Aachen - Vier Kita-Gruppen in der Grundschule

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Vier Kita-Gruppen in der Grundschule

Von: Margot Gasper
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Die Betreuungslandschaft wird bunter: Beim Kita-Ausbau für die unter Dreijährigen denkt Schwarz-Grün konkret über Provisorien nach. Foto: imago/CHROMORANGE

Aachen. Die Liste ist umfangreich. Schon jetzt warten rund 300 Kleinkinder unter drei Jahren zum 1. August auf einen Betreuungsplatz. Damit ist nun auch in Zahlen dokumentiert: Wenn der ab August geltende Rechtsanspruch erfüllt werden soll, müssen auch in Aachen Übergangslösungen her.

Ruth Wilms (CDU), Vorsitzende des Kinder- und Jugendausschusses, und Hilde Scheidt, jugendpolitische Sprecherin der Grünen, stellten am Donnerstag denkbare Szenarien für ein solches Notfallprogramm vor.

Im Vergleich zu anderen Kommunen steht Aachen in Sachen U3-Ausbau gut da. Für gut 37 Prozent der Kinder unter drei Jahren will die Stadt Aachen bereits im Kindergartenjahr 2013/14 einen Betreuungsplatz bereitstellen. Zum 1. August, wenn alle Ein- bis Dreijährigen einen gesetzlich verankerten Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz haben, ist diese Quote allerdings nicht komplett zu erfüllen. Zahlreiche Neubau- und Umbauprojekte in Kindertagesstätten sind erst in der Vorbereitung oder gerade im Bau.

Nun ist belegt, dass auch eine Versorgungsquote von 37 Prozent bei Weitem nicht reichen wird. „Mit 300 Neuanmeldungen liegen wir schon jetzt bei einem Betreuungsbedarf von rund 50 Prozent“, erklärt Scheidt. Mittelfristig seien für eine Großstadt wie Aachen gut 60 Prozent durchaus realistisch.

Verschiedene Komponenten können aus Sicht von Schwarz-Grün für eine Übergangszeit helfen, den Betreuungsnotstand zu überbrücken.

In den Räumen der Grundschule am Kronenberg, die geschlossen wird, können nach Vorstellungen von CDU und Grünen zum Beispiel vier Kita-Gruppen für unter Dreijährige eingerichtet werden. „50 neue Betreuungsplätze werden auch durch die Tagespflege, also bei Tagesmüttern, entstehen“, erwartet Wilms. „Und eventuell müssen wir auf Freiflächen an Kindergärten auch Container-Kitas aufstellen.“

In Schulen ließen sich freie Räume für „Lena-Gruppen“ herrichten. Das Konzept „Lena“ steht für „Lernen und Erziehen nutzt allen“ und wird zum Beispiel in Mönchengladbach praktiziert. In solchen Großtagespflegestellen kümmern sich zwei Tagesmütter um bis zu neun Kleinkinder. Die Arbeit dieser Lena-Gruppen solle eng mit den Kindertagesstätten verzahnt werden, fordert Wilms.

„Nur wenn alle Stricke reißen“, betonen die beiden Jugendpolitikerinnen, werde man auch Kita-Gruppen überbelegen. Mehr als ein zusätzliches Kind pro Gruppe ist aus ihrer Sicht aber nicht denkbar. Maßnahmen wie im Ruhrgebiet, wo unter bestimmten Bedingungen bis zu fünf U3-Kinder zusätzlich in eine Gruppe aufgenommen werden sollen, möchten Wilms und Scheidt für Aachen auf jeden Fall ausschließen.

Am Dienstag, 14. Mai, steht der „Sachstand U3-Ausbau“ wieder einmal im Kinder- und Jugendausschuss auf der Tagesordnung. Die Sitzung beginnt um 17 Uhr im Verwaltungsgebäude Mozartstraße. Dann werden wohl auch alle denkbaren Not- und Übergangslösungen auf den Tisch kommen.

„Wir wollen aber auf keinen Fall bis in alle Ewigkeit mit Notlösungen arbeiten“, sagt Ruth Wilms schon jetzt kategorisch. „Deshalb werden wir das Notprogramm zunächst bis zum Kita-Jahr 2015/16 planen.“

Die freien Träger von Kindertagesstätten sollen bei allen Anstrengungen auf jeden Fall mit ins Boot. Noch im Juni soll der Runde Tisch zur U3-Betreuung einberufen werden. „Da werden wir gemeinsam über alle Möglichkeiten sprechen“, kündigt Scheidt an.

Auf keinen Fall aber dürfe die Schaffung von (provisorischen) U3-Plätzen zu Lasten der Betreuungsqualität gehen. Und die Anstrengungen sollen auch nicht auf die Knochen der Erzieherinnen gehen. „Wir müssen Personal und Personalrat in die Diskussion einbeziehen“, betont die Grünen-Politikerin. Schon jetzt seien die Beschäftigten in vielen Kitas überlastet. „Deshalb wird es nicht in jeder Kita möglich sein, die Belegungszahlen voll auszureizen.“

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