Aachen - Von Geld und großen Träumen: Die „Buddenbrooks”

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Von Geld und großen Träumen: Die „Buddenbrooks”

Von: Grit Schorn
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Auf der steilen Freitreppe präsentieren sich die „Buddenbrooks”. Das Grenzlandtheater zeigt das Stück nach Thomas Mann in den Originalkostümen der beiden Kinoverfilmungen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Eine steile Freitreppe, schlicht und imposant zugleich: das ist die kühne Kulisse zu Thomas Manns Familiendrama „Buddenbrooks”, mit dem das Grenzlandtheater die neue Spielzeit eröffnet. In der komprimierten Bühnenfassung des bekannten Autors John von Düffel werden die entscheidenden Szenen der berühmten Buchvorlage zu neuem Leben erweckt - mit grandiosen Originalkostümen aus den beiden Kino-Verfilmungen.

Möglich machte dies die Berliner Institution „Theaterkunst”, die Kostüme aus fast allen Zeitaltern und Moderichtungen verleiht. Theaterchef Uwe Brandt und Regisseur Ulrich Wiggers machen die opulente Aufführung möglich, auch weil sie mit großer Überzeugungs- und Tatkraft hinter dem ambitionierten Projekt stehen. Den Schauspielern scheint es ebenso zu ergehen. Der kurze Szenenausschnitt zeigt die wichtigsten Figuren der hanseatischen Patrizierfamilie, die Thomas Manns eigener Sippe und anderen wohlhabenden „Pfeffersäcken” in Lübeck nachempfunden ist.

„Und immer geht´s ums Geld”, weiß der Regisseur, der im Oktober auch „Die Drei von der Tankstelle” ins Theater bringen will. Nicht mit Gewürzen wie Pfeffer ist die Buddenbrook-Dynastie reich geworden, sondern mit Getreide. Noch herrschen die nervenstarken „Alten”; der pflichtbewusste Konsul Johann B. wird von seiner eleganten Frau mit „Jean” angesprochen, doch die Nachkommen Thomas, Christian und die hübsche Tony suchen nach eigenen Wegen.

Das Stück zeigt Aufstieg und Fall einer Familie im 19. Jahrhundert - zerrissen zwischen kaufmännischen und gesellschaftlichen Zwängen und den Wünschen und Träumen der nächsten Generation, deren seelische „Verfeinerung” zwar einen kulturellen „Fortschritt” andeutet, der aber auch mit dem empfindsamen Hanno, dem „kleinen décadant”, zum Aussterben der Familie führt.

Zwischen Komödie und Tragödie changiert dieses Familiendrama, das Thomas Mann 1929 den Literaturnobelpreis einbrachte. Der Regisseur Wiggers sieht in den „Buddenbrooks” einen „fast brutalen Umgang des Autors mit den Figuren” und die zeitlose wie aktuelle Aussage „Das Kapital bestimmt fast alles”. Doch Manns feine Ironie ist wohl auch in der Bühnenfassung ein Genuss.

In den Hauptrollen sind zu sehen: Ingeborg Meyer und Ludwig Hollburg als Konsul-Ehepaar, Carsten Clemens als angespannter Thomas, Julian Francis Bisesi als neurotischer Christian und Janna Horstmann als liebreizend-kindhafte Tony. Martin Molitor verkörpert in einer Doppelrolle die beiden Ehemänner Tonys.

Kim Zarah Langner spielt die musische Gerda, Thomas´ extravagante Gattin, Robert Bittner ist als Unternehmer Kesselmeyer und als Morten, Tonys große Liebe, zu sehen. Für die Besetzung des kleinen Hanno hat sich das Theater eine fünffache Lösung ausgedacht: Alternierend werden fünf „Aachener Jungs” (Brandt) diese wichtige Rolle übernehmen.

Das Stück „Buddenbrooks” nach Thomas Manns Roman feiert am Donnerstag, 19. August, im Aachener Grenzlandtheater, Elisengalerie, Premiere. Beginn 20 Uhr. Die Premiere ist bereits ausverkauft, für weitere Vorstellungen gibt es noch Karten unter 0241/4746111. Das Stück wird bis einschließlich 19. September im Grenzlandtheater gespielt, danach bis 1. Oktober in Spielstätten der Region.
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