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Vortrag macht Freunden des Bunkers Hoffnung

Von: Werner Czempas
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Großes Interesse: Dietmar Kottmann erinnert im Laurensberger Vereinsheim an die „Schlacht von Aachen“ vor 69 Jahren. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Kann in letzter Minute doch noch verhindert werden, dass der Lousberg-Bunker abgerissen wird? Kann er entgegen bisherigen Entscheidungen doch noch zum Denkmal erklärt werden? Für alle, die sich seit Monaten dafür einsetzen, dass der Bunker zwischen Rütscher Straße und Försterstraße erhalten bleibt, kommt Hoffnung auf.

„Der Bunker ist ein Denkmal. Er muss in die Denkmalliste. Die Weigerung, ihn in die Liste aufzunehmen, ist rechtswidrig.“ Diese Auffassung jedenfalls vertritt Dietmar Kottmann, pensionierter früherer Rechtsdirektor der Stadt Aachen. In seiner damaligen Tätigkeit war er auch zuständig für das Denkmalrecht. Als Vorsitzender der Laurensberger Heimatfreunde hielt Kottmann genau am Tag der Kapitulation Aachens vor 69 Jahren einen Vortrag: „Die Schlacht um Aachen (12.09. - 21.10. 1944)“.

Der Lousberg-Bunker steht nach einem Entscheid aus dem Jahr 2007 nicht unter Denkmalschutz. Er wurde vor Monaten vom Eigentümer Bund an den Aachener Investor Norbert Hermanns verkauft. Hermanns will den scheußlichen Betonklotz abreißen und dort elegante Stadtwohnungen bauen lassen. Die Stadt hat nach dem Ja des Planungsausschusses den Abriss genehmigt (die „Nachrichten“ berichteten).

Am Lousberg-Bunker kapitulierte am 21. Oktober 1944 Oberst Wilck, der letzte Kampfkommandant Aachens. Wie groß das Interesse am damaligen Geschehen und am weiteren Schicksal des Bunkers ist, zeigte der Publikumsandrang zum Vortrag. Mehr als 100 Bürger drängten in das für diesen unerwarteten Ansturm viel zu kleine Vereinsheim der St.Laurentius-Schützen in der Laurensberger Rathausstraße. Kottmann versprach, sein Referat andernorts zu wiederholen.

Der Vortrag geriet zur brillanten Geschichtsstunde. Um die „Schlacht um Aachen“ historisch einordnen zu können, holte Dietmar Kottmann aus bis zur Invasion der Alliierten am 2. Juni 1944 in der Normandie. Unterlegt mit zumeist amerikanischen Dokumenten, Filmen und Zeitungen skizzierte er die strategische Planung der schnell auf das Deutsche Reich vorrückenden Alliierten.

Zwar standen die Spitzen der amerikanischen Verbände schon in der Nacht vom 12. auf den 13. September im Aachener Stadtwald, doch konzentrierten sich die Alliierten zunächst auf die Operation „Market Garden“. Mit der wollten sie weit nördlich von Aachen die Brücken über die großen Flüsse und Kanäle in Besitz nehmen und so einen freien Weg durch die norddeutsche Tiefebene Richtung Berlin bekommen. Erst nach dem schweren Fehlschlag im Kampf um Arnheim wandten sich die Alliierten wieder Aachen zu.

Die Stadt wurde Kriegsziel. Ab dem 1. Oktober spitzten sich die Kämpfe zu. Nach besonders schweren Gefechten im Raum Bardenberg und Würselen schloss sich der Ring um Aachen. Während des Kottmann-Vortrags wurde ein angesengtes Exemplar jenes Flugblatts hochgehalten, das die Amerikaner damals mit über der Stadt zerplatzenden Granaten zigtausendfach auf Aachen regnen ließen: „Aachen ist eingeschlossen, von amerikanischen Truppen umzingelt. Aachener! Es gibt nur eine Wahl: Sofortige ehrenvolle Uebergabe oder völlige Zerstörung.“

Doch Adolf Hitler hatte befohlen, Aachen „bis zum letzten Mann, bis zur letzten Patrone“ zu halten. Das Ultimatum der Alliierten vom 10. Oktober verstrich und „Aachen wurde in den letzten Tagen total umgepflügt“ (Kottmann). 360 Bomber warfen in tagelangen Wellen ihre tödliche Fracht, stündlich krachten 5000 Salven in die Stadt. Das Ende kam am Lousberg-Bunker: Am 21. Oktober, 12.05 Uhr, war die „Schlacht um Aachen“ geschlagen, als Oberst Wilck dort die Kapitulation unterschrieb.

„Aachen war militärisch bedeutungslos“, resümierte Dietmar Kottmann, „hatte aber für die Alliierten hohe symbolische Bedeutung. Der Fall Aachens war ein wichtiger psychologischer Vorteil, der der ganzen Welt zeigen sollte: Seht her, wir zwingen den Feind zur Aufgabe der ersten Großstadt auf deutschem Boden.“

Im internationalen „Zeitungskrieg“ sei Aachen deshalb viel wichtiger gewesen als das militärische Geschehen. Kottmann zeigte das legendäre Foto, auf dem sich ein massiger Sherman-Panzer den Weg durch den schmalen Fußgängertunnel Bahnhof Rothe Erde bricht und mit dem die alliierte Presse weltweit vom zerbrochenen „Tor des Dritten Reichs“ triumphierte. Eine französische Zeitschrift nannte Aachen das „Stalingrad im Westen“.

Starker Applaus

Der starke Applaus bewies, dass Dietmar Kottmanns Plädoyer für den Erhalt des Bunkers als historisches Denkmal bestens angekommen war. „Solange der Bunker steht, kann er noch in die Denkmalliste aufgenommen werden“, drängte Kottmann zu entschlossenem Tun. Er verwies auf eine Petition an den nordrhein-westfälischen Landtag über das Internet.

Mehr als 1300 Personen haben sich schon unter www.change.org/de eingetragen. Auch die Bürgerinitiative Lousberg-Bunker hat beantragt, den Bunker unter Denkmalschutz zu stellen. Das Bürgerforum wird sich mit dem Antrag in der Sitzung am 12. November beschäftigen.

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