Vier Jahre Haft für zwei Schüsse auf Türsteher

Von: Von Wolfgang Schumacher
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Aachen. Autohändler Marsel Q. (39) ist noch mal gut weggekommen. Denn seine Schüsse auf einen der Türsteher vor dem Club Regatta an Aachens Büchel im September 2011 hätten auch tödlich sein können.

Doch der 37-Jährige überlebte. So war denn auch versuchter Totschlag vor dem Aachener Schwurgericht angeklagt.

Doch nach eingehender Beratung des Falles kam zunächst Staatsanwalt René Gilles zu der Auffassung: Es lag „nur“ eine gefährliche Körperverletzung vor. Dies vor allem, weil der aus Albanien stammende Hitzkopf nach den zwei Schüssen und einer - allerdings nicht nachweisbaren - Ladehemmung seiner Pistole schließlich von dem Opfer abließ und mit einem Kumpel flüchtete.

Weil er von dem Tötungsversuch zurückgetreten sei, was juristisch für dieses Delikt strafbefreiend ist, beantragte Gilles drei Jahre Haft wegen gefährlicher Körperverletzung. Das war der Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl allerdings zu wenig. Für vier Jahre muss Q. jetzt nach dem Urteil brummen. Nach seiner Flucht in der Nacht zum 3. September 2011 hatte die Polizei ihn im August 2012 im spanischen Valencia festgenommen - er war beinahe ein Jahr untergetaucht.

Sich zu verstecken, hat Marsel Q. gelernt. Unter mindestens fünf verschiedenen Alias-Namen beantragte er immer wieder Asyl, in Deutschland ebenso wie in Belgien. „Der Angeklagte“, so Richter Nohl, „stammt durchaus aus einer guten Familie. Sein Vater war Kapitän, seine beiden Schwestern absolvierten erfolgreich ein Medizinstudium.“ Doch der Bruder war trotz Abitur anscheinend nicht ganz so toll geraten. Bereits Ende der 1990er Jahre gibt es die ersten Eintragungen ins Strafregister, da ging es um kleine Diebstähle.

Die Sache in der Disko Regatta nach einer „Russischen Nacht“ habe viel „mit einem falsch verstandenen Ehrbegriff und einem nicht ganz nachvollziehbaren Abrechnungssystem“ im Club selbst zu tun, so der Richter in der Urteilsverkündung.

Denn die Auseinandersetzungen begannen, als man sich morgens gegen fünf Uhr um die Bezahlung der Verzehrkarten zu streiten begann. Q., sein Freund und eine Frau aus der Antoniusstraße mussten zu dritt 37 Euro bezahlen. Dieser Betrag war aber nur auf einer von drei Verzehrkarten eingetragen und nicht verteilt worden. Für die zwei leeren Karten sollten nochmals je sechs Euro fällig werden. Abzocke, meinte da der Angeklagte und beschwerte sich, dass der Türsteher so abfällig mit ihm rede - er sei schließlich ein Albaner.

Später dann draußen zog er die Waffe und schoss auf den Türsteher, der Feierabend machen wollte.

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