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Von der Ärzteschwemme zum Ärztemangel

Von: Markus Portenkirchner
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Aachen. „Wir haben nicht den einen Hebel, und wenn wir den umlegen, ist alles in Ordnung”, sagt Dr. Max Skorning, Vertreter des wissenschaftlichen Personals im Aufsichtsrat der Uniklinik Aachen, als Podiumsteilnehmer bei der Veranstaltung der Juso-Hochschulgruppe zum Thema „Zukunft der Gesundheitsberufe”.

Vor allem angehende Mediziner und Pfleger kamen zum Dialog mit Dr. Thomas Schmitz-Rode und Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

„Wie das solidarisch aufgebrachte Geld effektiv und effizient eingesetzt werden kann” und 100 Prozent der Bevölkerung „auf der Höhe des medizinischen Fortschritts” versorgt werden können, diese Fragen umreißen den hohen Anspruch an das Gesundheitswesen, so Schmidt, „wir brauchen hoch qualifizierte Frauen und Männer, die den medizinischem Fortschritt zum Nutzen der Patienten einsetzen können”.

Und gerade im Gesundheitsbereich seien die Chancen, Arbeit zu finden, sehr gut: Während früher vor allem von der Ärzteschaft eine „Ärzteschwemme” beklagt worden sei, herrsche nun ein Ärztemangel, so Schmidt.

Nicht optimal

Nicht optimal geregelt sei derzeit die Zulassung zum Medizinstudium: Nur wenige Universitäten machten eine „Mischkalkulation”, die meisten achteten weiterhin nur auf die Abiturnote, kritisierte Thomas Schmitz-Rode von der Arbeitsgemeinschaft Helmholtz-Institut für Biomedizinische Technik. Studienplatzkapazitäten und Studienbedingungen seien jedenfalls Ländersache. Eine Aachener Medizinstudentin beklagte, dass „wir in gut besuchten Vorlesungen auf den Treppen oder hinten in der Galerie stehen”.

Andere Wortmeldungen aus dem Publikum zeichneten ein düsteres Bild: mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gestresste Ärzte, bessere Honorare in Großbritannien und den Niederlanden sowie unbezahlte Überstunden.

Besserung verspricht Schmidt durch Optimierung der Arbeitszeitorganisation und Kinderbetreuung, die vor allem Frauen zugute kommen könne. Prozessabläufe zwischen den verschiedenen Bereichen müssten verbessert werden. Ein Arzt solle sich - unterstützt von Dokumentationsassistenten und Informationstechnik - auf Diagnose und Erstellung von Therapieplänen konzentrieren können. Die Honorare seien hier auf einem mittleren Niveau, das sei eine Abwägungsfrage: In den Niederlanden zum Beispiel würden Leistungen für Patienten eingeschränkt. Unentgeltliche Überstunden, „das darf nicht passieren”. Da müsse der Personalrat einschreiten, so Schmidt.

Keine Mehrheit

Bedauernd stellte sie fest, dass im Bundestag keine Mehrheit für eine eigenständige Säule „Prävention” vorhanden sei. Neben Behandlung, Rehabilitation und Pflege müsse auch diese Säule künftig auf der Agenda stehen.

Schmitz-Rode erklärte unter anderem, die gestiegene Lebenserwartung erzwinge größeren Behandlungsbedarf, zudem werde eine deutliche Zunahme chronischer und psychischer Erkrankungen erwartet. Die Gesundheits- und Krankheitsausgaben stiegen an, „ich denke, das kriegen wir nicht gebremst”, auch aufgrund hoher Erwartungen der „Konsumenten im Gesundheitsmarkt”.

Man setze künftig verstärkt auf „präventive und individuell zugeschnittene Medizin”, damit gehe eine Zunahme nicht-ärztlicher Angebote einher. Benötigt würden neben Pflegekräften auch Physiotherapeuten, Chiropraktiker, Logopäden etc. und nicht zuletzt Pharmazeuten.
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