Aachen - „Vincent will Meer“, oder: Wer ist hier der Kranke?

Whatsapp Freisteller

„Vincent will Meer“, oder: Wer ist hier der Kranke?

Von: Martina Stöhr
Letzte Aktualisierung:
15274983.jpg
Mit Transportboxen für Arzneimittel lösen Intendant Tom Hirtz und Maren Dupont das Problem der vielen Ortswechsel, die der Film „Vincent will Meer“ beinhaltet. Auf der Bühne des Das-Da-Theaters stellen sie verschiedene Schauplätze dar. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die auf der Bühne gestapelten Transportboxen bieten einen imposanten Anblick. Sie sind mit Pharmaaufklebern versehen und den Namen unzähliger Medikamente. Für Vincent, Marie und Alex sind sie die Kulisse ihres Abenteuers. Um den Film „Vincent will Meer“ auf die Bühne zu bringen, musste sich das Das-Da-Theater schon etwas einfallen lassen.

„Die vielen Ortswechsel lassen sich nur schwer auf die Bühne übertragen“, meint Intendant Tom Hirtz. Die Transportboxen sind die Lösung, um flexibel von einer Szene zur nächsten zu wechseln: sie sind einmal Zimmer in der Psychiatrie, dann Speisesaal und schließlich auch das Auto, mit dem die drei die Flucht antreten.

Vincents Vater hat ihn kurzerhand in die Psychiatrie verfrachtet: Er ist Politiker, steht im Wahlkampf und kann seinen Sohn, der am Tourette-Syndrom erkrankt ist, gerade so gar nicht gebrauchen. Doch Vincent hat nur eines im Sinn: Er will die Asche seiner gerade verstorbenen Mutter an die italienische Küste bringen, um ihr so ihren größten Wunsch zu erfüllen, den sie zu Lebzeiten hatte. Mit seinen neuen Freunden aus der Psychiatrie, der magersüchtigen Marie und dem Zwangsneurotiker Alex, beginnt er eine Reise ins Ungewisse, verfolgt von seinem Vater und der Ärztin aus der Psychiatrie.

„Dieses Stück ist ein Glücksgriff“, meinen Tom Hirtz und Maren Dupont, die für die Inszenierung verantwortlich ist. Die Möglichkeit, Themen wie psychische Behinderungen ganz locker und humorvoll zu behandeln, fasziniert beide gleichermaßen. Besonders spannend dabei sei die Entwicklung von Vincent und seinem Tourette-Syndrom, das ihn immer wieder zwingt, Schimpfwörter wie „Arschloch“ auszustoßen und mit Kopf und Gliedmaßen zu zucken.

Schauspieler Malte Sachtleben platziert diese Attacken so gekonnt, dass sie den Zuschauer nicht über Gebühr strapazieren. Und Angela Ahlheim nimmt man die magersüchtige Marie ebenso ab wie Klaus Beleczko den zwangsneurotischen Alex.

Die Entscheidung, den Film „Vincent will Meer“ als nächstes Stück des Das-Da-Theaters zu wählen, ist Maren Dupont nicht schwer gefallen. „Ich wusste sofort: Das will ich machen, das will ich auf die Bühne bringen“, sagt sie. Dabei faszinieren sie die Vielschichtigkeit der Charaktere und die Wandlung, die sie durchlaufen.

Zum Beispiel Vincent, der schon alles ausprobiert hat, um das Tourette-Syndrom in den Griff zu bekommen, und der sich immer mehr in sich zurückzieht: Die gemeinsame Reise mit seinen neuen Freunden zwingt ihn, mit ihnen in Kontakt zu treten. „Er kann mit großer Normalität Dinge in Angriff nehmen“, sagt Hirtz. Ihm gefällt vor allem auch die Spannung zwischen „gesund und krank“. Denn es sei bei weitem nicht immer klar, wer von den Protagonisten nun wirklich krank sei.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert