Aachen - Vier Parteien wollen eine Stadtbahn

Vier Parteien wollen eine Stadtbahn

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Zehn Haltestellen sind für die Fahrt vom Uniklinikum über den Campus bis zum SuperC vorgesehen, reine Fahrzeit 13,6 Minuten. Grafik: AN

Aachen. Aachen, so wollen es CDU, SPD, Grüne und die Linke im Stadtrat, soll so schnell wie möglich eine schienengebundene Stadtbahn bekommen. Nur die FDP will sich weiterhin zwei Varianten - eine Seilbahnlösung war ebenso im Gespräch - offen halten und scherte in letzter Minute aus der Einträchtigkeit der Ratsfraktionen aus.

In einem ungewöhnlichen Verfahren näherten sich am Mittwoch die Ratsparteien einem immens wichtigen verkehrspolitischen Thema: Der zukünftigen Verkehrsanbindung des RWTH Campus Melaten und des Campus Westbahnhof an die Stadt durch ein öffentliches Nahverkehrssystem.

Gemeinsam mit Baudezernentin Gisela Nacken gingen die vier Fraktionsvorsitzenden an die Öffentlichkeit mit der Bekundung, dass eine moderne, leistungsfähige Straßen- bzw. Stadt-Regionalbahn die neuen Gebiete im Westen der Stadt erschließen soll.

Die vier Parteien favorisieren nach einer in der sogenannten „Lenkungsgruppe” vorgestellten Machbarkeitsstudie - sie wurde mit EU-Interreg-Mitteln gefördert - das Betriebskonzept „Stadtbahn”, die zunächst in einem „ersten, eher dünnen Arm” (Nacken) zwischen Uniklinik und SuperC betrieben werden soll.

„Um an Fördermittel des Bundes wie auch des Landes zu kommen”, beleuchtete Nacken die Situation, „müssen wir allerdings einen Gesamtnutzen für die Stadt nachweisen.” So sollen jetzt bereits Anschlusslinien „mit einem großen Verkehrsaufkommen” in den nachfolgen Ausbauabschnitten mitgeplant werden. Nacken: „Die Stadtbahn wird über den Bushof bis nach Brand und mit einem weiteren Arm bis Merzbrück geführt werden.”

Alle vier Fraktionen haben eine Insellösung als für Aachen untauglich abgelehnt. Gemeint damit waren Konzepte verschiedenster Seilbahn- wie auch sogenannter Monorailkonzepte, sogar ein fremdgesteuertes Bussystem war dabei. Für die Seilbahn sprach zunächst ihre kostengünstige Struktur, die Stelzenbahnkonzepte waren von vorne herein erheblich zu teuer und hätten - wie auch die Seilbahn - in keinem Fall weiter durch die zu engen Innenstadtstraßen geführt werden können.

Planer Kai Mohnen (Fachbereich Verkehrsanlagen) stellte die von den Büros „Lindschulte+Kloppe” und den Aachenern „HJP Planer” ausgearbeitet Vergleichsstudie vor. Das favorisierte Konzept „Stadtbahn/Campus Aachen” sieht sechs energiefreundliche und teilweise oberleitungsfrei fahrende Straßenbahnzüge vor.

Sie können mit ihren je 150 Plätzen und einem zehnminütigen Fahrtakt 900 Fahrgäste pro Stunde und Richtung transportieren. Zehn Haltestellen sind auf der Strecke Uniklinik bis Hauptgebäude/SuperC vorgesehen, die Fahrzeit einer Strecke wird 13,6 Minuten betragen, Kosten etwa 75 Millionen Euro.

Harald Baal (CDU) bewertete das Vorhaben so: „Unser Fraktion hat sich einstimmig dem Stadtbahnkonzept angeschlossen.” Das freute die langjährige Befürworter einer neuen Straßenbahn für Aachen, die vor wenig mehr als zehn Jahren von der CDU/FDP-Mehrheit im Rat strikt abgelehnt und mit großem Tamtam abgelehnt worden war - 500 Millionen D-Mark Landesmittel verfielen damals. Bahn-Befürworter Norbert Plum (SPD): „Der Vorgang hat uns damals die Wahl gekostet.”

Jetzt sei man hocherfreut und wolle darüber hinaus die Anbindung des Systems an die Vaalser Straße anmahnen. Und es bedürfe eines Planes „B”, falls das Projekt scheitere. Für die Grünen begrüßte Michael Rau beinahe euphorisch die Einigkeit: „Ich verspüre riesige Freude”, bekundete der ansonsten eher verhalten agierende Stadtplaner und freute sich auf eine Weiterentwicklung „der guten, alten Straßenbahn”.

Für die Linke äußerte Sprecher Andreas Müller beinahe Identisches und stellte außerdem vergnügt fest, dass eventuell der ortsansässige Anbieter Bombardier mit seiner Bahn zum Zuge kommen könne. Die Ratsentscheidung werde allerdings nicht schneller als in der zweiten Jahreshälfte fallen, erklärte Nacken zum Zeitraster, in etwa zwei Jahren könne die Sache koordiniert sein. Baal schätzte den Start der Bahn auf „etwa 2018 bis 2020”.
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