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Vorschlag: Eine Kita auf dem Bunkerdach

Von: Heiner Hautermans
Letzte Aktualisierung:
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Mit roten Ballons demonstrierte die Bürgerinitiative, auf welche Höhe sich die Neubebauung an Stelle des Bunkers erstrecken würde.
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Diplom-Designer und Architekt Johannes Tücks hat in Abstimmung mit der Bürgerinitiative Lousberg-Bunker einen interessanten Vorschlag zu Erhalt und Umnutzung des Kolosses an der Rütscher Straße erarbeitet.

Aachen. Der Planungsstand ist unverändert, die Abrissgenehmigung schon erteilt. Dennoch gibt die Bürgerinitiative Lousberg-Bunker nicht auf. Sie hat nicht nur selbst mehr als 500 Unterschriften für den Erhalt des zeithistorisch wichtigen Gebäudes gesammelt, sondern bekommt jetzt auch internationale Unterstützung.

Auch Inge und Dieter Wernet aus St. Vith, die sich seit annähernd zwei Jahrzehnten der Erforschung historischer militärischer Anlagen verschrieben haben, und Patrice Wijnands aus Karlsruhe setzen sich mit einer Petition im Internet für den Erhalt des letzten Gefechtsstandes des Aachener Kampfkommandanten ein.

Von dort aus hatte Oberst Gerhard Wilck am 21. Oktober 1944 die Kapitulation der ersten Großstadt Deutschlands eingeleitet, was nicht nur im Nazi-Reich, sondern auch in der internationalen Presse große Beachtung fand. Schließlich hatten gerade wegen des symbolischen Wertes sowohl die Alliierten als auch das deutsche Heer die Schlacht um Aachen äußerst erbittert geführt. Hitler hatte ausdrücklich den Befehl gegeben, jeden Fußbreit Boden zu verteidigen.

„Ein bis dahin unerhörter Vorgang, aber er leitet das Ende des Zweiten Weltkriegs ein“, heißt es in einem Schreiben an Planungsdezernentin Gisela Nacken, in dem Wernet und Wijnands darum bitten, die Abrissgenehmigung noch einmal zu überdenken. Sie haben bereit mehr als 700 Unterschriften aus 17 Ländern gesammelt und meinen, dass der Bunker mit einfühlsamen architektonischen Korrekturen durchaus erhalten werden könnte.

Weiter noch geht die Bürgerinitiative, die bei der Stadt und dem Landschaftsverband Rheinland beantragt hat, den gesamten Bereich vom Park an der Rütscher Straße bis zur Bebauung an der Försterstraße zum Denkmalbereich zu erklären, inklusive des Bunkers mit seinen Einschüssen. Mitglied Johannes Tücks hat sogar eine Konzeptstudie angefertigt, die eine Nutzung des massiven Gebäudes als Museum mit Geschichtswerkstatt, Videoraum und Archiv vorschlägt. Auf dem begrünten Dach könnte nach den Plänen des Architekten und Diplom-Designers eine Kita samt Spielfläche angelegt werden. Diese Nutzung sei ohne kostenintensive Umbaumaßnahmen möglich und könne durch Vereine und Mitglieder einer Geschichtswerkstatt erfolgen, immerhin sei der Bunker der ideale Ort, sich mit der Geschichte und der Rolle Aachens im Zweiten Weltkrieg zu beschäftigen.

Tücks: „Ähnliche Konzepte unter Mitwirkung der Bürger sind in vielen anderen deutschen Städten zu finden. Es geht um die Förderung des Geschichtsbewusstseins von unten, gestaltet und erlebt an einem spannenden Ort, der selbst Teil der Geschichte war. Symbolisch wird hier die Geschichte nicht negiert, ausradiert, sondern mit Leben erfüllt und angemessen weiterverwendet.“ Die Kita auf dem Objekt könne über eine spiralförmige, spielerische Rampe von der Försterstraße zugänglich gemacht werden. Das begrünte Dach ermögliche eine weitere Spielfläche für die Kinder. Die Bürgerinitiative fürchtet überdies um die Standsicherheit ihrer Häuser, wenn der den Hang abstützende Bunker entfernt wird. Diese Frage sei von der Stadt nicht genügend untersucht worden.

Auf dem Gelände am Fuße des Lousbergs will, wie berichtet, Investor Norbert Hermanns 50 Wohnungen und eine Tiefgarage mit 60 Plätzen errichten. Die Bürgerinitiative geht davon aus, dass die geplanten neuen Gebäude die derzei tige Bunkerbebauung um eineinhalb bis zwei Geschosse überragen würde. Zwar hat die Stadt mitgeteilt, dass die dafür maßgebliche Traufhöhe nicht überschritten wird, doch die Bürger weisen darauf hin, dass die Nachbarhäuser über Satteldächer verfügen und nicht wie die Neubauten über Flachdächer, die bis unter den First als Wohnraum ausgebaut würden. Deshalb ist die Initiative davon überzeugt, dass sich die Neubebauung nicht in die Umgebung einfügen wird.

Noch kein Gespräch

Bislang hat die Stadt allerdings erst die Abrissgenehmigung erteilt, eine Baugenehmigung ist laut Axel Costard vom Presseamt noch nicht beantragt worden. Zu einem Gespräch zwischen den Bauherren und der Bürgerinitiative ist es bislang noch nicht gekommen. Die Unterschriften aus der Internet-Sammlung werden am Mittwoch Dezernentin Nacken überreicht.

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