Vier Jahre Haft für Messerattacke auf Kioskbesitzer

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Es sei „eine bescheuerte Idee” gewesen, hatte es der Angeklagte im Prozess selbst formuliert, am Abend des des 2. Februar den Kiosk in der Viktoriastraße überfallen und dabei den Besitzer mit einem Messer schwer verletzt zu haben.

Der Vorsitzende der 1. Großen Jugendkammer am Aachener Landgericht, Richter Gerd Nohl, schloss sich dieser Einsicht vorbehaltlos in der Urteilsverkündung an: „Es war eine bescheuerte Idee”, begann er seinen Vortrag.

Das Gericht verhängte gegen den 18-jährigen Angeklagten aus Würselen eine vierjährige Jugendstrafe, eine Größenordnung, mit der der Schüler gut weggekommen sein dürfte. Immerhin wurde er wegen versuchten Mordes, versuchter schwerer räuberischer Erpressung und zweifacher gefährlicher Körperverletzung verurteilt - das reicht bei einem Erwachsenen für eine sehr lange Strafhaft.

Doch im Fall des 18-Jährigen waren sich Gutachter, Staatsanwaltschaft und Gericht völlig einig. Der gilt nach seinem Reifegrad noch als Heranwachsender, die Volljährigkeit ist noch nicht anzunehmen. Der aus einem sogenannten guten Elternhaus stammende junge Mann war des Öfteren in der Schule aufgefallen, wie es im Prozess hieß, hatte bereits andere Schüler „abgezogen”.

Dann, so beschrieb Richter Nohl die Lage kurz vor der Tat in der Viktoriastraße, rutschte der Junge immer mehr ab, verbrachte seien Zeit in Spielhallen, kiffte verstärkt und fand vor allen Dingen in Aachen „falsche Freunde”, wie der Richter es bezeichnete. Freunde, „die, wenn wir sie durch den Computer schicken, uns alle hier wohlbekannt sind”, meinte der Vorsitzende mit einem Anflug von Resignation.

So sei das Urteil eine Chance für den jungen Mann, wieder Tritt zu fassen. Sein Verteidiger Dirk Bach beantragte sogar, ihn auf alle Fälle in Haft zu belassen, weil er bereits seine fehlenden Schulabschlüsse nachmache.

Für den verletzten Kioskbesitzer, einen 44-jährigen Asiaten, mag das ein wenig tröstlich sein. Das Opfer hatte sich vorher und auch während der Hauptverhandlung bereit erklärt, mit seinem Angreifer zu sprechen, eine Seltenheit in den Gerichtssälen bei derartig schweren Deliktarten.

Am Tattag, einem kalten Wintertag im Februar, begann es gegen 11.30 Uhr bereits mit Gewalt, als der 18-Jährige mit seinen drei Kumpels auf dem Adalbertsteinweg auf einen Bekannten traf. Der wollte Schulden bei der Gruppe eintreiben, am Ende fehlte ihm ein Zahn und die Lippe war geplatzt. Im Verlauf des Tages, so der Richter, habe der Junge versucht, sich 150 Euro zu leihen - die hatte er zuvor seinem Vater geklaut, wollte das Geld unbedingt wieder zurücklegen. Abends ging er dann mit seinem Springmesser los, schlich im Verkaufsraum eines ersten Kiosks herum, der Besitzer verscheuchte ihn und rief sogar sofort seinen Verwandten in der Viktoriastraße an.

Fünf Mal zugestochen

Doch da kam es dann zu der Tat, er stach „mindestens fünf Mal zu”, mit Glück überlebte der Besitzer die Messerattacke mit relativ leichten Stichverletzungen. Zum Zeitpunkt der Tat, so das Gericht, habe er den Tod des Mannes „billigend in Kauf genommen”, wie es juristisch heißt, sie sei in „Verdeckungsabsicht” seiner eigentlich geplanten Straftat, dem Griff in die Kioskkasse, geschehen.
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