Vorbereitungen für Bunker-Abriss laufen schon an

Von: Heiner Hautermans
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Der Bauzaun steht schon, der Abriss des Lousberg-Bunkers soll in den nächsten zwei Wochen anlaufen. Dennoch gibt die Bürgerinitiative sich noch nicht geschlagen.. Foto: Ralf Roeger
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Die Trümmerbahn führte durch das teilweise zerstörte Ponttor zur Rütscher Straße, wo Bauschutt abgeladen wurde. Foto: Sammlung Königs

Aachen. Die Bauzäune und die mobilen Toiletten stehen schon da, die Bagger und Container werden in Kürze ebenfalls anrücken: „In den nächsten 14 Tagen geht es los“, sagt Investor Norbert Hermanns.

Obwohl sich die Bürger­initiative Lousberg-Bunker weiterhin mit allen Mitteln gegen den Abriss des „Bunkers der Befreiung“ stemmt und das Thema am Dienstag in der Sitzung des Bürgerausschusses behandelt wurde (s. Infobox), scheinen nun die Tage des massiven Gebäudes gezählt.

Dennoch wird der Hochbunker, der im Oktober 1944 die letzte Zufluchtsstätte des Aachener Stadtkommandanten war, der sich hier den heranrückenden Amerikanern ergab, nicht ersatzlos verschwinden. Hermanns plant nämlich den Bau einer Erinnerungsstätte in der Grünanlage an der Rütscher Straße, inklusive eines Teils der Fassade.

Hermanns: „Uns ist wichtig, dass wir an die Geschehnisse an diesem Ort erinnern, dass sie von einem Historiker eingeordnet werden und dass dies qualitätsvoll geschieht.“ Zu diesem Zweck hat er die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen eingeschaltet.

Hermanns schwebt auch eine Medienstation wie in Burtscheid vor, wo er mit einer Großspende dazu beigetragen hat, ein Quellhaus zu errichten. Hans-Joachim Geupel, Vorsitzender der Bürgerstiftung, kann zur Ausgestaltung jedoch nicht viel sagen;: „Wir sind noch in der Planungsphase.“

Die Grünanlage sei auch deshalb die richtige Stelle, weil sich dort die Delegationen von Alliierten und Wehrmacht getroffen hätten. Hermanns: „Im Bunker ist nichts passiert.“ Er hatte den von der Stadt genehmigten Abriss in den Spätherbst gelegt, um die Staubbelästigung für die Anwohner gering zu halten. Bei der Stadt war der Abriss des Baus bis Dienstag noch nicht angezeigt. Dies muss eine Woche vor Beginn der Arbeiten geschehen.

Inzwischen melden sich auch Stimmen, die für den Abriss des Bunkers plädieren, etwa Axel Deubner, Inhaber eines Baumaschinenunternehmens. Er wohnt seit 32 Jahren in der Nizzaallee und hält das Lousbergviertel inzwischen für überaltert. Eine Frischzellenkur durch die Neubebauung täte ihm deshalb gut.

„Aufwertung des Viertels“

Positiv ist für den 68-Jährigen, dass das Geschichtsbewusstsein durch die Auseinandersetzung geweckt worden ist, weil das in Aachen ohnehin unterentwickelt sei. In Belgien verfüge jedes Dorf über ein Denkmal für die gefallenen amerikanischen Soldaten. Immerhin sind bei der Schlacht um Aachen 2000 Amerikaner ums Leben gekommen. Ihnen solle man jetzt ein richtiges Mahnmal errichten, fordert der Architekt, die alten Gedenktafeln seien viel zu klein.

Der Verharmlosung und Verherrlichung der Naziarchitektur könne er überdies nicht viel abgewinnen: „Ich finde, man sollte die Bauten aus der Zeit nicht erhalten und nicht abwarten, bis Neonazis hineingehen.“ Bunker hätten zwar viele Menschenleben gerettet, stellten jedoch für ihn jedoch hauptsächlich etwas Bedrohliches dar, optisch sei der Bunker eine Scheußlichkeit: „Ich glaube, wenn er wegkommt, wird das Viertel aufgewertet. Diese Meinung wird von vielen geteilt.“ Allerdings sollte die Architektur der Neubauten hochwertig sein und den Maßstab der Umgebung aufnehmen.

Eine besondere Beziehung zur Rütscher Straße hat Axel Deubner, weil über sie die von seinem Vater erbaute Trümmerbahn führte, mit deren Hilfe Aachen aufgeräumt wurde. Dort war eine Senke durch die ehemalige Bahntrasse, die mit Schutt aufgefüllt wurde.

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