Aachen - Vier Jahre Haft für Investor Kahlen

Vier Jahre Haft für Investor Kahlen

Von: Wolfgang Schumacher und Gerald Eimer
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Blick auf das Gelände der geplanten Kaiserplatz-Galerie an der unteren Adalbertstraße. Welche Auswirkungen die Haftstrafe für Kahlen auf das Großprojekt in der Innenstadt hat, ist

Aachen. Als der bekannte Investor und Architekt Hans Kahlen nach seiner Festnahme im Juni des Jahres 2007 von den „Nachrichten” befragt wurde, was denn nun dran sei, an den Betrugsvorwürfen der Staatsanwälte, meinte der Planer der Kaiserplatz-Galerie damals wörtlich: „Ich wurde in meinem bewegten Leben schon mit dem ein oder anderen Vorwurf belegt. Alle haben sich am Ende in Wohlgefallen aufgelöst.”

Dazu hatte das Duisburger Landgericht am Dienstag eine völlig andere Meinung. In ihrem Urteilsspruch belegte die 4. Große Strafkammer (Vorsitz Richter Jens Luge) den umtriebigen Aachener Investor mit einer Haftstrafe von vier Jahren.

Die Liste der strafbewehrten Vorwürfe ist lang. Die Kammer, die hier als Wirtschaftsstrafkammer urteilte, sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte Steuerhinterziehung in sieben Fällen, Beihilfe zur Steuerhinterziehung in zwei Fällen, versuchte Steuerhinterziehung, Kreditbetrug, Betrug in zwei Fällen, vorsätzlichen Bankrott in drei Fällen, zweifache vorsätzliche Verletzung der Buchführungspflicht und vierfache Verletzung der Insolvenzabtragspflicht begangen habe.

So ist denn das Strafmaß von vier Jahren Haft in einem Wirtschaftsstrafverfahren durchaus eine Hausnummer. Kahlen (58) hatte zugegeben, Unrecht begangen zu haben, was jedes Gericht im Strafmaß berücksichtigt. Der Angeklagte habe „Unrechtseinsicht” gezeigt, formulierte es Richter Luge im Urteil. Und Kahlen war bereit, mit einer sofortigen Zahlung von 2,44 Millionen den Schaden „zum großen Teil”, so der Duisburger Gerichtssprecher Bernhard Kuchler, wiedergutzumachen.

Der Verurteilte selbst wollte zu dem Ausgang des Prozesses keine Stellung nehmen. „Kein Kommentar. Ich muss das erst einmal sacken lassen”, meinte der Professor auf Anfrage. Doch dann versicherte er: „Sie wissen, ich werde nicht müde, das zu sagen. Das hat alles keinen Einfluss auf die Kaiserplatz-Galerie. Die Dinge sind auf einem guten Weg.”

Die Betrugsvorwürfe von 2007 gründeten sich hauptsächlich auf ein Kahlen-Projekt von 2002/2003 an der Düsseldorfer Hansaallee. Hier war ein Bürokomplex geplant, für den Kredite gewährt wurden. Kahlen soll in diesem Zusammenhang Banken über die vereinbarten Baukosten getäuscht und diese als zu hoch angegeben haben. Mit den Mitteln seien Scheinrechnungen von Firmen in Höhe von etwa 7,5 Millionen Euro bezahlt worden, hieß es in der Anklage. So entstanden auch erhebliche Steuerschulden.

Kahlen selbst wollte am Dienstag noch nicht sagen, ob er letztlich das Urteil akzeptiert. Eine Woche hat er Zeit, um mit seinen Anwälten zu entscheiden, ob er Revision gegen den Duisburger Spruch einlegt. Dann würde das Verfahren beim Oberlandesgericht in Düsseldorf überprüft.

Ob die Haftstrafe tatsächlich ohne Belang für das Kaiserplatz-Projekt ist, bleibt vorerst eine ungeklärte Frage. Noch am Morgen soll sich Oberbürgermeister Marcel Philipp im Kreis der Verwaltungsspitze optimistisch über den weiteren Fortgang an der Adalbertstraße geäußert haben - freilich noch in Unkenntnis des Richterspruchs. Die Suche nach einem Endinvestor für das 240-Millionen-Projekt laufe jedoch längst unabhängig vom einstigen Ideengeber Kahlen, heißt es. Bis zum Sommer, so die Hoffnung von Politik und Verwaltung, könnten die Verhandlungen abgeschlossen sein.

Mehr als hoffen können Politik und Verwaltung sowieso nicht. Denn hinter dem städtebaulich bedeutenden Großvorhaben stehen knallharte privatwirtschaftliche Interessen. Wie und wann es weitergeht, entscheiden ausschließlich die Geldgeber.

Unter den Interessenten, die immer wieder genannt werden, ist auch der Branchenriese ECE, der bundesweit zahlreiche Einkaufslandschaften gebaut hat und betreibt. Laut Projektentwicklungsgesellschaft Adalbertstraße (PEA) soll es jedoch noch weitere ernsthafte Verhandlungspartner geben. Sollte diesmal alles stimmen, was verkündet wird, ist mit einem Fertigstellungstermin im Herbst 2013 zu rechnen. Allerdings wurden auch schon mal die Daten 2010, 2011 und 2012 genannt.
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