„Von Mäusen und Menschen“ im Grenzlandtheater

Von: Eva Onkels
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„Von Mäusen und Menschen“: Timo Hübsch und Pablo Sprungala als Wanderarbeiter in den 1930er Jahren. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Sensibel, traurig, wehmütig, sehnsüchtig und wahrhaft ergreifend“, so beschreibt Uwe Brandt, Intendant des Grenzlandtheaters, das neue Stück des Hauses: „Von Mäusen und Menschen“. John Steinbecks Novelle gehört zu den bekanntesten Erzählungen des amerikanischen Schriftstellers, der 1962 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Steinbecks Werk ist geprägt von seinen eigenen Erlebnissen als Wanderarbeiter in den Vereinigten Staaten, und diese Nähe zu seinen Figuren ist auch in „Von Mäusen und Menschen“ zu spüren. George (Pablo Sprungala) und der geistig auf dem Niveau eines Kindes verharrende, aber bärenstarke Lennie (Timo Hübsch) sind Wanderarbeiter, die ihre letzte Arbeitsstelle kürzlich verlassen mussten und nun auf der Suche nach neuer Arbeit sind. George und Lennie werden angetrieben von dem Traum, irgendwann ein eigenes Häuschen und ein bisschen Land zu besitzen. Vielleicht ein paar Hühner, eine Kuh und ganz sicher Kaninchen.

George kümmert sich um Lennie, obwohl er manchmal an der Aufgabe zu verzweifeln scheint: „Wenn ich die glorreiche Zeit sehe, die ich ohne dich hätte“, seufzt George zu Beginn des Stückes, doch weiß er auch, dass er nicht ohne Lennie und Lennie nicht ohne ihn kann. „Jeder Mensch sucht in diesem Stück jemanden, mit dem er reden kann“, erklären Uwe Brandt und Regisseur Ulrich Wiggers. „Aber die Menschen laufen aneinander vorbei, und wenn sie sich begegnen, reden sie nicht miteinander.“

Anders ist dies bei George und Lennie. Es ist nicht nur so, dass die beiden Männer miteinander – und nicht aneinander vorbei – reden, Lennie schafft es auch, andere Menschen von dem gemeinsamen Traum zu überzeugen, beispielsweise den alternden Arbeiter Candy (Urs-Werner Jaeggi), der seine Hand bei einem Arbeitsunfall verloren hat, oder Crooks (Stephen Appleton), den dunkelhäutigen Farmarbeiter, der wegen seiner Hautfarbe auf der Farm ein Außenseiter ist.

George und Lennie scheinen ihrem Traum schließlich Schritt für Schritt näher zu kommen, als es zu einer unheilvollen Begegnung zwischen Lennie und der Frau (Corinna Pohlmann) des Farmers (Jan Stapelfeldt) kommt, und der American Dream, der so oft Motiv in Steinbecks Werk war, sich in einen Alptraum verwandelt.

Nicht nur an das zehnköpfige Ensemble stellt das Stück große Ansprüche, auch die Bühne war eine Herausforderung. Leif-Erik Heine, der für das Bühnen- und Kostümbild zuständig ist, wollte ein in die 1930er Jahre passendes Ambiente entwerfen, musste aber gleichzeitig die Gegebenheiten der Bühne beachten: Sie ist relativ breit, aber nicht besonders tief.

Herausgekommen ist eine beeindruckende Kombination von verschiedenen Elementen, die ineinander zu verschmelzen scheinen. Mit verschiebbaren Toren lässt sich das Bühnenbild schnell ändern, mal ist die Baracke der Arbeiter, mal das Flussufer und mal die Hollywoodschaukel zu sehen. „Ich habe mich von Bildern aus den 30er Jahren inspirieren lassen“, erklärt er. Auch die teils sehr lumpigen Kostüme sind eine Anlehnung an die Zeit der Weltwirtschaftskrise.

Steinbecks Stück verspricht eine Auseinandersetzung zu werden mit allem, was den Menschen ausmacht. Es ist ein Stück, dass zum Anspruch des Grenzlandtheaters passt, nämlich „intensiv und ganz nah“ am Publikum zu sein.

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