Aachen - Vier Experten für die tiefen Töne

Vier Experten für die tiefen Töne

Von: Sabine Busse
Letzte Aktualisierung:
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Vier Experten für tiefe Flötentöne: (v.l.) Judith Konter, Thomas Brinkmann, Susanne Schage, Matthias Schmidt bilden das Quartett „Arcardie”. Die Bandbreite an Instrumenten des Quartetts „Arcadie” reicht von der handlichen Piccolo- bis zur gewaltigen Kontrabassflöte. Foto: Heike Lachmann

Aachen. „Der Klang ist ja herrlich warm.” Diesen Satz hören die vier Arcadie-Musiker öfter nach einem Konzert von positiv überraschten Besuchern. Anscheinend sind viele skeptisch, dass ein reines Flöten-Quartett etwas schrill klingen könnte.

„Wir sind eben kammermusikalische Exoten”, winkt Thomas Brinkmann bei solchen Vorurteilen ab. Er bildet mit Judith Konter, Matthias Schmidt und Susanne Schrage das Flötenquartett Arcadie, das mit einer ungewöhnlichen Instrumentierung aufwartet: Ihre Ausstattung reicht von der handlichen Piccolo- bis zur ebenso gewaltigen wie seltenen Kontrabassflöte.

Letztere wird von den Ensemblemitgliedern auch liebevoll Ofenrohr genannt und ist Susanne Schrages ganzer Stolz: „Die Kontrabassflöte erschließt mir auch beim Üben ganz neue Welten!”

Das Instrument überragt sie um einige Zentimeter und sorgt für herrlich warme Töne, die manchmal an die dunkle Klangfarbe eines Cellos erinnern. Für diesen seltenen Flötenmix finden sich nur wenige Stücke in der gängigen Literatur. Worin die vier Musiker mehr eine Herausforderung als eine Einschränkung sehen. Befreundete Komponisten, wie der Aachener Gottfried Stein, arrangieren Stücke für sie um oder schreiben gleich neue. So reicht ihr Repertoire von Renaissance und Barock bis zu aktuellen Werken.

Über neue Musik nachdenken

Auch die Kölner Komponistin Heike Beckmann reizt es, sich für dieses Quartett mit dem speziellen Klang neue Musik auszudenken. Gerade sind per Mail neue Noten von ihr angekommen. Neugierig wandern die Blätter von einem zum anderen. In den nächsten Wochen werden die vier den Neuling im Repertoire einüben, eventuell um kleine Korrekturen bitten und am Arrangement feilen, bis es passt „wie ein guter Schuh”.

Denn zurzeit arbeiten die beiden Frauen und Männer von Arcadie, bei denen nicht nur die Geschlechterverteilung ausgewogen ist, an einem neuen Programm. So harmonisch wie ihre Musik klingt, gehen sie auch miteinander um. Es sind eben alles Profis: Schmidt stammt aus München, wo er auch studierte, und spielt im Sinfonieorchester Aachen stellvertretend die erste Piccoloflöte. Er schätzt die Arbeit mit dem Quartett als wichtige Ergänzung.

Konter hat wie die anderen beiden Aachener hier Musik studiert. Als Flötistin betrachtet sie die barocke Musik als ihre Heimat. Für ihre Ausflüge in den Jazz nutzt sie mehr die Stimme. Auch Brinkmann jazzt hobbymäßig. Dann improvisiert er am Klavier, während er im Quartett zu seiner geliebten Altflöte greift. Sein handwerkliches Geschick hat ihn außerdem zum „Flötendoktor” der Gruppe gemacht.

Schrage spielt wie alle ihrer Kollegen nicht nur eine Flöte. Und sie hat Spaß daran, in Archiven passende Noten und ergänzende Texten zu suchen. Denn die Programme von Arcadie sind meistens eine Kombination aus Musik und Text. Bei „Hör es klagt die Flöte wieder” geht es um das Thema Tod, das sie musikalisch und literarisch von mehreren Seiten beleuchten.

Die Schauspielerin Eva Weissenböck spricht die Texte, die wie ein roter Faden durch ernste, anrührende aber auch heitere Passagen führen. Auf das Thema kam die Gruppe aus persönlichen Gründen, als sich plötzlich mehrere mit dem Verlust von Familienangehörigen auseinandersetzen mussten. Das Programm wurde dann bei einer Benefizveranstaltung für ein Hospiz mit großem Publikumszuspruch uraufgeführt.

Jetzt planen die vier „Hör es klagt die Flöte wieder” auf CD aufzunehmen. Da wäre ihre dritte. Erst im letzten Jahr erschien die Zusammenstellung von stimmungsvollen Winterliedern „von den Sternen hergeweht”. Die kammermusikalischen Exoten sind eben sehr produktiv.
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