Von der Flut in den Pratsch

Von: Verena Richter
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Als die Kutschen am Nachmittag durchs Gelände preschen, hat sich der Regen bereits wieder verzogen. Dennoch zieht es in diesem Jahr mit rund 37 000 Zuschauern weniger Menschen ins Gelände als noch vor einem Jahr. 2012 – bei wesentlich besserem Wetter – waren es noch 42 000. Foto: Harald Krömer
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An den „Crossingpoints“ sorgen die THW-Helfer dafür, dass sich Pferde und Zuschauer nicht in die Quere kommen. Für den ALRV ist die Zusammenarbeit mit dem THW extrem wichtig. Foto: Harald Krömer

Aachen. Dunkle Wolken türmen sich bedrohlich über der Soers und künden von neuem Regen. In der Nacht zuvor hat es bereits ausgiebig geregnet, die Wiesen an den Geländestrecken des CHIO sind ordentlich durchnässt.

Einen wahren Liebhaber der Vielseitigkeit und des Kutschenmarathons, der ab Mittag in den Soerser Wiesen ausgetragen wird, beeindruckt das natürlich nicht, auch wenn mit 37.000 Zuschauern 5000 Menschen weniger als im Vorjahr zum Geländesamstag gekommen sind. Tapfer stapfen die Leute ab 10 Uhr zu den Hindernissen und warten auf Stars wie etwa die Vielseitigkeits-Olympiasieger Michael Jung und Sandra Auffarth.

Herzlich wenig beeindrucken kann das Aachener Wetter auch die Kameraden vom Technischen Hilfswerk (THW). Seit 6.45 Uhr sind die rund 200 Frauen und Männer in ihren blauen Uniformen vor Ort im Einsatz, aus Aachen sind es 53. Wenn die Wettkämpfe losgehen, werden die Helfer die Abschnitte sichern, an denen Zuschauer die Strecken kreuzen und – im Ernstfall – eingreifen, wenn etwas passieren sollte. Für den Ortsverband Aachen ist das gewohnte Routine. Zum 35. Mal ist das THW bei den Geländeprüfungen im Einsatz.

Den koordinieren Einsatzleiter Thomas Bültmann und sein Stellvertreter Thomas Havertz. Gerade besprechen sie mit dem ALRV den Nachschub von Sandlieferungen. Sand, der an den Kreuzungsstellen verfüllt werden soll, damit Zuschauer und Helfer nicht im Matsch steckenbleiben.

Wasser und Sand

Wasser und Sand – davon können Thomas Havertz und seine Kollegen ein ganz anderes Lied singen. Vor knapp einem Monat war er noch als Einsatzleiter mit acht weiteren Helfern des Ortsverbands Aachen im Hochwassergebiet in Ostdeutschland im Einsatz. Dort haben sie mit anderen THW-Helfern in dem Örtchen Aken an der Elbe den Deich gesichert, Pumpen installiert und Einsatzstellen ausgeleuchtet. „Der Ort war bereits evakuiert, als wir dort angekommen sind. Es war eine richtige Geisterstadt“, erinnert sich Thomas Havertz, dessen Gruppe nur wenige Tage später ein zweiter Trupp aus Aachen in das Hochwassergebiet gefolgt ist.

Die Logistikgruppe um Versorgungsführer Jeffrey Kobalz bestand aus zehn Helfern und hat in Perleburg, Kreis Wittenberg, die Versorgung übernommen, Essen und Sandsäcke transportiert – „und Mückenspray und Sonnencreme“, bemerkt Jeffrey Kobalz, der mit seinen Leuten nun alles in die Soers schafft, was die Helfer dort brauchen. Dazu gehört auch hier das Frühstück, das einen Tag zuvor vorbereitet worden ist. Mittags folgen die Lunchpakete.

Und die müssen früher als geplant in die Soers, Thomas Bültmann und Thomas Havertz organisieren gerade den Ablauf. Ansonsten ist es zum Glück ruhig, sagt der Einsatzleiter. Auch der Regen hat aufgehört, für den Boden ist das allerdings zu spät. Das Gras ist an vielen Stellen nur noch brauner Pratsch. Gut beraten sind alle, die Gummistiefel oder feste Schuhe angezogen haben.

Vielleicht flüchten sich deshalb auch viele Besucher in das Stadion, das am Vormittag das Ziel der Vielseitigkeitsreiter ist. Der Bereich, in dem die Strecke vom Gelände über den Soerser Weg ins Stadion geht, ist für das THW besonders knifflig. Hier knubbeln sich die Menschen, und die Straße ist gleichzeitig Rettungsweg. Darum stehen dort zehn Helfer, an einem einfachen Übergangspunkt sind es zwei.

Strecke ist komplexer

Als die Vielseitigkeit vorbei ist und der traditionell kostenlose Kutschenmarathon ansteht, plant auch das THW um. Die Leute werden an anderen Stellen postiert, insgesamt gibt es mehr Crossingstellen, die Strecke ist komplexer. „Der Nachmittag ist für uns schwieriger“, sagt Thomas Bültmann. Aber es sei alles gut vorbereitet und laufe planmäßig. Wobei den Helfern natürlich die Belastung der vergangenen Wochen noch in den Knochen steckt. „Man darf nicht vergessen, wir machen das ehrenamtlich, neben Beruf und Familie“, erklärt Thomas Bültmann. Und da dem THW seit dem Wegfall der Wehrpflicht Nachwuchs fehlt, ist der Stress für die Helfer noch mehr geworden.

Um den Einsatz beim CHIO bewältigen zu können, kommen die Kameraden zum Teil aus dem 230 Kilometer weit entfernten Büren in Westfalen. „Und mancher Arbeitgeber hat auch nicht gerade viel Verständnis dafür, wenn ihre Mitarbeiter plötzlich zum Einsatz müssen“, nennt Thomas Bültmann ein weiteres Problem. Doch es sei einfach toll zu wissen, dass man im Ernstfall wirklich helfen könne.

Der Ernstfall ist in der Soers zum Glück ausgeblieben. Zuschauer, Reiter und Pferde sind wohlauf, das THW kann am späten Samstagnachmittag wieder abbauen. Und dabei scheint sogar wieder die Sonne.

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