Aachen - Vorsicht: Dubiose Firma will nur Geld abzocken

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Vorsicht: Dubiose Firma will nur Geld abzocken

Von: Robert Baumann
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Aachen. Als das Schreiben in ihren Briefkasten flatterte, glaubte Ingrid Assmann zunächst an eine Mitteilung der Polizei oder der Stadt.

„Der Brief machte einen sehr offiziellen und seriösen Eindruck und ich dachte, ich bin vielleicht zu schnell gefahren”, sagt die gelernte Logopädin, die seit 30 Jahren eine Praxis in der Innenstadt betreibt. Beim Öffnen des Briefes stutze sie noch mal. Eine Firma mit Sitz in Düsseldorf, die sich als „Gewerbeauskunft-Zentrale” ausgab, bot ihr einen Internet-Brancheneintrag für ihre Praxis an. „Zur erfolgreichen Empfehlung ihres Unternehmens an die Gewerbetreibenden und die Verbraucher”, hieß es in dem Schreiben.

Dazu sollte Ingrid Assmann lediglich Angaben auf einem Formular, bei dem die betriebsbezogenen Daten des Empfängers, wie Name, Adresse und Telefonnummer bereits voreingetragen waren, ergänzen und per Fax innerhalb weniger Tage an die Firma zurücksenden. „Ich war kurz davor es abzuschicken, damit ich es aus dem Kopf habe. Aber ich bin ein sehr vorsichtiger Mensch und habe mir erstmal in Ruhe das Kleingedruckte durchgelesen. Und da wurde mir klar, dass man nur an mein Geld wollte”, sagt Assmann.

Denn das Kleingedruckte hat es in sich. Mit der Unterzeichnung und Rücksendung des Formulars kommt ein kostenpflichtiger Vertrag mit einer Laufzeit von zwei Jahren zustande und eine saftige Rechnung droht. Der Unternehmer muss für die angebotene Leistung monatlich 39,85 Euro, zuzüglich Umsatzsteuer, entrichten. Die Vergütung für das erste Jahr in Höhe von insgesamt 478, 20 Euro wird im Voraus, sprich sofort fällig. „Diese Schreiben sind absoluter Betrug und jagen einem einen großen Schrecken ein”, ärgert sich die Logopädin. Und wer nicht rechtzeitig kündigt, muss über die Mindestvertragslaufzeit hinaus seine Rechnungen begleichen.

Ingrid Assmann ist bei Weitem kein Einzelfall. Immer wieder versuchen dubiose Firmen auf diese Weise an das Geld anderer Leute zu kommen und nutzen dabei die gesetzlichen Grauzonen aus. „Personen, die solche Schreiben erhalten, sollten immer Strafanzeige wegen Betrugsverdacht stellen. Erst dann kann die Polizei die Ermittlungen aufnehmen”, rät Sandra Schmitz, Pressesprecherin der Polizei Aachen.

Gegen die angebliche „Gewerbeauskunft-Zentrale” liegen der zuständigen Staatsanwaltschaft Düsseldorf hunderte von Anzeigen aus dem gesamten Bundesgebiet vor. Das daraufhin eingeleitete Strafverfahren gegen den Geschäftsführer musste aber eingestellt werden. „Das Schreiben stellt keinen Täuschungsversuch dar. Es birgt zwar ein großes Irrtumspotenzial, erfüllt aber nicht den Tatbestand des Betruges”, sagt Ralf Herrenbrück, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Düsseldorf. Eine Straftat im Sinne des Strafrechts liegt demnach nicht vor. Betroffene können aber weiterhin zivilrechtliche Schritte einleiten und versuchen, ihr Geld auf diesem Wege zurückzuklagen.

Nachdem Ingrid Assmann nicht auf das erste Schreiben reagierte, bekam sie innerhalb von nur einem Monat zwei weitere Male Post von der „Gewerbeauskunft-Zentrale” mit der Betonung, dass ihr das Schreiben bereits zugesandt wurde. „Es wurde unterschwellig versucht Druck aufzubauen. Das hat mich dann schon sehr wütend gemacht”, sagt sie. Doch die Logopädin ignorierte auch diese beiden Schreiben und hat seitdem nichts mehr von dieser Firma gehört.

Von Brancheneinträgen bei angeblichen Gewerberegistern oder Branchenverzeichnissen rät die Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen generell ab. „Nur die offiziellen Handelsregistereintragungen der Amtsgerichte sind maßgeblich. Andere, so genannte Offerten, entpuppen sich allzu rasch bei näherem Hinsehen als reine Geldverschwendung”, sagt IHK-Geschäftsführer Fritz Rötting.
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