Sin City 2 Freisteller Kino

Volkszählung: Aachen ist der große Verlierer

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
zensus
Überraschung: Aachen hat viel weniger Einwohner als bisher angenommen. Symbolfoto: dpa

Aachen/Städteregion. Der Zensus 2011 könnte Aachen teuer zu stehen kommen. Die vor zwei Jahren offiziell ermittelte Einwohnerzahl von exakt 236.420 Menschen mit Hauptwohnsitz in Aachen drückt Aachen wieder deutlich unter die magische Zahl von 250.000, ab der die Stadt in der Liga der Großen mitspielen kann. Das könnte schwerwiegende Folgen für den Haushalt der Stadt haben.

Welche Auswirkungen die erste Volkszählung seit 20 Jahren auf die Stadt hat, war auch für die Verwaltungsspitze eine wichtige, aber noch nicht zu klärende Frage. „Die Zahlen werfen mehr Fragen auf, als dass sie Antworten geben“, sagte Oberbürgermeister Marcel Philipp am Freitag. Man müsse zunächst die Zahlen in Ruhe auswerten und dann die richtigen Schlussfolgerungen ziehen.


Klar ist jedoch, dass die Einwohnerzahlen eine wichtige Bezugsgröße für die Zuweisungen des Landes sind. Aber auch die Größe des Rates richtet sich nach den Einwohnerzahlen. Und selbst die Besoldungsgruppen der Spitzenbeamten orientieren sich am Bevölkerungsstand.


Schwer zu schaffen macht den Statistikern in Stadt und Land aber auch die deutliche Diskrepanz zwischen den eigenen Zählungen und dem nun vorgelegten Zensus-Ergebnis. Die Stadt ging bisher von 241.722 Aachenern mit Hauptwohnsitz aus, das Land kam in seiner Zählung sogar auf 258.189 Einwohner. Letztere Zahl galt als Grundlage für die bisherigen Schlüsselzuweisungen des Landes und auch für die Größe des Rates mit seinen 66 Sitzen (plus acht Überhangmandate).


So groß wird der künftige Rat wohl nicht mehr werden, denn der nun wieder geschrumpften Stadt stehen nur noch 58 Ratsmitglieder zu. Ob das freilich schon für die Kommunalwahl 2014 gilt, konnte am Freitag selbst beim Innenministerium in Düsseldorf nicht mehr abschließend beantwortet werden.


Sicher ist hingegen, dass die neue Zählung auf den Haushalt 2013 keine Auswirkungen mehr hat, wie Pressesprecherin Vera Clement auf Anfrage mitteilte. Für den Haushalt 2014, für den bereits in diesem Sommer die Eckpunkte stehen müssen, sei man laut Clement noch in der Abstimmung mit den kommunalen Spitzenverbänden.


Stephan Articus, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, warnte am Freitag bereits vor allzu schmerzhaften Folgen für Städte mit großen Einwohnerverlusten: Es müssten Übergangsregelungen geschaffen werden, um die finanziellen Auswirkungen abzufedern.


Von den Korrekturen nach unten seien insbesondere Städte mit einem hohen Anteil an Migranten und Studenten betroffen, teilt der Städtetag mit. Für Aachen hat Yvonne Debald, neue Leiterin der städtischen Statistikstelle, eine ähnliche Tendenz feststellen können. Während die Stadt zum Stichtag von 33.664 in Aachen lebenden Ausländern ausging, zählte der Zensus lediglich 29.710 Ausländer. Eine Erklärung für die Differenz könnte sein, dass Abmeldungen ausbleiben, wenn jemand die Stadt wieder in Richtung Ausland verlässt.


Nach Angaben des städtischen Pressesprechers suche man auch noch nach Besonderheiten in Universitätsstädten. Man habe daher unter anderem Kontakt mit Bonn und Münster aufgenommen. Ein gemeinsamer Trend sei nicht gefunden worden. Aus Erfahrung wisse man jedoch, dass die Einwohnerzahl in Aachen Ende des Jahres um rund 5000 höher sei als im Mai.

Dennoch wirken die Zahlen für Aachen insgesamt „ernüchternd“, gesteht Poth zu. Schließlich wähnt sich die Stadt seit Jahren auf Wachstumskurs – auch aufgrund der doppelten Abiturjahrgänge und steigender Studentenzahlen. Der nun vorliegende Datensatz wird – wie zuvor die Volkszählung 1987 – maßgebliche Basis für alle künftigen Statistiken sein und auf Jahre hinaus fortgeschrieben. Wann Aachen dann wieder die Viertelmillion-Marke überspringt, kann niemand absehen.


Aachen kann nun noch hoffen, dass alle Städte ähnliche Einwohnerrückgänge haben, denn dann würde es voraussichtlich auch nur geringe Veränderungen bei den Zuweisungen geben.

Leserkommentare

Leserkommentare (13)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.