieles kaputt. „Die Menschen nutzen die WM, um darauf aufmerksam zu machen. Aber ich finde, die Demonstranten sollten nicht gegen die WM sein, sondern bei den Wahlen im kommenden Oktober andere, bessere Politiker wählen“, wünscht sich die 35-Jährige.

Zwar könne es gut sein, dass einige der WM-Stadien nach dem Turnier nicht mehr gebraucht werden, befürchtet Patricia Pereira. Aber die hofft, dass die Menschen in Brasilien von der Fußball-WM profitieren können: einmal durch Veränderungen bei den anstehenden Wahlen und auch mit Blick auf die Olympischen Spiele, die 2016 in Rio de Janeiro stattfinden werden.

Deshalb wünscht sie sich auch, dass die Demonstrationen während der WM, wenn einmal der Ball läuft, nicht aufhören. „Das würde vielleicht unsere Politiker freuen“, sagt sie mit einem Schmunzeln. „Aber ich hoffe, dass sie weitermachen, um wirklich Veränderungen anzustoßen – aber natürlich, ohne den Ablauf der Spiele zu stören. Und ohne Gewalt!“

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