Vom Siebdruck bis zum Tonstudio: Vielfalt im Autonomen Zentrum

Von: Heiner Hautermans
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Im AZ finden nicht nur Konzert
Im AZ finden nicht nur Konzerte statt. Trödelmarkt, Wandgestaltung, Workshop Friseur, Yoga und ein Tischtennisturnier sind einige Programmpunkte im August. Lasse leitet die Fahrradwerkstatt. Ralf Roeger

Aachen. „Ich bin begeistert, vor allem von der Vielfältigkeit des Angebotes”, äußerte sich Ellen Begolli, Ratsfrau der Linken, am Freitag nach einem Rundgang im Autonomen Zentrum (AZ) in der Nähe des Hauptbahnhofs.

Die Autonomen hatten zum Tag der offenen Tür geladen, um einmal zu zeigen, was in dem unterirdischen, 700 Quadratmeter großen ehemaligen Bunker so alles passiert.

Und das ist in der Tat eine Menge, erläutert die für Presse zuständige Jenni Farber. Anlass der Einladung war ein erneutes Gespräch zwischen Stadt, AZ und einem möglichen Kaufinteressenten für das leerstehende Gebäude, einer Hotelkette.

Die will dort ein Low-Budget-Hostel einrichten, das Autonome Zentrum sieht sich in Gefahr. Jenni Farber will über den Inhalt des Gesprächs, das Ende September fortgesetzt wird, nicht viel loswerden, erst muss das bis zu 50-köpfige Kernplenum informiert werden. Doch das Grundproblem ist für sie, einen Vertrag mit einer privaten Gesellschaft abzuschließen statt wie bisher mit der Stadt.

Die überlässt die sieben Räume in zwei Flügeln bisher unentgeltlich den Autonomen. Jenni Farber fürchtet deshalb, dass der Förderverein irgendwann auf die Straße gesetzt wird und sich die Stadt dann aus ihrer sozialen Verantwortung stiehlt.

Eigeninitiative und Selbstverwaltung stehen im Autonomen Zentrum an erster Stelle. Auch wer kein Geld hat, soll die Angebote nutzen können. So spielen die meisten Bands für das Spritgeld, beim Eintritt kann eine Spende geleistet werden: „Wir arbeiten alle kostenlos.” Für den Bühnenaufbau hat der 33-jährige Marcel 250 Stunden geschuftet.

Wie das genau funktioniert, schildert Jenni Farber anhand ihres Falles. Irgendwann bekam sie mit vier anderen Mädels Lust, Musik zu machen. Ahnung hatten sie keine; Instrumente ebenfalls nicht. So liehen sie sich Instrumente aus, fragten bei anderen Bands nach und fingen an zu üben, drei Jahre lang, Abteilung Deutschwave.

Zwei Auftritte gab es bisher, vier Lieder haben sie selbst geschrieben. Gar nicht schlecht, findet Jenni Farber das, angesichts der Tatsache, dass die Mädels vorher völlig unbeleckt waren. Sechs Bands teilen sich den Probenraum, sagt Hardwaver Julian: „Jede Band hat einen Wochentag. Wir haben hier im Tonstudio günstig unsere erste Aufnahme gemacht.”

Im Siebdruckraum, wo gerade Plakate für ein feministisches Lady-Fest Anfang September entstehen, arbeitet Jan aus Sachsen mit, der zum Studium nach Aachen gekommen ist und im Autonomen Zentrum Leute kennenlernte, die den selben Lebensstil wie er hatten und sich für ein Projekt engagierten, an dem sie Spaß hatten.

Momentan schreibt er seine Masterarbeit und bekommt wahrscheinlich danach eine Stelle im Raum Aachen, kann also beim AZ weitermachen. 200 bis 300 ständige Nutzer hat das AZ, kürzlich wurde eine Art Klassentreffen veranstaltet, immerhin wird im nächsten Jahr das 20-jährige Jubiläum gefeiert. Dabei habe man festgestellt, dass die Alters-Bandbreite von 16 bis 56 Jahre reicht: „Dafür brauchen andere ein Mehrgenerationenhaus.”

Wie so ein Angebot entsteht schildert Lasse in der Fahrradwerkstatt. „Ich bin leidenschaftlicher Radfahrer und habe immer die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, wenn Freunde erzählten, dass sie die Bremse reparieren ließen und dafür 50 Euro bezahlen mussten.” Da beschloss er, in unregelmäßigen Abständen im Autonomen Zentrum kostenlos Drahtesel aufzuarbeiten. Er bringt den Interessenten bei, wie sie selbst Hand anlegen können. Nur Ersatzteile sind mitzubringen.

Viele wollen nicht fotografiert oder mit Nachnamen genannt werden, die Angst vor der jetzt verbotenen Kameradschaft Aachener Land (KAL) sitzt immer noch tief. Attacken gab es genug. Jenni Farber: „Ich bin nachts nicht allein nach Hause gegangen, weil uns aufgelauert wurde.”
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