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Vor St. Adalbert sammelt sich der Unrat

Von: Georg Dünnwald
Letzte Aktualisierung:
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Müll, Plastik, Essensreste, Kot, kaputte Flaschen und Glasscherben, alles sammelt sich vor einem Gotteshaus. „Nachrichten“-Leser Sinan Saglam ist entsetzt. Foto: Ralf Roeger
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Auf dem Adalbertsberg, direkt neben dem Haupteingang von St. Adalbert, wurde das reichlich vorhandene Unkraut angezündet.

Aachen. Sinan Saglam lebt seit 35 Jahren in der Stadt und fühlt sich ganz als Öcher. Ursprünglich stammt er aus der Türkei. Und weil Saglam ein echter Öcher mit deutschem Pass ist, zeigt er auch voller Stolz seinem elfjährigen Sohn die Stadt.

Neulich, so schrieb er der Redaktion der „Aachener Nachrichten“, waren der Papa und der Sohnemann wieder in Aachen unterwegs. „Auf zu St. Adalbert“, hieß es. Also stiegen Vater und Filius den Berg hinauf zur mehr als 1000-jährigen Stiftskirche und waren entsetzt von dem, was sie sahen. „Der Anblick, der sich mir und meinem Sohn bot, war schockierend“, sagt Saglam. Er habe seinem Sohn den Kopf weggedreht, damit der nicht alles mitbekam, was sich vor den Toren des Gotteshauses abspielte. „Da standen Leute, die sich direkt am Kircheneingang Spritzen setzten“, zeigt sich Saglam im Gespräch mit den „Nachrichten“ entsetzt. Auch hätten sie dort in aller Öffentlichkeit uriniert und Stuhlgang gehabt. „Vor einem Gotteshaus“, betont Saglam und meint, dass dies ja nun gar nicht gehe, egal, welcher Religion man angehöre.

Bestialischer Gestank

Auch der Anblick des Mülls, der vor St. Adalbert liege, sei unerträglich. Und in der Tat, vor der Kirche liegen Socken, zerfetztes Papier, Essensreste, kaputte Flaschen, Glasscherben, Kot – es stinkt bestialisch nach Urin.

Franz Josef Radler, Pastor der Mammutpfarrei Franziska von Aachen – der St. Adalbert als Kirchengemeinde zugeordnet ist – sagt: „Die Zustände kann ich nur bestätigen.“ Die Pfarrei sei aber nur zuständig fürs Kirchengebäude, der Platz davor, die Treppenaufgänge, der Weg vom Kaiserplatz auf den Adalbertsberg, seien städtisch. „Wir haben uns schon oft mit der Stadt ins Benehmen gesetzt. Wir haben mit den Beamten Begehungen unternommen und alles überprüft. Die Folge war, dass das Ordnungsamt eine Zeit lang stärker kontrollierte. Also hörten die Verschmutzungen auf. Dann aber, wenn die ständigen Kontrollen wieder nachließen, hat alles von vorne begonnen. Das ist wie ein Kreislauf.“ Im vorigen Jahr habe die Stadt sogar eine Grundreinigung von Platz und Treppenaufgängen zur Stiftskirche St, Adalbert, die eine Gründung von Kaiser Otto III. ist, veranlasst.

Radler lobt Sinan Saglam: „Ich finde es gut, wenn sich Bürger melden, denen die Verhältnisse nicht gefallen.“ Immer dann, wenn Alarm geschlagen würde, reagiere die Stadt. Der Pfarrer, der auch nicht residierender Kapitular des Aachener Doms ist, ist sich im Klaren darüber, „dass es in jeder Gesellschaft Alkoholiker und Drogenkranke gibt“. Hier müsse man ansetzen. „Es war falsch, den Druckraum für Drogenabhängige vom Kaiserplatz abzuschaffen.“ Die armen Menschen bräuchten eine Anlaufstelle, in der sie auch betreut würden, eine Stelle, die als Lebensmittelschwerpunkt angesehen werde und in der die abhängigen Menschen auch versorgt würden.

„Wir sind seit Jahren an dem Thema dran“, sagt der Geistliche. „Aber rund um St. Adalbert muss sich was ändern“, ist er überzeugt. Denn wenn denn einmal das Einkaufszentrum „Aquis Plaza“, das derzeit am Kaiserplatz gebaut wird, fertig ist, will Franziska von Aachen das pastorale Angebot erhöhen.

„Deshalb muss sich rund um die Stiftskirche etwas ändern.“ Radler würde sich auch dankbar zeigen, wenn der Autoverkehr rund um St. Adalbert auch in Zukunft nicht mehr rollen würde, allenfalls dort Busse fahren dürften.

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